Politik

Und, wie war Ihre Woche so? Laschets Lachen und der seriöse Dritte

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Armin Laschet (im Bild ganz ernsthaft), Annalena Baerbock, Olaf Scholz - alle wollen ins Kanzleramt.

Wenn die Kanzlerkandidatin der Grünen eines gelernt hat in den vergangenen Wochen, ist es: Manchmal ist es besser, nicht aufzufallen. Das macht stattdessen Unionskandidat Laschet mit einem ungeschickten Auftritt. Und Olaf Scholz? Dessen Image gerät plötzlich zum Vorteil.

Leichter wird’s nicht

Von Nadine to Roxel

Die vergangene Woche war schon schwierig für Armin Laschet, diese wurde nicht besser. Im Gegenteil. Tiefpunkt war der Samstag. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht das Katastrophengebiet in Nordrhein-Westfalen, dankt den Rettungskräften und im Hintergrund: lacht Laschet. Und mit ihm lachten der Landtagsabgeordnete Golland, der Landrat und eine Dame, die später auch noch den Bundespräsidenten zum Lachen bringen wird, diesmal während Laschets Rede.

Was bleibt ist das Bild vom Ministerpräsidenten und Unions-Kanzlerkandidaten, der inmitten des Leids scherzt. Die Schelte folgt prompt: "Pietätlos" und "unprofessionell" sind nur zwei der Reaktionen. Laschet entschuldigt sich, das sei unpassend gewesen. Trotzdem ist der Fauxpas eine Belastung für seinen Wahlkampf. Die bisherige Strategie war, andere Fehler machen zu lassen und selbst mit einer Art Schlafwagen-Wahlkampf möglichst geräuschlos Kurs aufs Kanzleramt nehmen. Das ist nun passé.

Jeder Schritt, jede Geste, jede Äußerung steht jetzt genauer unter Beobachtung. Laschet weiß das und versucht, seine Fehler auszubügeln. Am Sonntag hält er eine Fernsehansprache, am Dienstag ist er mit der Kanzlerin im Katastrophengebiet in Bad Münstereifel unterwegs. Dort findet er in seine Rolle als Landesvater. Er spricht mit Betroffenen und Helfern, hört zu, wünscht "alles Gute", tätschelt jemandem die Schulter, verspricht Hilfe. 200 Millionen Euro stemmt allein das Land NRW.

Eine solche Katastrophe hat Nordrhein-Westfalen seit Jahrzehnten nicht erlebt. Laschet muss plötzlich Krisenmanager sein. Dabei macht er nicht immer eine glückliche Figur. Immerhin bewerten in einer aktuellen forsa-Umfrage für RTL/ntv 45 Prozent das Krisenmanagement der Bundes- und Landesregierungen als "eher gut". Laschet dürfte das Hoffnung machen. Aber für seinen Wahlkampf gilt: Leichter wird’s nicht.

Keine Zeit für Laschets Lachen

Von Philip Scupin

Was macht eine Kanzlerkandidatin, wenn der Konkurrent ordentlich Mist gebaut hat? Am besten: gar nichts, man lässt es laufen. Insofern hat Annalena Baerbock diese Woche alles richtig gemacht. Kein Wort von ihr zum Lachen von Armin Laschet im Flutgebiet. Für dessen schlechte Presse waren keine zusätzlichen Sticheleien nötig.

Im ntv-Interview wird Baerbock gefragt, was sie gedacht habe, als sie Laschet lachen sah. Die Antwort: Sie habe davon lediglich gehört. Es gebe gerade wichtigeres, als sich Videoschnipsel anzuschauen. Egal, ob sie die Aufnahme nun gesehen hat oder nicht, das Kalkül könnte sein: Baerbock will als seriöse Alternative rüberkommen. Das ist ihr gelungen.

Ansonsten bleibt es schwierig für die Kandidatin der Grünen. Während Laschet vor Ort anpacken und wohlige Bilder produzieren kann (was aber nicht immer gelingt) und Olaf Scholz als Finanzminister der Noch-Bundesregierung Millionen und Milliarden verteilt, ist Baerbock an die Seitenlinie gezwungen. Von da aus wird es schwer, den Umfragerückstand zu verkleinern. Eine Woche ohne grobe Schnitzer ist zumindest ein Anfang.

Urlaub - wieso Urlaub?

Von Heike Boese

Für Olaf Scholz ist die vergangene Woche gar nicht schlecht gelaufen. Noch ist der Kanzlerkandidat der SPD ja auch Bundesfinanzminister. Und so ist es qua Amt seine Aufgabe, den Betroffenen des Jahrhunderthochwassers in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen schnelle finanzielle Hilfe vom Staat zuzusagen. Scholz versichert, das könnten wir uns leisten: "Wir haben die letzten Jahre gut gewirtschaftet."

Während seine Konkurrenten um das Kanzleramt entweder an unpassender Stelle lachen oder sicherheitshalber gar nichts machen, punktet Scholz. Der ehemalige Generalsekretär der SPD neigt nicht zu emotionalen Ausbrüchen und wurde früher deshalb schonmal als "Scholzomat" verspottet. In der Krise wird das Langweiler-Image plötzlich zum Vorteil: Scholz wirkt wie der ernsthafte, seriöse Gegenentwurf zu Laschet, der rheinischen Frohnatur aus Aachen. Zwar würde der SPD-Kandidat keine Samstag-Abend-Show tragen. Aber im Moment ist eher der unaufgeregte Krisenmanager gefragt, der aus seinem Urlaubsort im Allgäu heraus, die Finanzhilfe auf den Weg bringt und dann nach Berlin fährt, um persönlich dabei zu sein, wenn das Kabinett zusammenkommt. Scholz hat dafür seine Frau in den bayerischen Bergen zurückgelassen.

Der Erholungseffekt dieses Urlaubs ist sicher ausbaufähig. Aber falls der SPD-Kandidat nach der Wahl im September tatsächlich Bundeskanzler wird, wissen die beiden schon mal, wie Ferien auch künftig sein werden - nicht planbar.

Das ist die zehnte Folge der Wahlkampf-Kolumne "Und, wie war Ihre Woche so?" Folge neun lesen Sie hier.

Quelle: ntv.de

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