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Belege muss man weiterhin selber sammeln. Gute Steuersoftware hilft aber, sie zu verwalten.
Belege muss man weiterhin selber sammeln. Gute Steuersoftware hilft aber, sie zu verwalten.(Foto: imago stock&people)
Mittwoch, 09. Mai 2018

Tenhagens Tipps: Die besten Helfer für die Steuererklärung

Steuersoftware hilft nicht nur Anfängern bei der Steuererklärung. Auch erfahrene Nutzer können sich eine Menge Arbeit abnehmen lassen. Finanztip-Chef Tenhagen nennt die besten Programme.

Was gehört zu den Sonderausgaben, was zu den außergewöhnlichen Belastungen? Wo werden Unterhaltszahlungen eingetragen und wie erkennt das Finanzamt die Kosten für den neuen Rechner an? Steuersoftware hilft nicht nur unerfahrenen Nutzern bei der Steuererklärung. Finanztip-Chef Tenhagen nennt die besten Programme.

n-tv.de: Früher hat man die Steuererklärung per Hand ausgefüllt. Dann kam das Elster-Verfahren, also die elektronische Steuererklärung. Die ist für die meisten Steuerzahler freiwillig, manche müssen sie aber auch nutzen. Wer denn?

Hermann-Josef-Tenhagen: Alle unternehmerischen Steuererklärungen müssen elektronisch übermittelt werden. Das kann zum Beispiel auch die Einnahmen-Überschussrechnung sein, wenn man nur nebenberuflich selbständig arbeitet. Oder wenn man eine Photovoltaikanlage auf dem Dach und dafür ein Gewerbe angemeldet hat. Das sind immerhin fast zwei Millionen Haushalte in Deutschland.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.
Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Für die elektronische Steuererklärung gibt es zwei Alternativen: das Programm über einen Browser zu nutzen und die eigenen Steuerdaten in der Cloud des Anbieters zu speichern und die klassischen Softwareversionen. Gibt es da Unterschiede?

Wenn man eine stabile Internetleitung und keine Sorge wegen des Datenschutzes hat, würde ich zur Browser-Lösung raten. Das ist einfacher. Und zudem lässt sich die klassische Software oft mit Linux-Betriebssystemen nicht nutzen. Wer seine Daten nicht in der Cloud haben will, der muss aber klassische Softwarelösungen nutzen.

Wann sollte man sich Bezahl-Software leisten?

Wer schon ein paar Steuererklärungen gemacht hat und sich mit dem Thema einigermaßen auskennt, für den kann die Elster-Lösung vom Finanzamt selbst schon in Ordnung sein. Den meisten anderen würde ich aber – je nachdem, wie komplex das ist – eine Kaufsoftware empfehlen. Da sind die Steuerfragen dann aus Sicht des Steuerbürgers doch noch verständlicher erklärt als bei Elster. In teureren Versionen gibt es inzwischen standardmäßig sogar Erklärvideos. Zudem bekommt man den einen oder anderen Tipp, wie man noch ein paar Euro mehr von der Steuer zurückbekommt. Und das ist schließlich Geld, was den Steuerzahlern zusteht, das ist vom Staat auch so vorgesehen. Hilft auch, sich nicht so sehr über Steuersparmodelle zu ärgern, mit denen sich Konzerne nicht mehr an der Finanzierung von Schulen und Straßen beteiligen.

Was muss man denn ausgeben?

Das hängt davon ab, wie komplex der Steuerfall ist. Als normaler Arbeitnehmer ohne viel drumherum bekommt man schon für 15 Euro brauchbare Kaufsoftware, zum Schnäppchenpreis vielleicht auch günstiger. Wenn es etwas komplizierter ist, weil man vielleicht noch eine Eigentumswohnung vermietet oder einen Nebenerwerb hat, kann man zwischen 25 und 35 Euro kalkulieren. Das sind die offiziellen Preise, häufig gibt es auch noch günstigere Angebote. Dann sollte man natürlich darauf achten, dass man die 2018er Version kauft. Zumindest, wenn man die Steuererklärung für 2017 machen will. Wer nicht zur Steuererklärung verpflichtet ist, kann sich mit einer älteren Software natürlich auch noch für frühere Jahre Geld zurückholen. Das ist übrigens besonders attraktiv, weil das Finanzamt die Steuererstattung irgendwann auch verzinsen muss.

Und welches Programm ist nun das beste? Um das herauszufinden, hat "Finanztip" ja eine Art Metatest gemacht.

Genau. Wir haben fünf aktuelle Tests aus verschiedenen Medien ausgewertet und die Ergebnisse aggregiert. Außerdem sind die Auswertungen aus unserem eigenen Test im letzten Jahr mit eingeflossen. Und daraus haben wir dann ein paar Empfehlungen abgeleitet.

Die da wären?

Wenn man nicht so viel Geld ausgeben will, kommt man mit Tax2018 und Quicksteuer2018 gut weg. Beide sind anfängertauglich und kosten rund 15 Euro. Arbeitnehmer und Rentner können beide Programme nutzen, Tax2018 eignet sich auch für Pensionäre, Vermieter und Kapitalanleger. Bei Selbständigen und Gewerbetreibenden oder auch komplizierteren Steuerfällen kommen die günstigen Programme aber an ihre Grenzen. Wenn man zum Beispiel als Außendienstler viel beruflich unterwegs ist oder mehrere Dienstorte hat, dann sollte man ein paar Euro mehr ausgeben.

Erste Wahl ist den Tests zufolge das Wiso-Steuersparbuch für 35 Euro. Für den Preis lässt sich das Programm sowohl auf dem Desktop nutzen als auch als Browser-Version oder App, so dass man die Steuer auf verschiedenen Geräten machen kann. Neu ist jetzt eine Kontenverwaltung. Damit lassen sich Buchungen auf den verknüpften Girokonten automatisch in die entsprechende Steuerkategorie einsortieren, das dürfte einem einiges an Arbeit sparen. Eine weitere Empfehlung ist die Steuersparerklärung für rund 30 Euro. Mit der kommen erfahrene Nutzer meistens ziemlich flott voran. Ein praktisches Extra ist hier zum Beispiel eine Belegmanager-App. Mit der kann man Quittungen unterwegs erfassen. Scannen kostet aber extra.

Seit ein paar Jahren gibt es ja auch reine Online-Angebote. Was ist von denen zu halten?

Die Cloud-Lösungen sind zum Beispiel für Mac-Nutzer interessant. Außerdem für Leute, die sich nicht noch ein zusätzliches Programm auf die Festplatte ziehen wollen. Am umfangreichsten ist Wiso-Steuer-Web. Das kann alles, was das normale Wiso-Programm auch kann, ist also eine echte Alternative. Außerdem gibt es noch Smartsteuer, das sich gut bei nicht so komplexen Steuerfällen eignet. Einnahmen-Überschussrechnung und Umsatzsteuererklärung funktionieren da aber auch. SteuerGo Plus für 25 Euro können wir auch empfehlen. Das Programm gibt es in mehreren Sprachen.

Kann man die Kosten fürs Steuerprogramm von der Steuer absetzen?

Ja. Steuerprogramme zählen zu den Werbungskosten, wie auch das Honorar für den Steuerberater. Beim Steuerberater müssen die privaten Anteile an der Steuererklärung allerdings herausgerechnet werden. Software kann man einfach als Mischkosten eintragen. Solange die unter 100 Euro liegen, sollte sie das Finanzamt problemlos anerkennen.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

Quelle: n-tv.de