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Tenhagens Tipps Sparen bei der privaten Krankenversicherung

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Die private Krankenversicherung kann deutlich mehr leisten als die gesetzliche, aber das Mehr an Leistung kann nicht billiger sein.

(Foto: imago/Gerhard Leber)

Auch wenn die private Krankenversicherung im Alter teurer wird, gibt es durchaus Sparpotenzial für die Versicherten. Wieso man besser bei derselben Versicherung bleibt, und wann der Tarifwechsel sinnvoll ist, verrät Finanztip-Chefredakteur Tenhagen. 

n-tv.de: Die PKV wird mit zunehmendem Alter teurer - wie kommt man vom alten Tarif runter?

Hermann-Josef Tenhagen: Viele private Krankenversicherer bieten mehrere Tarife an. Man kann zunächst schauen, ob man die gleiche Leistung beim selben Versicherer in einem anderen Tarif für weniger Geld bekommt. So können Versicherte mit hoher Belastung oft einige Hundert Euro im Monat sparen. Je nachdem ob der Versicherte den Beitrag alleine berappen muss oder sich der Arbeitgeber daran beteiligt. Die Versicherer sind eigentlich dazu verpflichtet, jedes Mal, wenn sie die Beiträge erhöhen, ihre Kunden über diese Möglichkeit selbstständig zu informieren. Das klappt allerdings bisher eher mäßig.

Welche Möglichkeiten haben Versicherte, die radikaler sparen müssen, aber nicht mehr in die Gesetzliche wechseln können?

Wenn die Beiträge so stark gestiegen sind, dass man sie nicht mehr bezahlen kann, gibt es die Möglichkeit, beim eigenen Versicherer in einen sogenannten Basistarif zu wechseln. Dieser bietet gesetzlich vorgeschrieben das gleiche Leistungsniveau wie die gesetzliche Krankenversicherung. Wer beispielsweise zuvor 1200 oder 1500 Euro zahlen musste, kann so die Belastung auf 600 oder 700 Euro drücken. Wenn die Ärzte höhere Beiträge abrechnen wollen, bekommt der Kunde diese durch den Basistarif nicht erstattet. Es ist auch schon vorgekommen, dass Ärzte Versicherte mit Basistarif nicht behandeln. Wer mehr Leistung haben möchte, muss diese dann auch extra selbst bezahlen. Grundsätzlich gilt: Die private Krankenversicherung kann deutlich mehr leisten als die gesetzliche, aber das Mehr an Leistung kann nicht billiger sein.     

Was ist denn der Unterschied zwischen dem Basistarif und dem Standardtarif?

Der Basistarif ist eine Art Notfalllösung. Dorthin kann wechseln, wer mindestens 55 Jahre alt ist oder eine Rente bzw. Pension bezieht oder seine Beiträge nicht mehr zahlen kann und den Vertrag vor 2009 abgeschlossen hat. Wer seit 2009 abgeschlossen hat, kann jederzeit in den Basistarif wechseln. Die Leistungen entsprechen denen der gesetzlichen Krankenkasse, der Beitrag liegt in der Regel beim Höchstbeitrag für gesetzlich Versicherte, also deutlich über 600 Euro.  

Den Standardtarif gibt es schon länger für Kunden, die ihre Beiträge nicht mehr zahlen können. Für die Nutzung des Standardtarifs muss man aber mindestens zehn Jahre privat versichert sein. Außerdem muss man mindestens 55 Jahre alt sein und weniger als 54.900 Euro verdienen oder mindestens 65 Jahre alt sein oder jünger und eine Rente beziehen, die unter 54.900 Euro liegt. Die monatlichen Kosten dürfen höchstens beim Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenkasse liegen, sind aber oft deutlich niedriger, weil beim Standardtarif die Alterungsrückstellungen angerechnet werden. Bevor Sie sich für Basis- oder Standardtarif entscheiden, sollten Sie detailliert vergleichen.

Ist ein Wechsel zu einer anderen Versicherung möglich?

Ja, aber das ist in der Regel wenig sinnvoll. Erstens, weil man bei der PKV sogenannte Alterungsrückstellungen sammelt. Das bedeutet, dass Kundengruppen in der Jugend mehr zahlen müssen als für die anfallenden Krankheiten nötig. Die Kundengruppen bauen dafür eine Art Sparkonto auf, welches in späteren Jahren Beitragserhöhungen abpuffern soll. Wer den Versicherer wechselt, verliert gute Teile dieses Sparkontos - oder sogar die gesamten Rückstellungen. Deswegen ist der Wechsel des Versicherungsunternehmens meist keine vernünftige Alternative. Mit Ausnahme von jungen Beitragszahlern, die noch keine nennenswerte Altersrückstellungen aufgebaut haben.

Schwierig ist der Wechsel auch deshalb, weil für den neuen Versicherer eine neuerliche Gesundheitsprüfung notwendig ist. Letztere kann mit zunehmender "Mangelliste" im Alter bei Neuabschlüssen zu sehr hohen Beiträgen führen. Insofern stellt die langfristige Zugehörigkeit bei ein und derselben PKV nicht selten eine stärkere und sinnvollere Verbindung dar, als verheiratet zu sein.  

Wie oft kann man den Tarif wechseln?  

Im Prinzip kann oft gewechselt werden, es gibt dafür keine gesetzlichen Beschränkungen. Sinnvoll ist der Wechsel natürlich vor allem dann, wenn ohne Leistungseinbußen Beitrag gespart werden kann. Ansonsten ist das doch mit einigem Aufwand verbunden. Beitragserhöhungen sollten einen Anlass bieten, nach günstigeren Alternativen beim selben Anbieter zu suchen. Ab 2016 haben sich die meisten Versicherer dazu verpflichtet, den Wechsel innerhalb desselben Anbieters noch einfacher und transparenter zu machen.  

Wie findet man den günstigsten Tarif?

Das ist nicht ganz so einfach. Erst mal sollte man prüfen, ob man sich den Wechsel in die private Krankenversicherung überhaupt auf Dauer leisten kann. Vor allem sollten sich die Versicherten darüber im Klaren sein, welche Leistungen benötigt bzw. gewünscht sind und zu welchem Preis diese angeboten werden. Finanztip bietet dazu eine Checkliste. Ich würde aber empfehlen, einen Honorarberater zu konsultieren. Auch wenn dies kostenpflichtig ist, kann dieser doch besser absehen, wie sich beispielsweise Tarife entwickeln und welcher Versicherer welche Leistungen am günstigsten anbieten.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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