Panorama

Daten und Fakten zum Coronavirus So sieht die Lage an der Laborfront aus

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Seit dem Frühjahr veröffentlicht das RKI wöchentlich die deutschen Corona-Testzahlen.

(Foto: dpa)

Verliert die laufende Ansteckungswelle an Kraft? Die Wochendaten aus den deutschen Testlabors scheinen diese Annahme zu bestätigen. Der Anteil positiver Virus-Befunde geht zurück. Was heißt das für die Dunkelziffer?

In Deutschland entwickelt sich die Zahl der nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen rückläufig. In der vergangenen Woche ging zudem auch die Positivenquote - also der Anteil der positiven Erregernachweise an der Gesamtzahl der durchgeführten Sars-CoV-2-Tests - weiter zurück. In den sieben Tagen bis einschließlich Sonntag, 17. Januar 2021, konnte das Virus nur noch in gut jeder zehnten Probe mittels PCR-Verfahren nachgewiesen werden, wie aus den vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Daten hervorgeht.

Das Testaufkommen schwächte sich dagegen nur leicht ab. In der zweiten Woche wurden demnach 1,147 Millionen Proben ausgewertet. In der Woche davor waren es noch 1,214 Millionen. Die Positivenquote sank von revidiert 12,76 Prozent auf aktuell 10,50 Prozent. Die Angaben beruhen auf den Meldedaten von zuletzt 190 teilnehmenden Laboren. Insgesamt sind in Deutschland derzeit 258 Labore für die RKI-Testlaborabfrage registriert. Eine sinkende Positivenquote bei gleichzeitig halbwegs konstanter Testzahlen deutet darauf hin, dass sich die Zahl unentdeckter Infektionen zumindest nicht erhöht hat. Im Klartext: Die Dunkelziffer dürfte sich nach dem Jahreswechsel eher verringert haben.

Entwicklung der Positivenquote

Seit dem Frühjahr 2020 erfasst das RKI die Sars-CoV-2-Testzahlen in Deutschland und veröffentlicht diese wöchentlich in seinen Situationsberichten. ntv.de bereitet diese Daten regelmäßig in detaillierten Infografiken auf.

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Während der ersten Welle im Frühjahr lag der Anteil positiver Befunde - also jene Fälle, in denen das Virus nachgewiesen wurde - an der Gesamtzahl der durchgeführten Tests in der Spitze bei 9,03 Prozent. Mit der Entspannung der Corona-Lage ab Mai sank die Positivenquote, während die Zahl der Tests kontinuierlich anstieg.

Seit Anfang September (Kalenderwoche 36) war eine Umkehr dieses Trends zu beobachten: Obwohl die Zahl der Tests weiter stieg, bewegt sich auch die Positivenquote nach oben. Zum Jahreswechsel erreichte sie den mit deutlichem Abstand höchsten Wert seit Beginn der Pandemie. Der feiertagsbedingte Einbruch im Testaufkommen ist mittlerweile überwunden.

Die Zahl der durchgeführten Tests reicht allerdings noch nicht an das Niveau von Mitte Dezember heran. Ein möglicher Grund: Das Virus breitet sich womöglich weniger stark in der Bevölkerung aus, weniger Menschen verspüren Symptome oder hatten Kontakt zu nachweislich Infizierten, die Testnachfrage geht zurück.

Im Vergleich zum Frühjahr wird in Deutschland inzwischen deutlich mehr getestet. Der Grund sind erhöhte Laborkapazitäten, die in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 massiv ausgeweitet wurden. Aber auch Änderungen bei der Teststrategie trieben die Testzahlen in die Höhe, wie beispielsweise die phasenweise Einführung verpflichtender PCR-Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Genau diese Test-Pflicht aber trug erheblich zu der zeitweise dramatischen Überlastung der Labore bei. Für den Herbst und den Winter wurden die Vorgaben daher wieder geändert und die Teststrategie neu ausgerichtet.

Probenrückstau in Testlaboren

Seit Ende März, Anfang April (Kalenderwoche 14) weist das RKI in seinen Situationsberichten auch die Zahl der Labore aus, die einen Probenrückstau aufgrund zu geringer Testkapazität melden. Zudem wird auch die Zahl der Labore angegeben, die Engpässe bei der Belieferung mit Reagenzien melden.

Rückgrat der deutschen Teststrategie waren bisher die sogenannten PCR-Tests, die Erbgut des Virus mit bisher unerreichter Präzision nachweisen können. Das Verfahren gilt als hochsensibel, ist aber auch vergleichsweise aufwändig. Die Proben muss medizinisch ausgebildetes Personal entnehmen, den Rest übernimmt dann ein entsprechend ausgestattetes Labor.

