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Schlüsseldienst langt zu Ist Preis von 750 Euro Wucher?

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Nicht immer erscheinen die Forderungen von Schlüsseldiensten gerechtfertigt.

(Foto: imago stock&people)

Mist - die Haustür ist zu und lässt sich nicht mehr öffnen - und die kleine Tochter ist in der Wohnung. Ein Schlüsseldienst hilft und kassiert im Anschluss für seine Dienste fast 750 Euro. Für wenige Minuten Arbeit. Das so geschröpfte Ehepaar klagt und bekommt recht. Jetzt steht die Berufung an.

Wucher bezeichnet das Angebot einer Leistung zu einer deutlich überhöhten Gegenleistung unter Ausnutzung einer Schwächesituation oder Zwangslage eines Vertragspartners. Soweit die Definition.

Ob es sich beim Aussperren aus der eigenen Wohnung und der anschließenden Inanspruchnahme eines Schlüsseldienstes um eine solche Notlage handelt, hat nun das Landgericht (LG) Hannover in einem Revisionsverfahren zu entscheiden.

Gegenstand des verhandelten Streits war der Umstand, dass sich ein Ehepaar versehentlich aus seiner Wohnung ausgeschlossen hatte, in der sich ihre zweijährige Tochter allein befand. Aufgrund eines Schlossdefekts ließ sich die Tür nicht mehr öffnen. Aus Angst um ihr Kind hatten die Eltern kurzerhand einen Schlüsseldienst gerufen. Der später wegen Wucher angeklagte Monteur soll die Tür dann mit einem Draht geöffnet und den Schließzylinder ausgewechselt haben.

Sind 500 Euro mehr Wucher?

Anschließend soll er den Geschädigten eine Rechnung in Höhe von 746,96 Euro präsentiert haben. Hierbei soll er gezielt ausgenutzt haben, dass die Eheleute noch unter dem Eindruck der vorangegangenen Belastung standen. So sollen sie den geforderten Betrag noch vor Ort per EC-Karte bezahlt haben. Der marktübliche Preis für die Öffnung und den Austausch des Schließzylinders soll bei etwa 200 Euro liegen.

In der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht (AG) Burgwedel hatte der Angeklagte bestritten, der vor Ort eingesetzte Monteur gewesen zu sein. Das Amtsgericht hat seine Feststellung demgegenüber auf die übereinstimmenden Aussagen des geschädigten Ehepaares gestützt. Das Gericht hatte zur Hauptverhandlung einen Sachverständigen geladen, der insbesondere dazu Auskunft gab, welche Vergütung für das Öffnen einer Wohnungstür üblich ist und von welchen Faktoren die Bestimmung des Preises abhängt.

Der 24-jährige Monteur wurde denn auch wegen Wucher zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu jeweils 10 Euro verurteilt. Er wehrt sich dagegen nun in einem Berufungsverfahren vor dem LG.

Quelle: ntv.de, awi