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Frisches Geld für Griechenland Füllt Milliarden in das Fass ohne Boden!

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(Foto: dpa)

Es ist richtig, Griechenland nochmals üppige Kredite zu bewilligen. Die Athener Regierung muss allerdings endlich liefern und ihre Kritiker überzeugen. Sonst ist der Grexit nicht zu verhindern.

Zur ermüdenden und scheinbar nie endenden Geschichte der Eurorettung gehört ein Paradoxon: Die Kontrahenten, die sich verbal bekriegen, sind immer zugleich auch Partner einer Schicksalsgemeinschaft und damit zum Schmusekurs verpflichtet. Sie bekunden öffentlich, ein gemeinsames Ziel zu haben. Im Falle des Streits zwischen Griechenland und der übrigen Währungsunion hieß und heißt es: Hellas soll in der Eurozone bleiben - koste es, was es wolle.

Diese Übereinkunft bedeutete all die Jahre: Gegenseitige Drohungen laufen von vornherein ins Leere. Es ergibt nämlich keinen Sinn, Griechenland permanent zu warnen, den Geldhahn sofort zuzudrehen, wenn es nicht tut, was die Kreditgeber fordern, aber zugleich immer zu betonen, den Staat an der Ägäis finanziell nicht fallen zu lassen, da er doch unbedingt in der Eurozone gehalten werden soll.

Doch dann kamen Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis. Sie lieferten den Kreditgebern, allen voran Deutschland, jede Menge Gründe, diesen Grundkonsens aufzulösen. Sie stoppten Reformen und Privatisierungen, forderten einen Schuldenschnitt, verteilten Geld, das sie nicht haben, und benahmen sich wie eine Elefantenherde im Porzellanladen. Allein ihr arrogantes Auftreten, dass Tsipras und Varoufakis so taten (und tun), als müssten sich die Steuerzahler im übrigen Europa geehrt fühlen, Hellas vor der Pleite zu bewahren, hat die Stimmung kippen lassen.

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Ist Griechenland ein Fass ohne Boden?

Zum ersten Mal war der Grexit kein bloßes Hirngespinst mehr, sondern eine sehr reale Drohung. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble meinte es ernst, als er sagte: "Am 28. Februar, 24.00 Uhr is over." Unter diesem Druck legte die Athener Regierung ein Papier mit Reformversprechen vor, das die Partnerstaaten der Eurozone dazu bewog, das Kreditprogramm um weitere vier Monate zu verlängern. Das Dokument wurde nach Lücken durchsucht, die prompt gefunden wurden. Zu vage, zu wenig belastbar, ohne Zahlen, urteilten Kritiker – was genauso stimmt wie der Umstand, dass das Land finanziell ein Fass ohne Boden ist und im Sommer weitere Milliardenhilfen braucht. Hinzu kommt das Misstrauen, dass die neue griechische Regierung von ihrer Vorgängerin geerbt und durch den eigenen Schlingerkurs permanenter Ankündigungen und Rücknahmen noch verstärkt hat.

Irgendwann muss Schluss sein

Das alles aber ist kein Grund, den Hellenen den Aufschub zu verwehren. Der Bundestag muss im Interesse Europas zustimmen. Es wäre nämlich fatal, die demokratisch gewählte Athener Regierung gerade jetzt von der Frischgeldzufuhr abzuschneiden. Es geht um die letzten 7,2 Milliarden eines 240 Milliarden Euro teuren Hilfsprogramms. Die machen – mit Verlaub - das Kraut nicht fett. Aber die - wenn auch teuer erkauften - zusätzlichen Monate bieten Tsipras und Varoufakis die Chance zu zeigen, ob sie wirklich die sind, für die sie sich halten: Die Speerspitzen eines zu erneuernden Europas.

Man muss sich das nochmals vor Augen führen: Die Athener Regierung soll, will und muss den griechischen Staat komplett auf Vordermann bringen, soziale Balance herstellen, gigantisch sparen, traumhafte Wachstumsraten erzeugen, Bürokratie abbauen, Oligarchen besteuern, Schmuggel und Kapitalausfuhren stoppen sowie eine effiziente Verwaltung aufbauen. Das alles ist nie und nimmer möglich in vier Monaten. Aber der Rest Europas wird in der Zeit sehen, ob Tsipras und sein Finanzminister Varoufakis den Mund zu voll genommen haben. Das sollte den Eurorettern die 7,2 Milliarden wert sein.

Vielleicht ist das Polit-Popstarduo Tsipras und Varoufakis tatsächlich in der Lage, Griechenland zu reformieren. Dann wären sie Vorbild für Frankreich und Italien. Möglich ist aber auch, dass sich Tsipras als irrlichternder Gernegroß und Varoufakis als ökonomische Luftnummer entpuppen, die Europa erneuern wollten, aber noch nicht mal das eigene Land auf Vordermann bringen können. Doch auch in diesem Fall hätte der Rest Europas Klarheit: Nämlich darüber, ob es Sinn macht, Griechenland auf Teufel komm raus in der Währungsunion zu halten. Denn irgendwann muss Schluss sein mit dem Schrecken ohne Ende.

Quelle: ntv.de

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