Ratgeber

Geld statt Reparatur Muss die Kasko Markenwerkstatt zahlen?

Die Kaskoversicherung bezahlt einen Schaden. Statt das Auto in die Werkstatt zu bringen, möchte der Besitzer lieber das Geld ausgezahlt bekommen. Das ist sein gutes Recht. Aber hat der Versicherte auch Anspruch auf die Kosten einer teuren Makrenwerkstatt? Der BGH entscheidet.

imago66379912h.jpg

Wenn der Versicherte immer in die Markenwerkstatt fährt, muss das die Versicherung berücksichtigen.

(Foto: imago/Westend61)

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Ansprüche von Autobesitzern nach einem selbst verschuldeten Unfall geklärt. Danach darf der Autohalter sich zwar eine Reparatur von seiner Kaskoversicherung bezahlen lassen, auch wenn er seinen Wagen nicht Instandsetzen lässt. Doch für diese sogenannte fiktive Reparatur dürfen nur unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten einer teuren Markenwerkstatt angesetzt werden, etwa bei Neuwagen und scheckheftgepflegten Autos. Ansonsten muss der Halter mit denen einer günstigeren Fachwerkstatt vorlieb nehmen. (Az.: IV ZR 426/14)

Die Richter entschieden über den Fall eines Mercedes-Fahrers, der mit seinem vier Jahre alten Wagen einen Unfall mit einem LKW selbst verschuldet hatte. Er wollte das Auto nicht reparieren lassen, sich aber von seinem Versicherer, der VHV, die fiktive Reparatur bei einer Mercedes-Fachwerkstatt bezahlen lassen. Sein Gutachter hatte diese mit rund 9400 Euro veranschlagt. Die VHV zahlte aber 3000 Euro weniger als beantragt. Das Unternehmen berief sich auf ein eigenes Gutachten, das die Kosten der Reparatur bei einer ungebundenen Werkstatt errechnet hatte. Hier waren die Lohnkosten geringer.

Das Amtsgericht gab dem Mercedesfahrer Recht, das Landgericht der Versicherung. Der BGH kommt nun beiden Seiten entgegen. Grundsätzlich gelten demnach in der Kaskoversicherung die Vertragsbedingungen, auf die sich beide Parteien verpflichtet haben. Bei der Haftpflicht ist das anders, hier sind die Ansprüche des Geschädigten vom Gesetzgeber vorgegeben. Aber auch die Allgemeinen Bedingungen für die Kaskoversicherung könnten aus Sicht eines "durchschnittlichen" Versicherten so auszulegen sein, dass die Kosten für die Reparatur in einer Markenwerkstatt übernommen werden müssen, so der BGH. Das sei allerdings von den Umständen des jeweiligen Falls abhängig.

Wenn nur in der Markenwerkstatt eine vollständige und fachgerechte Instandsetzung seines Fahrzeugs möglich ist, müssen bei der fiktiven Reparatur auch die Kosten dafür zugrunde gelegt werden, entschied das Gericht. Das sei in der Regel bei neueren Fahrzeugen der Fall, oder bei Autos, die bisher stets in einer markengebundenen Fachwerkstatt gewartet und repariert worden sind. Nun muss das Amtsgericht prüfen, ob der Mercedes diese Voraussetzungen erfüllt.

Kasko- und Haftpflichtversicherung: Jetzt schnell wechseln

Quelle: ntv.de, ino/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen