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Rente kann warten Später Ausstieg kann sich lohnen

Vielen ist es gar nicht klar: Der Renteneintritt lässt sich nicht nur nach vorne verlegen, sondern auch nach hinten. Wer länger arbeitet, kann sich später über ein sattes Extra von der Rentenversicherung freuen.

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Wer länger im Job bleibt, holt mehr aus seiner Rente raus.

(Foto: imago stock&people)

Früher in Rente? Aber gerne doch. Rund 247.000 Beschäftigte haben im vergangenen Jahr einen Antrag auf Rente mit 63 gestellt. Wenn man 45 Beitragsjahre in der Rentenversicherung vorweisen kann, kann man ohne Abschläge früher aussteigen. Doch es gibt auch die andere Richtung: Länger arbeiten, um später mehr Rente zu kassieren. Diejenigen, die sich dazu entscheiden, sind natürlich in der Minderheit, doch es werden mehr.

Über 18.000 Neu-Rentner des Jahres 2014 sind später in den Ruhestand gegangen als sie gekonnt hätten. Der Spaß an der Arbeit spielt sicher eine Rolle, den Meisten dürfte es aber auch ums Geld gehen. Wer später aussteigt und somit auf Rente verzichtet, die ihm zustehen würde, bekommt einen Zuschlag. Zum Jahreswechsel 2014/2015 waren dadurch insgesamt mehr als 215.500 Altersrenten erhöht, so das Rentenversicherungsportal ihre-vorsorge.de.

Dabei beweisen die Ruhestands-Verschieber langen Atem. Im Schnitt arbeiten sie fast drei Jahre länger als sie müssten, 34,5 Monate, um genau zu sein. Und davon haben sie auch etwas: Pro Monat erhöht sich der Rentenanspruch um 0,5 Prozent. Ein zusätzliches Jahr bringt also 6 Prozent mehr Rente, und das lebenslang.

Zwei Jahre länger bringen 17 Prozent mehr

Wie alt man dann beim Renteneintritt ist, hängt vom Geburtsjahrgang ab. Die reguläre Rente mit 67 gilt erst für Geburtsjahrgänge ab 1964. Derzeit erreichen diejenigen, die 1951 geboren wurden, die Regelaltersgrenze von 65 Jahren und vier Monaten. Wer 1951 geboren ist und bis zum 67. Geburtstag im Job bleibt, kann sich also 19 Monate zusätzlich anrechnen lassen und so 9,5 Prozent zusätzlich sichern.

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Den Rest des Lebens frei haben? Manchen ist dieser Gedanke eher unheimlich.

(Foto: imago/Westend61)

Ein Beispiel zeigt, dass sich länger Arbeiten durchaus lohnen kann: Die Durchschnittsrente beim regulären Eintrittsalter lag zuletzt bei 975 Euro. Nach einem Extra-Jahr im Job erhöht sie sich auf 1033 Euro im Monat. Hält man zwei Jahre länger durch, kommt man auf 1092 Euro. Dazu kommen noch die zusätzlichen Rentenpunkte, schließlich zahlt man auch länger in die Rentenkasse ein. Pro Jahr sind das nochmal etwa 2,5 Prozent zusätzlich. Zwei Jahre länger arbeiten bringt also insgesamt rund 17 Prozent mehr Rente. Im Beispiel wären das 166 Euro.

Für Menschen mit Mini-Renten dürfte die Option nur dann interessant sein, wenn sie noch andere Einkunftsarten haben oder über den Partner versorgt sind. Ansonsten sind sie im Alter auf Grundsicherung angewiesen. Wenn man etwa zwei Jahre länger arbeitet, um aus 500 Euro Rente 585 Euro zu machen, wird man wahrscheinlich weiter Zuschüsse vom Staat brauchen, nur dass die jetzt eben etwas geringer ausfallen.

Arbeitgeber muss mitspielen

Vielen Arbeitnehmern ist gar nicht klar, dass sie auch nach hinten hin Spielraum beim Renteneintritt haben. Zumindest theoretisch. In der Praxis ist diese Flexibilität nicht immer vorhanden. In Tarifverträgen und Arbeitsverträgen ist meistens geregelt, dass das Arbeitsverhältnis automatisch endet, wenn die Regelaltersgrenze erreicht ist. Wenn der Arbeitgeber nicht will, muss er einen danach auch nicht weiterbeschäftigen.

Sind sich beide Seiten aber einig, dass der Mitarbeiter noch länger in der Firma bleiben soll, lässt sich das unbürokratisch regeln. Durch eine Vereinbarung während des Arbeitsverhältnisses lasse sich der "Beendigungszeitpunkt, gegebenenfalls auch mehrfach, hinausschieben", heißt es dazu im sogenannten Rentenversicherungs-Leistungsverbesserungsgesetz. Für den Angestellten bleibt dann netto sogar etwas mehr übrig, denn die Arbeitslosenversicherung fällt weg. Wird man gekündigt, geht man eben einfach in Rente.

Quelle: n-tv.de

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