Panorama

Daten und Fakten zum Coronavirus So sieht die Lage an der Laborfront aus

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Seit dem Frühjahr veröffentlicht das RKI wöchentlich die deutschen Corona-Testzahlen.

(Foto: dpa)

Steigen die Corona-Fallzahlen im Frühjahr 2021 wieder an? Die Wochendaten aus den deutschen Testlabors scheinen diese Annahme zu bestätigen. Der Anteil positiver Virus-Befunde legt leicht zu. Was heißt das für die Dunkelziffer?

Bei der Eindämmung der seit Herbst 2020 laufenden Ansteckungswellen zeichnen sich Probleme ab. Die stark rückläufige Entwicklung bei der Zahl der nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen kam im Februar zum Stillstand. Das Fallaufkommen steigt seitdem "tendenziell wieder an", wie es beim Robert-Koch-Institut (RKI) heißt.

Im März blieb das Testniveau, also die Anzahl der durchgeführten Sars-CoV-2-Tests, bisher weitgehend stabil. In Deutschland wird seit Jahresbeginn deutlich weniger getestet also noch im Herbst. In der zurückliegenden Woche verzeichneten die an der RKI-Erhebung teilnehmenden Labore sogar einen leichten Rückgang.

Zugleich kletterte die Positivenquote - der Anteil der positiven Erregernachweise an der Gesamtzahl der gemeldeten Labortests - leicht nach oben. In den sieben Tagen bis einschließlich Sonntag, 7. März 2021, konnte das Virus in 6,24 Prozent der mittels PCR-Verfahren ausgewerteten Proben nachgewiesen werden, wie aus den vom RKI veröffentlichten Daten hervorgeht. In der Woche davor waren es nur 6,15 Prozent (KW 08), Mitte Februar nur 6,12 Prozent (KW 07).

Das Testaufkommen blieb dagegen in den zurückliegenden sechs Wochen weitgehend stabil. In der neunten Kalenderwoche wurden demnach knapp 1,137 Millionen Proben ausgewertet. In der Woche davor waren es noch gut 1,170 Millionen. Die deutschen Labore arbeiten derzeit weit unterhalb ihrer maximalen Kapazitäten. In den Tagen vor Weihnachten wurden zeitweise mehr als 1,6 Millionen PCR-Tests pro Woche ausgewertet.

Mit dem verringerten Test- und Meldeaufkommen während der Weihnachtsfeiertage schnellte die Positivenquote in der Spitze bis auf 15,36 Prozent. Hier kam aber offenbar vor allem zum Tragen, dass in dieser Phase anteilig mehr Menschen mit eindeutigen Krankheitszeichen getestet wurden. In den ersten Wochen nach dem Jahreswechsel glätteten sich diese Verzerrungen rasch. Mit dem nachlassenden Infektionsdruck ging auch die Positivenquote zurück.

Die aktuellen RKI-Angaben beruhen auf den Meldedaten von zuletzt 201 teilnehmenden Laboren. Insgesamt sind in Deutschland derzeit 259 Labore für die RKI-Testlaborabfrage registriert. Eine steigende Positivenquote bei gleichzeitig halbwegs konstanten Testzahlen deutet darauf hin, dass sich die Zahl unentdeckter Infektionen erhöht haben könnte. Die Bewegungen sind allerdings noch überschaubar. Effekte der ausgeweiteten Teststrategie und der Einführung von Schnell- und Selbsttests sind hier noch nicht zu erkennen.

Sobald der geplanten Masseneinsatz von Schnell- und Selbsttests in seiner ganzen Breite anläuft, könnten die vom RKI verzeichneten Testzahlen tatsächlich in Bewegung geraten. Ausschlaggebend sind dabei letztlich der Infektionsdruck in der Bevölkerung und das Ausmaß des Infektionsgeschehens. Zwei Szenarien sind denkbar: Sollten sich generell weniger Menschen im Land infizieren, dann könnten die Laborzahlen durch die Schnell- und Selbsttests stark sinken - schlicht, weil dann weniger der kostspieligeren und aufwändigeren PCR-Tests erforderlich wären und Verdachtsfälle auch mittels Schnelltests entkräftet werden könnten.

Falls das Infektionsgeschehen aber zunehmend sollte, dann dürften durch die neuen Schnell- und Selbsttests bald vermehrt auch Ansteckungen auffallen, die ansonsten wohl unerkannt geblieben wären. Da jeder Hinweis auf eine Infektion obligatorisch per PCR-Tests im Labor überprüft werden muss, könnten dadurch die Test- und Fallzahlen weiter ansteigen. Das dürfte dann rein rechnerisch auch die Sieben-Tage-Inzidenzen in den stärker betroffenen Regionen die Höhe schieben.

