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Donnerstag, 08. März 2012

Glänzende Zahlen, großes Hickhack: Aufregende Zeiten für EADS

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"Ausgezeichnet!", "Sensationell!" Die jüngsten Quartalszahlen von EADS stoßen auf ein begeistertes Echo. Die Prognosen seien deutlich übertroffen worden, schwärmen Analysten. (Foto: dapd)

"Ausgezeichnet!", "Sensationell!" Die jüngsten Quartalszahlen von EADS stoßen auf ein begeistertes Echo. Die Prognosen seien deutlich übertroffen worden, schwärmen Analysten.

"Ausgezeichnet!", "Sensationell!" Die jüngsten Quartalszahlen von EADS stoßen auf ein begeistertes Echo. Die Prognosen seien deutlich übertroffen worden, schwärmen Analysten.

Die Aktien des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns steigen im Xetra-Handel zeitweise um bis zu zehn Prozent auf 29,47 Euro und sind damit so teuer wie seit Mai 2006 nicht mehr. (Chart: 3 Monate)

Ungeachtet des unsicheren wirtschaftlichen Umfelds klettert das Nettoergebnis im Quartal um 72 Prozent auf 612 Millionen Euro – doppelt so hoch wie erwartet. Im Gesamtjahr schnellt das Konzernergebnis sogar um 87 Prozent auf 1,033 Milliarden Euro.

Die European Aeronautic Defence and Space Co habe eine solide Wachstumsgeschichte, stellt der scheidende Vorstandsvorsitzende Louis Gallois fest und blickt mit Zuversicht auf das laufende Jahr: ...

"Die Weichen für steigende Profitabilität sind gestellt."

Branchenexperten hoffen, dass keine bösen Überraschungen diese Pläne durchkreuzen. In der Vergangenheit hatten etwa Probleme beim Airbus A380 …

… oder beim Militärtransporter A400M die Bilanzen immer wieder schwer belastet.

Das größte Risiko sind derzeit die Verzögerungen beim A350, der Mitte 2014 auf den Markt kommen soll.

Als besonders schwierig gilt die Herstellung großer Flugzeugteile aus Karbon.

Damit hatte auch der "Dreamliner" des Konkurrenten Boeing zu kämpfen.

Auch wegen dieser Probleme fällt die Prognose vorsichtig aus: EADS peilt für 2012 ein Umsatzplus von etwa sechs Prozent an.

Helfen soll dabei der Rekord-Auftragsbestand von 541 Milliarden Euro.

Spannend wird es für EADS Mitte des Jahres. Dann übergibt Gallois sein Amt an den Deutschen Thomas Enders.

Enders sitzt derzeit noch an der Spitze von Airbus und plant eine engere Verzahnung von Mutter und Tochter am Airbus-Standort in Toulouse.

Das sieht Deutschland gar nicht gerne, fürchtet das Land doch um das mühevoll austarierte deutsch-französische Gleichgewicht in dem wahrlich europäischen Konzern.

EADS ist mit seiner Flugzeugtochter Airbus seit der Gründung ein politisch hochsensibles Konstrukt.

Der Konzern entsteht im Juli 2000 aus der deutschen DaimlerChrysler Aerospace (DASA), dem französischen Unternehmen Aérospatiale Matra und der spanischen CASA.

Ziel ist es, einen europäischen Raumfahrt-, Luftfahrt- und Rüstungskonzern zu schaffen, der etwa mit dem US-Riesen Boeing auf Augenhöhe konkurrieren kann.

Die Machtverhältnisse in dem 120.000 Mitarbeiter starken Konzern sind dabei sorgfältig zwischen Deutschland und Frankreich sowie der spanischen Staatsholding SEPI ausbalanciert.

Lange Zeit vertritt der Stuttgarter Daimler-Konzern mit 22,5 Prozent genauso viele Stimmrechte wie der französische Staat (15 Prozent) und das französische Medienunternehmen Lagardère (7,5 Prozent) zusammen.

Daimler ist jedoch auf Rückzug und hält inzwischen nur noch 15 Prozent an EADS. Die Hälfte davon will der Konzern über die Staatsbank KfW an den deutschen Staat verkaufen. Weitere 7,5 Prozent liegen bei vorwiegend deutschen Finanzinvestoren und stehen gleichfalls zum Verkauf.

Im Sommer soll dann der deutsche Staat seine Rolle als Großaktionär einnehmen. Ein Vorgang, der beim zukünftigen EADS-Chef Enders Unbehagen auslöst.

"Wir brauchen nicht mehr staatliche Aktionäre und mehr staatliche Einflussnahme, sondern weniger", kommentiert Enders die Entscheidung des Bundes, bei EADS einzusteigen.

Der darauf folgende Streit zwischen Toulouse und Berlin soll Enders in seiner Skepsis bestärken: "Was nun passiert, ist ein Paradebeispiel dafür, wozu staatlicher Einfluss führt."

Auslöser für den Zwist ist ein Brief des Koordinators der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze, an Enders. Hintze beklagt darin die Zentralisierung der Kompetenzen in Toulouse.

Hintze befürchtet, dass deutsche Standorte zur verlängerten Werkbank verkommen könnten. Die Sorge gilt nicht nur den Arbeitsplätzen, sondern vor allem auch den technologischen Kompetenzen.

Dass Berlin als künftiger Großaktionär Standort- und Personalentscheidungen beeinflussen will, sorgt wiederum bei EADS für Unmut.

"Das Personal wird nach Fähigkeiten und nicht nach Nationalitäten ausgesucht", sagt ein Unternehmenssprecher. "Balance- und Proporzspiele wird es bei uns nicht geben."

Bundeskanzlerin Angela Merkel bemüht sich um versöhnlichere Töne und spricht der Führung des EADS-Konzerns und Tom Enders persönlich ihr Vertrauen aus.

Unternehmerische Entscheidungen bei EADS seien Sache des zuständigen Managements.

"Wir müssen zu einem gelassenen Dialog zurückkehren", appelliert auch Gallois. "Wir müssen mit den Missverständnissen zu einem Ende kommen."

"Wir ziehen nicht aus den EADS-Zentralen in Paris oder Ottobrunn bei München ab, es wird dort weiter Aktivitäten geben. Aber Tom hat beschlossen, dass sein Schwerpunkt Toulouse sein wird."

Gleichzeitig macht Gallois deutlich, dass sich das Management von EADS und Airbus nicht durch externe Einflussnahmen von seinem Kurs abbringen lasse.

Wenn es um die strategische Aufstellung und die Ernennung von Managern gehe, stehe das Interesse des Konzerns im Vordergrund.

EADS habe Wurzeln in Deutschland, Frankreich, Spanien sowie Großbritannien und wolle sich in allen diesen Ländern als "guter Staatsbürger" erweisen und Kompetenzen mobilisieren, schließt Gallois.

Europäischer kann man dieser Tage kaum sein. (sla/rts/dpa)

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