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Samstag, 01. November 2014

Raumgleiter-Crash in Kalifornien: "SpaceShipTwo" zerbricht in der Luft

Von Martin Morcinek

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Er gilt als exzentrischer Milliardär mit visionären Ideen: Sir Richard Branson hat im Musik- und Flug-Geschäft genügend Geld verdient, um dem Tourismus ein komplett neues Luxus-Segment zu erschließen. (Foto: Reuters)

Er gilt als exzentrischer Milliardär mit visionären Ideen: Sir Richard Branson hat im Musik- und Flug-Geschäft genügend Geld verdient, um dem Tourismus ein komplett neues Luxus-Segment zu erschließen.

Er gilt als exzentrischer Milliardär mit visionären Ideen: Sir Richard Branson hat im Musik- und Flug-Geschäft genügend Geld verdient, um dem Tourismus ein komplett neues Luxus-Segment zu erschließen.

Die Idee klingt ebenso futuristisch wie faszinierend: An Bord dieser Sonderanfertigung sollen zahlungskräftige Kunden bereits ab 2015 an die äußeren Grenzen der Erdatmosphäre fliegen.

Das Projekt "SpaceShipTwo" ist der ganze Stolz Bransons. Für den eigens gegründeten Spezialreiseanbieter namens Virgin Galactic lässt der 1999 geadelte Abenteurer und Unternehmer das ungewöhnliche Fluggerät in den Weiten der kalifornischen Wüste testen.

Der Aufstieg ins All soll mit einer Kombination aus Trägerflugzeug und Raumgleiter in zwei Stufen gelingen: ...

... Zuerst startet ein vierstrahliger Trägerjet vom Typ "WhiteKnightTwo" mit dem eigentlichen Raumgleiter zwischen den Rümpfen wie ein herkömmliches Passagierflugzeug.

Die Idee ist gut durchdacht: Im Gegensatz zum senkrechten Raketenstart vom Boden benötigt das Gespann beim Aufstieg sehr viel weniger Treibstoff. Das macht private Weltraumreisen erst profitabel.

Nach dem komfortablen Aufstieg beginnt die zweite Stufe der Luxusreise: Sobald eine gewisse Startflughöhe erreicht ist, klinkt sich der Gleiter mit seinen Passagieren an Bord aus dem Gespann aus. Der Flug ins All kann beginnen.

Ein Raketentriebwerk soll die Maschine beschleunigen, bis die Piloten ausreichend Schwung haben, um einen steilen Parabelflug einzuleiten. Auf diese Weise gelangt "SpaceShipTwo" bis an die Grenzen der Erdatmosphäre.

Nach einem kurzen Ausflug in extreme Höhen mit mehrminütiger Schwerelosigkeit kann der Raumgleiter im Segelflug zur Erde zurückkehren, um wie eine Verkehrsmaschine auf einer Rollbahn zu landen.

Bei den aktuellen Testflügen ging es um Phase zwei: den Aufstieg mit Raketentriebwerk.

Das Konzept ist erprobt. "SpaceShipTwo" basiert in vielen Details auf dem erfolgreich getesteten Vorgängermodell "SpaceShipOne". Diesmal allerdings kommt es zu einer verhängnisvollen Fehlfunktion.

Der Gleiter hat sich abgekoppelt, das Gespann ist getrennt: Die beiden Testpiloten warten, bis sie genügend Sicherheitsabstand zur doppelrümpfigen Trägermaschine haben - dann zünden sie das Raketentriebwerk. Im Alltagsbetrieb soll es sie bis auf dreifache Schallgeschwindigkeit beschleunigen.

Zunächst läuft alles nach Plan: Mit gewaltiger Schubkraft rast "SpaceShipTwo" in Richtung All. Der neue Raketentreibstoff scheint prächtig zu funktionieren. Er verbrennt nahezu rauchlos.

Bei den Tests vor zwei Tagen sah das noch so aus: ...

... Kurz vor Erreichen der Schallgeschwindigkeit zog "SpaceShipTwo" eine lange Rauchschleppe hinter sich her. Dieser Flug ging - wie andere Tests zuvor auch - noch erfolgreich und glücklich zu Ende.

Beim Unglücksflug jedoch soll angeblich eine neue Treibstoffmischung zum Einsatz gekommen sein, wie es aus Expertenkreisen heißt. (Hier eine Nahaufnahme vom Testflug am 29. April.)

Die neue Mischung könnte der Maschine zum Verhängnis geworden sein. Gesicherte Erkenntnisse zur Unglücksursache liegen noch nicht vor.

Entsetzt müssen die Experten am Boden mitverfolgen, wie "SpaceShipTwo" diesmal wenige Sekunden nach der Trennung vom Mutterschiff von einer Explosion erschüttert wird. Der Funkkontakt bricht ab.

Selbst den mit Ferngläsern und Teleobjektiven ausgestatteten Schaulustigen am Mojave Air & Space Airport ist sofort klar: "SpaceShipTwo" ist verloren.

Die Maschine zerbricht in der Luft. Teile der Tragflächen reißen ab. Der Copilot ist zu diesem Zeitpunkt vermutlich bereits tot. Sein Kollege betätigt den Schleudersitz und wird aus dem zerstörten Cockpit ins Freie katapultiert.

Die Trümmer schlagen in weitem Umkreis in der trostlosen Landschaft der kalifornischen Mojave-Wüste auf.

Der überlebende Testpilot wird mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Noch ist unklar, bei welcher Geschwindigkeit er in den Fahrtwind geschleudert wurde.

Für seinen Kollegen kommt jede Hilfe zu spät. Die alarmierten Einsatzkräfte können nichts mehr für ihn tun.

Von "SpaceShipTwo" bleiben nur Trümmer - und die Trauer um einen der beiden Testpiloten. Ist damit der Traum vom Urlaub im All für immer beendet?

Virgin-Chef Branson streicht alle Termine und fliegt zur Unglücksstelle. Sein perfekt inszeniertes Weltraumabenteuer aber muss nun mit dem Makel einer tragischen Vorgeschichte leben (Archivbild).

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