Ein solcher Anstieg wäre dann allerdings alles andere als von Nachteil: Jede erkannte Infektion, gibt den Betroffenen und den verantwortlichen Gesundheitsämtern zumindest die Chance, die weitere Ausbreitung des Erregers durch Isolation und Kontaktnachverfolgung zu verhindern und so auch das Fallaufkommen mittelfristig zu drücken. Im Umkehrschluss birgt jede unerkannte Infektion das Risiko in sich, die Inzidenzzahlen vor Ort durch mögliche Super-Spreading-Effekte weiter anzuheizen.

Entwicklung der Positivenquote

Seit dem Frühjahr 2020 erfasst das RKI die Sars-CoV-2-Testzahlen in Deutschland und veröffentlicht diese wöchentlich in seinen Situationsberichten. ntv.de bereitet diese Daten regelmäßig in detaillierten Infografiken auf.

Während der ersten Welle im Frühjahr lag der Anteil positiver Befunde - also jene Fälle, in denen das Virus nachgewiesen wurde - an der Gesamtzahl der durchgeführten Tests in der Spitze bei 9,03 Prozent. Mit der Entspannung der Corona-Lage ab Mai sank die Positivenquote, während die Zahl der Tests auch durch die Testvorgaben für Reiserückkehrer im Sommer kontinuierlich anstieg.

Seit Anfang September (Kalenderwoche 36) war eine Umkehr dieses Trends zu beobachten: Obwohl die Zahl der Tests weiter stieg, bewegt sich auch die Positivenquote nach oben. Zum Jahreswechsel erreichte sie den mit deutlichem Abstand höchsten Wert seit Beginn der Pandemie. Der feiertagsbedingte Einbruch im Testaufkommen ist mittlerweile überwunden.

Die Zahl der durchgeführten Tests reicht allerdings noch nicht an das Niveau von Mitte Dezember heran. Ein möglicher Grund: Die Testnachfrage geht zurück, das Virus breitete sich zeitweise womöglich weniger stark in der Bevölkerung aus. Damit verspürten in der Summe weniger Menschen Symptome oder hatten Kontakt zu nachweislich Infizierten.0

Die Laborkapazitäten wurden in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 massiv ausgeweitet. Auch Änderungen der Teststrategie trieben die Testzahlen zeitweise in die Höhe, wie beispielsweise die phasenweise Einführung verpflichtender PCR-Tests für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Genau diese Test-Pflicht aber trug erheblich zu der zeitweise dramatischen Überlastung der Labore bei. Für den Herbst und den Winter wurden die Vorgaben daher wieder geändert und die Teststrategie neu ausgerichtet. Zuletzt wurde diese vorsorgliche Maßnahme wieder zurückgenommen - unter anderem, weil die befürchtete Erkältungs- und Grippewelle im Winter 2020/21 weitgehend ausblieb.

Probenrückstau in Testlaboren

Seit Ende März, Anfang April (Kalenderwoche 14) weist das RKI in seinen Situationsberichten auch die Zahl der Labore aus, die einen Probenrückstau aufgrund zu geringer Testkapazität melden. Zudem wird auch die Zahl der Labore angegeben, die Engpässe bei der Belieferung mit Reagenzien melden.

Rückgrat der deutschen Teststrategie waren bisher die sogenannten PCR-Tests, die Erbgut des Virus mit bisher unerreichter Präzision nachweisen können. Das Verfahren gilt als hochsensibel, ist aber auch vergleichsweise aufwändig. Die Proben muss medizinisch ausgebildetes Personal entnehmen, den Rest übernimmt dann ein entsprechend ausgestattetes Labor.

Im Herbst gab es aufgrund dieser komplexen Umstände vermehrt Berichte von Laboren, die sich stark an den Grenzen ihrer Auslastung befanden. Dies hat zur Folge, dass Abstrichproben, die nicht zeitnah bearbeitet werden können, aus überlasteten Laboren weiterverschickt werden müssen, was zu verlängerten Bearbeitungszeiten und Verzögerungen bei der Ergebnisübermittlung an die Gesundheitsämter führen kann.

Mit ihrer Arbeit machen die Testlabors den Blick auf das Infektionsgeschehen überhaupt erst möglich: Als Infektionsfall gezählt werden nur laborbestätigte Coronavirus-Nachweise. Entscheidend ist, ob sich das Virus in den eingesandten Proben "labordiagnostisch" per Nukleinsäure-Nachweis (PCR-Test) oder mittels Erregerisolierung (quasi "im Reagenzglas") feststellen lässt. Da es sich bei den Proben stets nur um Momentaufnahmen handelt, erfolgt die Zählung als Covid-19-Fall unabhängig davon, ob die getestete Person zum Zeitpunkt der Probenentnahme einschlägige Symptome zeigt oder nicht. Ein positives Testergebnis liefert nur den Beleg, dass die betreffende Person das Virus zum Zeitpunkt des Tests - noch oder schon - in sich trägt.

