Ratgeber

Letzter Wille vor Gericht Testamente leben länger

Medizinische Operationen sind immer heikel. Daher errichtet manch einer vorher noch schnell sein Testament, falls er diese nicht überlebt oder dadurch geschäftsunfähig wird. Auch wenn der Eingriff gut überstanden wird, bleibt der letzte Wille bestehen.

Wird vor einer medizinischen Operation ein Testament verfasst, bleibt es auch nach einem geglückten Eingriff gültig. Foto: Kai Remmers

Wird vor einer medizinischen Operation ein Testament verfasst, bleibt es auch nach einem geglückten Eingriff gültig.

(Foto: dpa)

Viele Patienten regeln vor einer riskanten Operation noch kurzerhand ihren Nachlass. Doch ist ein solches Testament auch nach dem geglückten Eingriff noch gültig? Ja, befand das Oberlandgericht (OLG) Düsseldorf, wie die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mitteilt.

In dem verhandelten Fall (Az.: I-3 Wx 191/14) litt die Erblasserin an Leukämie. Sie musste sich einer Biopsie unterziehen. Diese verlangt eine örtliche Betäubung. Die Frau hatte Angst und errichtete kurz vor der Operation auf einem kleinen Zettel formwirksam ein Testament: "Dies ist mein Testament: Sollte heute bei diesem Eingriff etwas passieren und ich nicht mehr aufwachen, vermache ich mein ganzes Vermögen meinem Lebensgefährten. Dieses ist mein letzter Wille." Der Eingriff verlief dann glücklicherweise ohne Komplikationen. Die Erblasserin starb aber fünf Monate später. Der Lebensgefährte hielt sich für den Alleinerben. Die Schwester sowie die Neffen und Nichten der verstorbenen Frau sahen das anders.

Das OLG Düsseldorf gab dem Lebensgefährten Recht. Demnach seien Formulierungen wie "Sollte heute bei diesem Eingriff etwas passieren und ich nicht mehr aufwachen" seien auslegungsbedürftig. Es müsse entschieden werden, ob es sich um eine Bedingung für die Erbeinsetzung oder die bloße Angabe eines Motivs handelt. Anders formuliert: Es ist zu fragen, ob die Erblasserin ihren Lebensgefährten nur dann als ihren Erben einsetzen wollte, wenn bei diesem konkreten Eingriff etwas passiert oder generell. Von Ersterem könne ohne weitere Anhaltspunkte in diesem konkreten Fall nicht ausgegangen werden, urteilen die Richter, so dass hier der Lebensgefährte als Alleinerbe ist. 

Grundsätzlich muss ein Testament immer vom Erblasser mit der Hand selbst schreiben geschrieben worden sein. PC-Ausdrucke, Schreibmaschine oder Blindenschrift erkennen Gerichte nicht an. Der Wille muss außerdem eine Unterschrift tragen, Vor- und Nachname müssen lesbar sein. Sicherheitshalber stehen "Testament" oder "Mein letzter Wille" sowie Datum, Ort und die Seitenzahlen auf dem Papier.

Quelle: n-tv.de, awi/dpa

Mehr zum Thema