Ratgeber

Vergessen, verschlampt, übersehen Sechs teure Fehler in der Steuererklärung

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Viele Belege muss man gar nicht einreichen. Aber man sollte natürlich wissen, welche Summen draufstehen.

(Foto: imago stock&people)

Wie viel man mit der Steuererklärung vom Finanzamt zurückholen kann, hängt auch davon ab, wie sorgfältig man arbeitet. Die bequemste Lösung: Man überlässt die Arbeit den Profis. Doch nichtmal die können etwas retten, wenn man im Vorfeld geschlampt hat.

Wenn man nicht gerade nachzahlen muss, wird die Zeit, die man in die Steuererklärung investiert, meist ziemlich gut honoriert. Rund 900 Euro zahlten die Finanzämter im Schnitt zuletzt zurück. Kein schlechter Lohn für ein paar Stunden Arbeit. Wer das Meiste herausholen will, sollte zusehen, dass er bestimmte Fehler vermeidet, auch schon im Vorfeld:

Nachweise verschlampen

Taxifahrten und Parktickets, Fachliteratur, Handwerkereinsätze oder Anschaffungen fürs häusliche Arbeitszimmer – eine ganze Menge Ausgaben lassen sich steuerlich geltend machen. Dafür sollte man Quittungen sammeln. Zum einen, um selbst den Überblick zu behalten, zum anderen natürlich, um Nachweise für das Finanzamt zu haben. Beruhigend für Nachlässige: Viele Belege will das Finanzamt nur auf Nachfrage hin sehen. Das gilt zum Beispiel für die meisten Arbeitsmittel oder für Versicherungsprämien. Hat man die Belege verschludert, kommt man vielleicht auch so durch, wenn man die richtigen Summen einträgt.

Kaum Spielraum gibt es dagegen, wenn man ein häusliches Arbeitszimmer oder doppelte Haushaltsführung zum ersten Mal gelten machen will. Auch Dienstwagen-Fahrtenbücher sollte man parat haben, da sieht das Finanzamt gern genauer hin. Spendenbescheinigungen werden erst ab einer Summe von 200 Euro erforderlich, darunter reicht der Kontoauszug.

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Bezahlt man die Putzfrau in bar, kann man die Kosten nicht beim Finanzamt geltend machen.

Kontoauszüge können natürlich auch für viele andere Nachweise die Rettung sein – glücklich, wer auf die Suchfunktion beim Online-Banking zurückgreifen kann. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang: Handwerker, Putzfrauen, Babysitter oder Umzugshelfer niemals bar bezahlen! Kosten für Haushaltsnahe Dienstleistungen, Handwerkerleistungen sowie Kinderbetreuungskosten kann man nämlich nur von der Steuer absetzen, wenn man das Geld überwiesen hat. Außerdem muss man auch die dazugehörige Rechnung vorlegen.

Betriebskostenabrechnung ignorieren

Mieter und Eigentümer in Mehrfamilienhäusern können fast immer haushaltsnahe Dienstleistungen geltend machen – und viele von ihnen vergessen das. Betriebskostenabrechnung heißt das Zauberwort. Haushaltsnahe Dienstleistungen müssen schließlich nicht in der eigenen Wohnung erbracht werden. Kosten für Hausmeister, Gartenarbeiten, Treppenhausreinigung, Winterdienst oder Gerätewartungen werden auf die Eigentümer oder Mieter verteilt und die können sie dann auch in die Steuererklärung eintragen.

Hausverwaltungen sind verpflichtet, die einzelnen Kosten in der Jahresverbrauchsabrechnung aufzuschlüsseln. Bei der Steuererklärung sollte man also auf jeden Fall auch die Betriebskostenabrechnung zur Hand nehmen.

Riester-Zulagen nicht beantragen

Riester-Sparer bekommen nicht nur eine Zulage, sondern können oft auch Steuern sparen. Das funktioniert aber nur, wenn sie ihre Zulagen auch abrufen. Seit 2005 gilt das sogenannte Dauerzulagenverfahren. Die Riester-Sparer müssen nur noch einmal einwilligen, dass ihre Einkommensteuerdaten übertragen werden dürfen. Wer allerdings vergisst, die unterschriebene Einwilligung an den Riester-Anbieter zu schicken, bekommt weder Zulage noch Steuervorteil.

Falsche Felder ausfüllen

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Die erste Seite ist noch unkompliziert.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine Weiterbildung nicht unter Werbungskosten angeben sondern bei den Sonderausgaben, Handwerkerleistungen irrtümlich als außergewöhnliche Belastungen deklarieren – Laien kann so etwas schon mal passieren, zumal wenn sie sich ohne Steuersoftware durch die Formulare klicken. Das Finanzamt erkennt die falschen Einträge natürlich und schmeißt sie aus den falschen Zeilen heraus. Nur trägt es die Beträge danach eben nicht an richtiger Stelle ein. Auf Rückerstattung hofft man dann vergeblich. Welche Kosten anerkannt wurden, kann man im Steuerbescheid nachlesen.

Krankheitskosten nicht angeben

Zuzahlungen zu Medikamenten, Zahnersatz und Hilfsmitteln sowie Pflegekosten – erst wenn krankheitsbedingte Aufwendungen eine bestimmte Grenze überschreiten, werden sie als außergewöhnliche Belastungen anerkannt. Die Höhe dieser Grenze richtet sich nach den Einkommen und nach der Zahl der Kinder. Je mehr man verdient, desto mehr Kosten gelten als zumutbar. Ein kinderloser Single mit 60.000 Euro Jahresgehalt kann seine Gesundheitsausgaben beispielsweise erst absetzen, wenn sie sich auf über 4200 Euro summieren. Bei einer Alleinerziehenden mit einem Kind und 15.000 Euro brutto ist die Marke schon bei 300 Euro erreicht.

Manchmal stellt sich erst im Jahresverlauf heraus, dass die kritische Hürde genommen wird, obwohl man am Anfang des Jahres nicht damit gerechnet hat. Etwa, wenn teure Implantate fällig werden. Ärgerlich, wenn man dann nicht von Anfang an Quittungen gesammelt hat.

Ein weiterer Anreiz, grundsätzlich alle Belege aufzuheben: Das Bundesverfassungsgericht prüft derzeit, ob die Zumutbarkeitsgrenze grundgesetzkonform ist. (Az.: 2 BvR 180/16). Solange die Frage nicht geklärt ist, sollte man sämtliche Ausgaben sammeln und in der Steuererklärung eintragen, empfiehlt die Vereinigte Lohnsteuerhilfe VLH, – auch wenn sie unter der Grenze liegen. Wenn das Finanzamt die außergewöhnlichen Belastungen nicht anerkennt, legt man Einspruch ein und beantragt ein Ruhen des Verfahrens. So kann man sich womöglich noch rückwirkend eine Steuererstattung sichern.

Zu billig vermieten

Wenn das Kind in der Eigentumswohnung der Eltern lebt oder die Oma in der Einliegerwohnung, zahlen sie wahrscheinlich weniger Miete als marktüblich. Die Besitzer können ihre Werbungskosten trotzdem in voller Höhe absetzen – aber nur, wenn sie sich an bestimmte Regeln halten. Zum einen: Die Verwandten müssen mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete entrichten. Allzu großzügig darf man also nicht sein, wenn man den Fiskus beteiligen will. Außerdem müssen für Verwandte die gleichen Konditionen gelten wie für alle anderen Mieter. Die Miete muss pünktlich überwiesen werden, Barzahlungen werden nicht anerkannt. Außerdem muss es eine regelmäßige Nebenkostenabrechnung geben.  

Quelle: ntv.de

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