Die gewonnenen Daten bilden die Grundlage für das Meldeaufkommen der deutschen Gesundheitsämter. Die unabhängige Erfassung der wöchentlichen Testzahlen direkt aus den Labors ermöglicht einen zusätzlichen Blick auf das Infektionsgeschehen. Die Laborangaben zu Testzahlen und Positivenquote gehen direkt ans RKI. Anders als bei den Fallmeldungen, bei denen es - aus verschiedenen Gründen - auf dem vom lokalen Gesundheitsamt über die Landesbehörden bis zum RKI zu Verzögerungen kommen kann, erreichen diese Zahlen die Öffentlichkeit allerdings nicht in Form täglicher Updates, sondern nur Wochenweise - und nicht alle Labore nehmen jede Woche an der Erhebung teil.

"Die Daten liefern daher Hinweise zur aktuellen Situation in den Laboren, erlauben aber keine detaillierten oder regionalen Auswertungen sowie Vergleiche mit den gemeldeten Fallzahlen", heißt es dazu beim RKI. Wichtig: Durch Nachreichungen können sich die übermittelten Zahlen nachträglich noch verändern.

Und: Die angegebene Zahl der durchgeführten Tests entspricht nicht der Zahl der getesteten Personen. Verdachtsfälle werden mitunter zwei- oder dreimal getestet. In den Zahlen sind auch Mehrfachtestungen enthalten, wie sie im Klinikalltag zum Beispiel bei Covid-19-Patienten vorkommen, die nach erfolgreicher Intensivbehandlung auf eine rasche Entlassung hoffen.

Die Laborkapazitäten stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Die PCR-Tests müssen daher möglichst gezielt eingesetzt werden. "Die Mitarbeitenden der Labore arbeiten seit Beginn der Pandemie teils sieben Tage die Woche", betont das RKI. "Sie sind fachlich sehr gut ausgebildet und können nicht ohne weiteres ersetzt werden."

Flächendeckende PCR-Tests, Mehrfachtestungen aller Menschen mit milden Symptomen einer Atemwegserkrankung oder eine dauerhafte Ausweitung verpflichtender PCR-Tests für Reiserückkehrer sind daher nicht möglich.

Seit dem 15. Oktober war in Deutschland eine überarbeitete "Nationale Teststrategie" in Kraft. Diese sieht grundsätzlich eine Ausweitung der Tests vor – auch unter Einsatz von schnelleren und günstigeren Antigentests, um drohende Engpässe in den Laboren zu vermeiden. Anfang November veröffentlichte das RKI zudem mit Blick auf die anstehende Erkältungssaison neue Richtlinien, wer überhaupt noch getestet werden solle.

"Übergeordnetes Ziel" der neuen Testrichtlinien ist die Versorgung symptomatischer Covid-19-Fälle, der Schutz besonders gefährdeter Risikogruppen wie etwa älteren Menschen oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem sowie die möglichst effektive Eindämmung der Ansteckungswelle.

Dass seit vergangenem Herbst auch der "zielgerichtete Einsatz" der sogenannten Antigentests vorgesehen ist, deren Ergebnisse schneller verfügbar sind, hat die Lage bisher nicht wesentlich verändert. Die Ausweitung der Schnelltests sollte einerseits die Labore, die mit den PCR-Tests beschäftigt sind, entlasten und andererseits das Testangebot zum Beispiel für Besucher in Seniorenheimen oder Krankenhäusern erweitern.

In der Praxis gestaltete sich die Umsetzung in Heimen, Einrichtungen oder auch Schulen als schwierig. Die Schnelltests waren anfangs nur eingeschränkt verfügbar und sollten zudem von medizinisch geschultem Personal vorgenommen werden. Erst im Frühjahr 2021 waren mit der Zulassung von neuen Schnelltests für die "Eigenanwendung", den sogenannten Selbsttests, neue Möglichkeiten für eine Ausweitung der Teststrategie zur Hand.

Das RKI hat angekündigt, diese Testzahlen künftig ebenso zu erfassen. Daten dazu liegen aber noch nicht vor. Generell gilt jedoch: Wer bei einem Schnelltest - oder einem Selbsttest - positiv getestet wird, muss sich zwingend auch einem regulären PCR-Test unterziehen. Spätestens dann tauchen die Betroffenen auch als Infektionsfall in den Pandemie-Daten auf.

Quelle: ntv.de

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