Panorama

82 Neuinfizierte in Birkenfeld Coronavirus bricht erneut in Schlachthof aus

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Ein Schlachthof im württembergischen Birkenfeld hat Dutzende Corona-Neuinfizierte zu beklagen.

(Foto: imago/Becker&Bredel)

Bereits im April meldet ein Schlachthof im württembergischen Birkenfeld Hunderte Coronavirus-Infizierte. Nun erlebt der Betrieb einen massiven Rückschlag. Der Geschäftsführer gelobt, einen "Pandemieplan 2.0" erarbeiten zu wollen.

In einem Schlachthof in Birkenfeld bei Pforzheim sind weitere 82 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Damit steige die Zahl der Mitarbeiter, die mit Corona infiziert sind oder waren, auf rund 400, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes im baden-württembergischen Enzkreis. Die Belegschaft umfasst etwa 1100 Mitarbeiter.

Bereits im April hatte es in dem Fleischwarenwerk vor den Toren Pforzheims einen Corona-Ausbruch gegeben, von dem mehrere Hundert Arbeiter betroffen waren. Die Mehrzahl von ihnen sind Rumänen, wie das rumänische Außenministerium damals mitteilte. Demnach handle es sich nicht um Saisonarbeiter, sondern um Beschäftigte von Subunternehmen des deutschen Fleischbetriebs.

Fast 150 Mitarbeiter sind den Angaben des Landratsamtes zufolge inzwischen genesen. Das bedeutet, dass sie zwar wieder zur Arbeit dürfen. Sie unterliegen aber weiter der Betriebsquarantäne und dürfen sich nur zwischen Wohnung und Arbeitsstätte bewegen, wie die Sprecherin weiter erklärte.

Das Unternehmen erklärte in einer Pressemitteilung vom Vorabend, einen "Pandemieplan 2.0" erarbeiten zu wollen. "Die Gesundheit der Menschen, die bei uns arbeiten, liegt uns am Herzen", wurde Martin Müller, Geschäftsführer von Müller Fleisch, darin zitiert.

Die infizierten Mitarbeiter, die in beengten Wohnverhältnisse lebten, sind vom Landratsamt seit einiger Zeit in Ausweichunterkünften untergebracht. Laut Sprecherin war eine Schließung des Unternehmens - auch in Zusammenarbeit mit dem Landesgesundheitsamt - geprüft, aber verworfen worden. Dafür gebe es keine rechtliche Handhabe, solange die Firma sich an die Auflagen halte.

Auch in den nordrhein-westfälischen Städten Coesfeld und Oer-Erkenschwick sowie in Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein hatte es jüngst zahlreiche Corona-Infektionen in Schlachtbetrieben gegeben. Seither steht die Branche massiv in der Kritik. In der Politik mehren sich die Forderungen an die Betreiber, zeitnah ein schlüssiges Hygienekonzept zu erarbeiten. Derweil werden nun in Nordrhein-Westfalen alle Beschäftigten in den Schlachthöfen des Landes auf das Virus getestet. Bis zu 20.000 Mitarbeiter der NRW-Fleischfabriken müssen untersucht werden.

Quelle: ntv.de, cri/dpa/AFP