Panorama

"Machen nicht viel anders" Drosten: Lage kann sich auch hier zuspitzen

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Christian Drosten macht sich Sorgen, wenn er auf die Entwicklung der Infektionszahlen blickt.

(Foto: picture alliance/dpa)

In Deutschland gehen die Coronazahlen nur leicht nach oben, in Frankreich, Spanien oder England scheinen sie geradezu zu entgleiten. Virologe Drosten warnt davor, sich Illusionen zu machen: Deutschland sollte sich nicht vormachen, "dass es sich bei uns alles ganz anders entwickelt".

Mit Blick auf die Corona-Lage in manchen anderen europäischen Ländern hat der Virologe Christian Drosten vor einer ähnlichen Entwicklung hierzulande gewarnt. Angesichts der derzeit in Deutschland gemeldeten Neuinfektionen müsse man sich klarmachen, "dass wir, wenn wir die Kurven übereinanderlegen, etwas hinterherhinken hinter Spanien und Frankreich und England", sagte der Leiter der Charité-Virologie. Er betonte, "dass wir uns aber auch nicht vormachen sollten, dass sich das bei uns alles ganz anders entwickelt. Wir machen auch jetzt nicht sehr viele Sachen sehr anders".

"Es gibt ein paar Details, die vielleicht bei uns anders sind als in Südeuropa. Unsere Haushalte sind häufig kleiner, wir haben mehr Einpersonenhaushalte", sagte Drosten. Es gebe weniger Mehr-Generationen-Familien, in denen das Virus über die Altersgrenzen sehr leicht verbreitet werde. "Das sind sicher Unterschiede. Aber ansonsten ist Deutschland nicht viel anders als diese europäischen Nachbarländer. Darum müssen wir da sehr vorsichtig sein und sehr genau beobachten, wie es jetzt weitergeht."

Die Testhäufigkeit sei in Deutschland zwar extrem groß - aber erst seit dem Beschluss, Reiserückkehrer zu testen, sagte Drosten. "Das ist eine Testhäufigkeit, die wir in Deutschland so nicht mehr lange durchhalten können." Die Grund-Testtätigkeit, die man vorher in Deutschland gehabt habe und bald wieder haben werde, sei nicht viel höher als in anderen europäischen Nachbarländern. Der Kern der Infektionsüberwachung sei bei uns nur wenig stärker ausgeprägt als in anderen Ländern. "Darum müssen wir schon die Zahlen ernst nehmen."

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Wie Drosten erklärte, gingen die Fallzahlen in Deutschland über den Sommer zu einem großen Teil auf Rückkehrer aus dem Urlaub zurück, die das Virus nicht unbedingt in großem Maße hierzulande weitergetragen hätten. Diese Infizierten gäben eher Hinweise auf die Corona-Lage im Herkunftsland. "Was wir jetzt im Moment sehen, ist eine Reflexion durchaus wieder von dem, was in Deutschland los ist in Form von Virusfällen."

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte am Donnerstag von rund 2200 Corona-Neuinfektionen bundesweit berichtet - so viele wie zuletzt Mitte August einmal und regelmäßig nur im April. Am frühen Freitagmorgen meldete das RKI noch einmal 1916 neue Fälle. Zudem gaben die Gesundheitsämter sieben neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus bekannt.

Die Zahlen des RKI unterscheiden sich leicht von denen, die ntv.de regelmäßig meldet (gestern Abend: 2094 neue Infektionen, 5 Todesfälle). Der Grund dafür sind unterschiedliche Erfassungszeiträume und leicht abweichende Erhebungsmethoden. Das RKI gibt jeden Morgen die von den Gesundheitsämtern bis jeweils Mitternacht übermittelten Fälle des Vortages an. ntv.de dagegen fasst die Angaben der Bundesländer im Lauf des Tages zusammen und veröffentlicht den Tagesendstand jeweils am Abend.

Quelle: ntv.de, jog/dpa