Politik

Überfälle auf Asylbewerber Maas warnt vor Gefahr von rechts

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Tatort in Magdeburg: Ein Angriff auf Flüchtlinge war womöglich geplant

(Foto: dpa)

Die Überfälle vom Wochenende alarmieren Justizminister Maas: Die Täter hinter den Angriffen auf Asylbewerber in Magdeburg sind womöglich Hooligans. In Wismar verfolgt die Polizei dagegen Hinweise auf fremdenfeindliche Gewalttäter.

Nach den Überfällen auf mehrere Asylbewerber in Magdeburg und Wismar geht die Polizei neuen Hinweisen auf die möglichen Täter nach. Die Ermittler in Magdeburg prüfen nach Angaben eines Sprechers Verbindungen in die Hooligan-Szene. Einige Hinweise, wie etwa die Kleidung der Täter, sollen einen entsprechenden Zusammenhang nahelegen. Auch die Wismarer Polizei hat nach eigener Darstellung "mögliche Tatverdächtige im Visier".

In der Nacht zum Sonntag hatten in Magdeburg bis zu 30 teilweise mit Baseballschlägern bewaffnete Täter eine Gruppe von fünf bis sechs syrischen Asylbewerbern angegriffen. Drei der Flüchtlinge wurden verletzt und mussten ambulant behandelt werden. Ein 24-Jähriger wurde festgenommen, befindet sich aber wieder auf freiem Fuß.

Angriff in sozialem Netzwerk geplant

Die Magdeburger Polizei bestätigte einen MDR-Bericht, wonach es in den sozialen Netzwerken Hinweise auf einen bevorstehenden Überfall auf Asylbewerber gegeben hatte. Zwei der an der Online-Diskussion Beteiligten seien identifiziert und auch bereits von Ermittlern angesprochen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Ein Zusammenhang zu der Tat sei bislang nicht erwiesen, die Vermutung liege aber nahe.

Demnach handelt es sich bei dem Fall möglicherweise um eine Form der versuchten Lynchjustiz. In der Region soll Medienberichten zufolge zuvor ein Asylbewerber wegen angeblich sexuell motivierter Übergriffe verhaftet worden sein. Laut MDR sollen die mutmaßlichen Angreifer in den sozialen Netzwerken über den Fall diskutiert und entschieden haben, "selbst aktiv zu werden". Die Polizei sucht Zeugen des Überfalls und ermittelt unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Die Ermittler in Wismar suchen nach Angaben einer Polizei-Sprecherin unterdessen nach fünf bis zehn Personen, die zwei 31 und 33 Jahre alte Syrer am Sonnabend attackiert hatten. Die Syrer waren am Samstag nahe einer zur Notunterkunft umfunktionierten Sporthalle von teilweise vermummten Angreifern mit Baseballschlägern und anderen Waffen verletzt worden. Eines der Opfer erlitt nach Angaben der Polizei einen Rippenbruch. Beide mussten zudem wegen Prellungen und Schürfwunden ambulant im Krankenhaus behandelt werden.

Warnung vor unterschätztem Rechtsextremismus

Bundesjustizminister Heiko Maas verurteilte die Angriffe scharf. "Jede Attacke auf Flüchtlinge ist ein Angriff auf unsere Demokratie", teilte Maas in einer Twitter-Nachricht mit. "Gewalt müssen wir entschieden entgegen treten." Ferner erklärte der SPD-Politiker, keinen der zahlreichen "feigen Übergriffe" dürfe man schweigend hinnehmen.

Der frühere Regierungssprecher und Vorstandsvorsitzende der Initiative "Gesicht zeigen", Uwe-Karsten Heye, warf Politik und Polizei vor, die rechtsextremistische Gefahr völlig zu unterschätzen. "Es hat sich bereits beim Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) gezeigt, dass und wie sehr ignoriert wird, dass die größte innenpolitische Herausforderung der Bundesrepublik der Rechtsextremismus ist", sagte Heye. "Wer hier wegguckt, ist dabei, diesen Rechtsextremismus bis in die Mitte der Gesellschaft wandern zu lassen."

Quelle: ntv.de, shu/dpa