Ratgeber

Immenser Imageschaden Klagewelle gegen Bausparkassen

Die Niedrigzinsen machen den Bausparkassen zu schaffen. Deshalb kündigt eine nach der anderen teure Verträge. Dabei ist BHW, LBS und Co jedes Mittel recht, um ihre Kunden um die versprochene Rendite zu bringen. Doch die Geprellten wehren sich.

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Die Bausparkassen wollen ein negatives Urteil um jeden Preis vermeiden und bieten den Klägern daher großzügige Vergleiche an.

(Foto: imago stock&people)

Deutschlands Bausparkassen sehen sich einer Klagewelle ihrer Kunden ausgesetzt. Es gebe etwa 970 Verfahren gegen die Kündigung von Bauspar-Altverträgen, sagte ein Sprecher des Verbands der Privaten Bausparkassen.

Hierbei bezog er sich auf die gesamte Branche, neben den privaten Instituten also auch die Landesbausparkassen. Die Niedrigzinsen machen den Anbietern seit Langem zu schaffen, Medienberichten zufolge haben sie daher etwa 200.000 Altverträge mit Zinsen von bis zu fünf Prozent gekündigt. Diese unpopulären Maßnahmen seien wegen der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) leider nötig, sagte der Sprecher.

Verbraucherschützer werfen den Instituten hingegen Rechtsbruch vor. Die Lage ist unübersichtlich. Nach Darstellung des Verbandssprechers gab es bisher 89 Urteile von Amts- oder Landgerichten zu Altverträgen in Deutschland. In 79 Fällen hätten die Bausparkassen recht bekommen, in 10 Fällen die Kläger. Eine objektiv ermittelte Zahl von Behörden gibt es nicht.

Die Aussagekraft der Urteile ist begrenzt, da es noch keine höherinstanzliche Richtersprüche gibt. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg wies darauf hin, dass die Zahl von Vergleichen nicht bekannt sei. Diese sei wohl sehr hoch, weil Bausparkassen ein negatives Urteil um jeden Preis vermeiden und den Klägern daher großzügige Vergleiche anböten.

Die Bundesregierung will den 21 deutschen Bausparkassen in der aktuellen Niedrigzinsphase das Geschäft erleichtern. Unter anderem sollen sie künftig Baudarlehen auch außerhalb des eigentlichen Bauspargeschäftes vergeben können.

Eine Entlastung für Bausparkassen bei Alt-Verträgen, in denen noch hohe Zinszahlungen zugesichert wurden, ist nicht geplant. Beim Verhältnis zwischen Bausparer und Kasse seien keine gesetzlichen Änderungen vorgesehen, hieß es: "Die bestehende Rechtsgrundlage ist hinreichend." Einige Bausparkassen versuchen, Kunden aus lukrativen Alt-Verträgen herauszudrängen.

So wehren sich gekündigte Bausparer

Quelle: ntv.de, awi/dpa