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Lukrative Policen Lebensversicherer erfolgreich abgemahnt

Viele Menschen schließen eine Lebensversicherung ab - Angaben zu Überschüssen sind dabei gesetzlich geregelt. Foto: Jens Büttner (Archiv)

Die Verbraucherzentrale hofft auf eine Signalwirkung für die gesamte Lebensversicherungsbranche.

(Foto: dpa)

Die Zinsen sind im Keller, die Lebensversicherer unter Druck. Mit fragwürdigen Offerten versuchen Letztere, Kunden mit hoch verzinsten Altverträgen loszuwerden. Zum Glück gibt es Verbraucherschützer.

Die Intention ist klar: Renten- und Lebensversicherer versuchen mit verlockend klingenden Briefen, wegen der Zinsflaute Kunden dazu zu bewegen, lukrative Altverträge vorzeitig zu beenden.

Dass sieht die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kritisch und hat deshalb die "Neue Leben" erfolgreich abgemahnt. Denn das Unternehmen hatte in Briefen versucht, Kunden aus hochverzinsten Altverträgen zu locken, jedoch nach Einschätzung des vzbv nicht ausreichend auf die Nachteile einer Kündigung hingewiesen. Nun hat der Versicherer in einer Unterlassungserklärung zugesichert, die umstrittenen Schreiben nicht mehr zu verwenden. Noch im September hatte die Neue Leben angegeben, in diesem Jahr insgesamt 30.000 solcher Briefe verschicken zu wollen. Die Marktwächterexperten der Verbraucherzentrale Hamburg hatten das Problem aufgrund von Verbraucherbeschwerden aufgedeckt.

Dabei klingen die Schreiben zunächst verlockend: "Über viele Jahre haben Sie uns einen wichtigen Teil Ihrer Altersvorsorge anvertraut. Dafür danken wir Ihnen." Weiter heißt es: "Ihre persönliche Situation, Ihre Ziele sowie Ihre finanziellen Wünsche haben sich vielleicht während der Vertragslaufzeit geändert. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, sich Ihr Guthaben früher auszahlen zu lassen?"

Dass damit jedoch auch die Kündigung des Vertrags einhergeht, blieb unerwähnt, ebenso wie die Nachteile, die damit verbunden sind, zum Beispiel, dass im Todesfall der finanzielle Schutz für Angehörige verloren geht. Außerdem würden Verbraucher mit dem "Abruf des Guthabens" vorzeitig einen Vertrag aufgeben, der ihnen eine Rendite garantiert, die sich mit ähnlich sicheren Finanzprodukten heute nicht mehr erwirtschaften lässt. Diese Schreiben wurden nach Aussage des Versicherers vor allem an Kunden verschickt, die Verträge vor 2005 abgeschlossen hatten - also in einer Zeit, als für die Sparanteile von Versicherungen noch Zinssätze zwischen 2,75 und 4 Prozent gewährt wurden.

"Die Schreiben der Neuen Leben waren aus unserer Sicht ein klarer Verstoß gegen die Beratungspflicht der Versicherer", sagt Sandra Klug, Leiterin des Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale Hamburg. "Den Betroffenen wurde zudem fälschlicherweise der Eindruck vermittelt, dass es sich um ein besonders lohnenswertes Angebot handelt, auf das sie erst jetzt zurückgreifen können. Tatsächlich ist die Kündigungsmöglichkeit jedoch von Anfang an Bestandteil des Vertrags und das Guthaben schon deutlich früher steuerfrei verfügbar", so Klug. "Umso wichtiger war es uns, dass die Neue Leben dieses Geschäftsgebaren unterlässt. Wir hoffen sehr, dass von diesem Fall eine Signalwirkung für die gesamte Lebensversicherungsbranche ausgeht." 

Quelle: n-tv.de, awi

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