Im Herbst gab es aufgrund dieser komplexen Umstände vermehrt Berichte von Laboren, die sich stark an den Grenzen ihrer Auslastung befanden. Dies hat zur Folge, dass Abstrichproben, die nicht zeitnah bearbeitet werden können, aus überlasteten Laboren weiterverschickt werden müssen, was zu verlängerten Bearbeitungszeiten und Verzögerungen bei der Ergebnisübermittlung an die Gesundheitsämter führen kann.

Mit ihrer Arbeit machen die Testlabors den Blick auf das Infektionsgeschehen überhaupt erst möglich: Als Infektionsfall gezählt werden nur laborbestätigte Coronavirus-Nachweise. Entscheidend ist, ob sich das Virus in den eingesandten Proben "labordiagnostisch" per Nukleinsäure-Nachweis (PCR-Test) oder mittels Erregerisolierung (quasi "im Reagenzglas") feststellen lässt. Da es sich bei den Proben stets nur um Momentaufnahmen handelt, erfolgt die Zählung als Covid-19-Fall unabhängig davon, ob die getestete Person zum Zeitpunkt der Probenentnahme einschlägige Symptome zeigt oder nicht.

Die gewonnenen Daten bilden somit die Grundlage für das Meldeaufkommen der deutschen Gesundheitsämter. Ihre unabhängige Erfassung im Wochenrhythmus ermöglicht einen zusätzlichen Blick auf das Infektionsgeschehen. Die Laborangaben zu Testzahlen und Positivenquote gehen direkt ans RKI. Anders als bei den Fallmeldungen, bei denen es - aus verschiedenen Gründen - auf dem vom lokalen Gesundheitsamt über die Landesbehörden bis zum RKI zu Verzögerungen kommen kann, erreichen diese Zahlen die Öffentlichkeit allerdings nicht in Form täglicher Updates, sondern nur Wochenweise - und nicht alle Labore nehmen jede Woche an der Erhebung teil.

"Die Daten liefern daher Hinweise zur aktuellen Situation in den Laboren, erlauben aber keine detaillierten oder regionalen Auswertungen sowie Vergleiche mit den gemeldeten Fallzahlen", heißt es dazu beim RKI. Wichtig: Durch Nachreichungen können sich die übermittelten Zahlen nachträglich noch verändern.

Und: Die angegebene Zahl der durchgeführten Tests entspricht nicht der Zahl der getesteten Personen. Verdachtsfälle werden mitunter zwei- oder dreimal getestet. In den Zahlen sind auch Mehrfachtestungen enthalten, wie sie im Klinikalltag zum Beispiel bei Covid-19-Patienten vorkommen, die nach erfolgreicher Intensivbehandlung auf eine rasche Entlassung hoffen.

Die Laborkapazitäten stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Die PCR-Tests müssen daher möglichst gezielt eingesetzt werden. "Die Mitarbeitenden der Labore arbeiten seit Beginn der Pandemie teils sieben Tage die Woche", betont das RKI. "Sie sind fachlich sehr gut ausgebildet und können nicht ohne weiteres ersetzt werden." Flächendeckende PCR-Tests, Mehrfachtestungen aller Menschen mit milden Symptomen einer Atemwegserkrankung oder eine dauerhafte Ausweitung verpflichtender PCR-Tests für Reiserückkehrer sind daher nicht möglich.

Seit dem 15. Oktober ist in Deutschland eine überarbeitete "Nationale Teststrategie" in Kraft. Diese sieht grundsätzlich eine Ausweitung der Tests vor – auch unter Einsatz von schnelleren und günstigeren Antigentests, um drohende Engpässe in den Laboren zu vermeiden. Anfang November veröffentlichte das RKI zudem mit Blick auf die anstehende Erkältungssaison neue Richtlinien, wer überhaupt noch getestet werden solle.

"Übergeordnetes Ziel" der neuen Testrichtlinien ist die Versorgung symptomatischer Covid-19-Fälle, der Schutz besonders gefährdeter Risikogruppen wie etwa älteren Menschen oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem sowie die möglichst effektive Eindämmung der Ansteckungswelle.

Dass seit vergangenem Herbst auch der "zielgerichtete Einsatz" der sogenannten Antigentests vorgesehen ist, deren Ergebnisse schneller verfügbar sind, hat die Lage bisher nicht wesentlich verändert. Die Ausweitung der Schnelltests sollte einerseits die Labore, die mit den PCR-Tests beschäftigt sind, entlasten und andererseits das Testangebot zum Beispiel für Besucher in Seniorenheimen oder Krankenhäusern erweitern.

Das RKI hat angekündigt, diese Testzahlen künftig ebenso zu erfassen. Daten dazu liegen aber noch nicht vor. Bisher gilt jedoch: Wer bei einem Schnelltest positiv getestet wird, muss sich zwingend auch einem regulären PCR-Test unterziehen. Spätestens dann tauchen die Betroffenen auch als Infektionsfall in den Pandemie-Daten auf.

Quelle: ntv.de