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Inflationsschutzgesetz voraus So viel Entlastung bringt der Lindner-Plan

Mehr Netto vom Brutto? Immer her damit. Bundesfinanzminister Lindner verspricht durch das Inflationsausgleichsgesetz zu liefern. Unter anderem soll der Grundfreibetrag für Steuerzahlende erhöht werden und das Kindergeld steigen. Wie die Entlastung im Einzelnen aussieht, lesen Sie hier.

Hier kommen die guten Nachrichten für Steuerzahler. Der Staat darf sich nicht auf Kosten der Bürger an der Inflation bereichern. Um die mit der kalten Progression verbundenen schleichenden Steuererhöhungen zu dämpfen, hat Bundesfinanzminister Christian Lindner Eckpunkte für ein Inflationsausgleichsgesetz vorgestellt.

Dies sieht vor, für 48 Millionen Bürger die Steuerlast an die Inflation anzupassen, um so Mehrbelastungen zu vermeiden. Zudem sollen Familien gezielt steuerlich unterstützt werden. Profitieren sollen Arbeitnehmer, Rentner, Selbstständige sowie Unternehmer. Bewusst ausgenommen sind jedoch besonders hohe Einkommen, für die der sogenannte Reichensteuersatz (ab 277.836 Euro) von 45 Prozent greift. Bei allen, deren Jahreseinkommen unter 62.000 Euro liegt, soll der Entlastungseffekt die Mehrbelastung durch die kalte Progression übersteigen. Zur Erklärung: Die hohe Inflation, also die Teuerung, belastet einerseits die Bürger und führt bei inflationsbedingten Lohnerhöhungen andererseits zu höheren Einnahmen bei der Einkommensteuer (sogenannte "kalte Progression"). Der Begriff bezeichnet eine Art schleichende Steuererhöhung, wenn eine Gehaltserhöhung komplett durch die Inflation aufgefressen wird, aber dennoch zu einer höheren Besteuerung führt. Ergebnis: Obwohl das Gehalt gestiegen ist, hat man real weniger Geld in der Tasche.

Aber der Reihe nach. Los geht's mit den Familien.

Der Kinderfreibetrag soll laut Bundesfinanzministerium (BMF) schrittweise für jeden Elternteil von 2022 bis 2024 um insgesamt 264 Euro erhöht werden, bis er zum 1. Januar 2024 bei 2994 Euro liegt.

Zudem soll das Kindergeld in den Jahren 2023 bis 2024 schrittweise erhöht. 2023 soll es für das erste, zweite und dritte Kind monatlich je 227 Euro betragen. Ab dem vierten Kind kommen 250 Euro aufs Konto. Im Jahr 2024 sollen die Sätze für das erste bis dritte Kind noch einmal angehoben werden - auf 233 Euro. Bisher erhalten Eltern für das erste und zweite Kind 219 Euro, für das dritte 225 und jedes weitere Kind 250 Euro.

Ab dem 1. Januar 2024 beträgt es monatlich für das erste, zweite und dritte Kind einheitlich 233 Euro, für das vierte und jedes weitere Kind 250 Euro. Die Erhöhung des Kindergeldes soll auch für einkommensschwache Familien, welche keine Einkommensteuer zahlen, gelten.

Außerdem soll der Unterhalthöchstbetrag für 2022 von 9984 Euro auf 10.347 Euro angehoben werden. So können mehr Kosten, die etwa für Berufsausbildung oder Unterhalt für eine unterhaltberechtigte Person anfallen, steuerlich geltend gemacht werden.

Darüber hinaus soll der Grundfreibetrag für alle Steuerzahler zum 1. Januar 2023 um 285 Euro auf 10.632 Euro angehoben werden. Für 2024 ist eine weitere Anhebung um 300 Euro auf 10.932 Euro angedacht.

Um die kalte Progression trotz Inflation auszugleichen, sollen die sogenannten Tarifeckwerte verschoben werden. So soll der Spitzensteuersatz 2023 bei 61.972 statt bisher 58.597 Euro greifen, 2024 soll er ab 63.515 Euro beginnen.

Und was bringen mir die Maßnahmen konkret?

Das BMF liefert konkrete Zahlen, in welcher Höhe des zu versteuernden Einkommens die Bürger im Vergleich zum geltenden Tarif 2022 im Jahr 2023 entlastet werden. Wichtig: Bei dem zu versteuernden Einkommen sind bereits etwaige Kinderfreibeträge und sonstige steuermindernde Abzüge berücksichtigt. Es handelt sich also nicht um das Bruttojahresgehalt. Nachdem das geklärt ist, hier ein paar Beispiele:

20.000 Euro: Bei Einzelveranlagung 115 Euro; bei Splittingverfahren 0 Euro

30.000 Euro: Bei Einzelveranlagung 172 Euro; bei Splittingverfahren 182 Euro

40.000 Euro: Bei Einzelveranlagung 250 Euro; bei Splittingverfahren 230 Euro

50.000 Euro: Bei Einzelveranlagung 352 Euro; bei Splittingverfahren 282 Euro

60.000 Euro: Bei Einzelveranlagung 471 Euro; bei Splittingverfahren 344 Euro

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70.000 Euro: Bei Einzelveranlagung 479 Euro; bei Splittingverfahren 416 Euro

Zudem sollen mit den Änderungen nicht nur steuerliche Mehrbelastungen vermieden werden, für viele Menschen bedeuten sie auch weniger Verwaltungsaufwand. Denn laut Bundesfinanzministerium entfällt damit für mehr als 270.00 Bürger dann auch die Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung. Das betrifft unter anderem rund 75.000 Rentner.

(Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 10. August 2022 erstmals veröffentlicht.)

Quelle: ntv.de

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