Ratgeber

Bankschließfach mieten Längst nicht alle sind versichert

imago54805638h.jpg

Ans Schließfach kommt man normalerweise nur zu den Öffnungszeiten der Bank. Moderne Anlagen sind mit einer Chipkarte zugänglich.

(Foto: imago stock&people)

Goldbarren, der Familienschmuck, Dokumente - wer sichergehen will, dass wichtige Dinge nicht in falsche Hände fallen, lagert sie im Bankschließfach. Was kostet das? Was machen Kunden von Direktbanken? Und was passiert, wenn ein Schließfach aufgebrochen wird?

Gold ist bei Anlegern wieder schwer gefragt. Doch wer sein Geld in Krügerrand-Münzen oder Barren anlegt, sollte sich vorher Gedanken machen, wo das Edelmetall deponiert werden soll. Matratze oder Schreibtischschublade sind angesichts von rund 150.000 Wohnungseinbrüchen  im Jahr reichlich unvorsichtig. Ein eigener Safe wäre eine Option, wobei günstige Möbeltresore  für ambitionierte Einbrecher nicht unbedingt eine Herausforderung darstellen. Bankschließfächer sind eine Alternative – doch auch sie bieten keine hundertprozentige Sicherheit, wie ein Vergleich der Stiftung Warentest zeigt. Nicht selten müssten Kunden eine zusätzliche Versicherung abschließen.

79 Banken hat die Stiftung nach Schließfächern gefragt, 38 nannten daraufhin ihre Angebote. Dabei zeigte sich auch, wie begehrt die Safes sind. Zwei Banken hatten gerade überhaupt keine Fächer frei, bei anderen gab es zumindest in einigen Filialen Engpässe. Onlinebanken haben keine Schließfächer, das liegt auf der Hand. Doch auch unter den Filialbanken gibt es einige, die keine Fächer vermieten. Kunden der Postbank oder der Targobank etwa müssen sich anderweitig umsehen, wenn sie Wertsachen einlagern möchten.

Bei 20 Euro geht's los

Möglichkeiten gibt es. Bei Edelmetallhändlern wie Pro Aurum oder dem Goldkontor Hamburg muss man kein Kunde sein, um ein Schließfach zu mieten. Mit Einstiegspreisen von weit über 200 Euro pro Jahr sind sie aber nicht gerade günstig. Daneben überlassen auch einige Sparkassen und Volksbanken Schließfächer an Nicht-Kunden, oft müssen die dann aber etwas mehr zahlen. Los geht es - je nach Bank - meist bei 20 bis 45 Euro, einige Anbieter liegen aber deutlich darüber. Für große Schließfächer mit Kapazitäten über 50 Liter fallen teils weit über 150 Euro  an. Bei der Frankfurter Sparkasse bekommt man ein 150-Liter-Fach für 730 Euro, darin hätte dann aber auch schon ein Ölfass Platz. Das teuerste Klein-Schließfach im Vergleich kommt von der Commerzbank, es ist mit acht Litern recht großzügig bemessen und kostet 75 Euro, versichern geht extra.

Und versichern ist oft auch angebracht, denn wenn der Schließfachinhalt zerstört oder gestohlen wird, ist das erstmal nicht das Problem der Bank. Das mussten auch dutzende Kunden der Berliner Sparkasse erfahren, deren Schließfächer bei einem spektakulären Einbruch im vergangenen Oktober leergeräumt worden waren. Die Sparkasse haftet bei eigenem Verschulden höchstens mit 10.300 Euro. Wer keine Versicherung dazu gebucht hat, bleibt also auf dem Schaden sitzen.

Bei zahlreichen Anbietern ist eine Versicherung schon in der Miete inbegriffen, allerdings oft nur bis zu einem Wert von 10.000 Euro oder weniger. Wer teurere Dinge bei der Bank deponiert, kann die Versicherungssumme für einige Euro aufstocken. Ansonsten ist manchmal auch die Hausratversicherung eine Alternative, einige Anbieter decken sind Wertsachen in Bankschließfächern schon in ihren günstigsten Tarifen ab. Entscheidend ist auch, bei welchen Ereignissen die Versicherung überhaupt einspringt. Standard sind Raub und Diebstahl, Feuer und Leitungswasser. Umfassende Policen zahlen auch für Schäden durch Blitzschlag, Explosionen oder Rauch.

Inhalt dokumentieren

Wer Bargeld deponieren will, sollte prüfen, ob das überhaupt mitversichert ist und wenn ja, unter welchen Bedingungen. Ein Viertel der Banken im Test wollte für Bargeld grundsätzlich nicht garantieren. Urkunden oder Dokumente wie das Familienstammbuch werden von der Versicherung ohnehin nicht ersetzt, schließlich lässt sich ihr Wert nicht in Geld bemessen. Wer nur solche Urkunden einschließt, könne sich zusätzlichen Versicherungsschutz auch sparen, so "Finanztest".   Sicherheitshalber sollte man den Inhalt des Schließfachs mit einer Inventarliste dokumentieren, am besten mit Kaufbelegen, Bildern oder  Gutachten.

Die Bank kann man im Ernstfall nicht fragen, was im Schließfach war. Denn das weiß nur der Kunde. Die Mitarbeiter führen Besucher zwar zu den Schließfächern, verlassen dann aber den Raum. Einlagern darf man im Prinzip alles, was Platz findet. Explizit verboten sind nur Waffen und radioaktives Material. Testamente sollte man besser an einem zugänglicheren Ort hinterlegen. Meistens kommt man übrigens nur während der Banköffnungszeiten an den Inhalt heran. Manche Banken haben inzwischen aber auf moderne Schließanlagen umgerüstet. Mit der passenden Chipkarte kommt man dann rund um die Uhr an seine Schätze heran.  

Quelle: ntv.de