Politik

CIA-Folter führte nicht zu Bin Laden "Zero Dark Thirty" als Propaganda entlarvt

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Auf der Jagd nach Osama bin Laden: Szene aus "Zero Dark Thirty".

(Foto: imago stock&people)

Nach einem Jahrzehnt Jagd töten die USA den Al-Kaida-Chef Osama bin Laden. Der Film "Zero Dark Thirty" zeigt brutale Folter, die zu seinem Versteck geführt haben soll. Jetzt sagen Insider: Die CIA benutzte die Filmemacher für Propagandazwecke.

Im Jahr 2011 wird Osama bin Laden, Al-Kaida-Chef und mutmaßlicher Drahtzieher der 9/11-Anschläge, von einer US-amerikanischen Eliteeinheit getötet. Ein Jahr später kommt der Film über die Operation in die Kinos: "Zero Dark Thirty". Das Werk von Kathryn Bigelow erhielt viele Preise, darunter auch gemeinsam mit "Skyfall" einen Oscar für den besten Tonschnitt.

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Der Folterbericht des US-Senats widerspricht der Darstellung der CIA - und des Films.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

In der TV-Dokumentation "Secrets, Politics and Torture" erklärt unter anderen Jane Mayer, Journalistin beim "New Yorker", dass die CIA die Produktion des Hollywood-Blockbusters massiv beeinflusst habe. Das Ziel: Der Geheimdienst wollte die "erweiterten Verhörmethoden", also Folter, als Methode darstellen lassen, die zu der erfolgreichen Mission gegen Bin Laden führte. Die Doku bringt das Thema nun wieder in die US-Medien. Zumal gerade Dokumente aus dem Besitz Bin Ladens veröffentlicht wurden.

Die Macher von "Zero Dark Thirty" erhoben indes öffentlich den Anspruch, der Welt ein Werk zwischen Fiktion und Dokumentation zu liefern. Eine unverfängliche Umschreibung dafür, wie sie womöglich Fakten mit politisch motivierter Legende verwoben.

"Wir müssen dieses Pferd reiten"

Schon kurz nach der Veröffentlichung des Films hatten einige US-Senatoren erklärt, die Verhörmethoden hätten den Gefolterten keineswegs entscheidende Informationen über Bin Ladens Versteck entlockt. Darunter war auch Dianne Feinstein, die den Senatsausschuss über die brutalen Vorgehensweisen der Central Intelligence Agency leitete. Der Geheimdienst hatte die Filmaufnahmen über die Verhöre ohne Erlaubnis gelöscht. Das Senatsgremium brauchte bis Dezember 2014 für seinen Bericht. Das Ergebnis war eindeutig: Die CIA folterte ohne Ergebnis und log darüber.

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"Ich hielt es nicht aus", sagt Senatorin Dianne Feinstein über "Zero Dark Thirty".

(Foto: AP)

Als Feinstein "Zero Dark Thirty" zu sehen bekam, konnte sie schnell nicht mehr: "Nach 15 oder 20 Minuten musste ich rausgehen. Ich hielt es nicht aus. Weil der Film so falsch war", sagt sie in der Doku. Die Senatorin sah Folter als Schlüsselinstrument dargestellt, mit dessen Hilfe die Ermittler von Bin Ladens Aufenthalt in einem Haus im pakistanischen Abbottabad erfuhren. Dort, wo US-Spezialkräfte den Top-Terroristen töteten.

Der Hergang sei falsch dargestellt worden, weil der US-Geheimdienst es so wollte, erklärt Doku-Macher Michael Kirk in einem Interview. Kirk zitiert dabei auch aus einer CIA-internen E-Mail, in der ein Mitarbeiter über "Zero Dark Thirty" schreibt: "Wir müssen dieses Pferd besteigen. Wir müssen dieses Pferd reiten - Kathryn Bigelow und Mark Boal."  Boal ist Bigelows Koproduzent und Drehbuchschreiber.

Lob vom CIA-Chef

"Es gab einen Deutungskrieg über die Frage der Effektivität", sagt Kirk. "Den Moment, als Osama bin Laden getötet wurde, verkauften sie als Beleg, dass die erweiterten Verhörmethoden sich am Ende ausgezahlt hatten." Die CIA hatte Regisseurin Bigelow und Boal mit exklusiven Geheiminformationen versorgt, die sie US-Topjournalisten aber verwehrten. Auch das US-Verteidigungsministerium arbeitete eng mit dem Filmteam zusammen.

Ex-CIA-Chef Leon Panetta lobte "Zero Dark Thirty" nach dessen Veröffentlichung sogar für seinen Wahrheitsgehalt. Er war von 2009 bis 2011 der Chef des Dienstes und wechselte danach an die Spitze des Verteidigungsministeriums. Der aktuelle Chef der CIA, John Brennan, behauptete auch nach der Veröffentlichung des Folterberichts aus dem Senat, die Methoden hätten ermöglicht, den Al-Kaida-Anführer zu finden.

Doch was Bigelows "Zero Dark Thirty" unter Einfluss der Behörde seinem Publikum nahelegt und Geheimdienstchef Brennan sagte, stimmt nicht. Auf Seite 378 und 379 des offiziellen Senatsberichts steht das Gegenteil: Die Folter hatte nicht dazu geführt, dass die Amerikaner den Al-Kaida-Chef finden und töten konnten, sondern nur zu erfundenen Aussagen. Die wichtigste Quelle indes wurde einfach befragt. Ohne erweiterte Verhörmethoden.

Quelle: ntv.de

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