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Riskantes Ehrenamt Tödlicher Speerwurf ist kein Arbeitsunfall

Das Schiedsrichteramt ist nicht ungefährlich, und das liegt nicht nur an pöbelnden Fans. Ein Leichtathletik-Kampfrichter wird bei einem Speerwurf-Wettbewerb tödlich getroffen, seine Witwe fordert Geld von der gesetzlichen Unfallversicherung. Doch die will nicht zahlen.

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Unfälle mit Wurfgeräten kommen in der Leichtathletik immer wieder vor, enden aber nur selten tödlich.

(Foto: imago/All Canada Photos)

Nach dem tragischen Tod eines Speerwurf-Kampfrichters in Düsseldorf ist dessen Witwe mit einer Klage auf Geld aus der gesetzlichen Unfallversicherung gescheitert. Der Tod des 74-Jährigen bei einem Leichtathletikwettbewerb im August 2012 sei kein Arbeitsunfall gewesen, hat das Düsseldorfer Sozialgericht entschieden. Der Mann sei ehrenamtlich als Kampfrichter tätig gewesen und habe nicht in einem Beschäftigungsverhältnis gestanden. (Az. S 1 U 163/13)

Der Unfall auf dem Sportfest eines Turnvereins war denkbar unglücklich: Der Kampfrichter war noch während der Speer in der Luft war zu der Stelle gelaufen, an der er den Aufprall vermutete. Dabei wurde er von dem Wurfgeschoss an der Halsschlagader getroffen und starb einige Stunden später an seinen Verletzungen. Die Witwe verlangte daraufhin Geld aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Zwar sei ihr Mann bei dem Ausrichter nicht abhängig beschäftigt gewesen. Als Kampfrichter stehe er aber wie ein Arbeitnehmer unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Das sah das Sozialgericht nun anders. Der Verunglückte habe ehrenamtlich als Kampfrichter gearbeitet und lediglich eine geringe Aufwandsentschädigung erhalten. Somit sei er nicht wie ein Beschäftigter einzustufen. Dem Mann habe es freigestanden, an Wettkämpfen teilzunehmen oder eben nicht. Auch die besondere Gefährlichkeit der Tätigkeit begründe keinen Versicherungsschutz. Letztlich entspringe die ehrenamtliche Tätigkeit der Liebe zum Sport und ähnele als Freizeitbeschäftigung keineswegs einem Beschäftigungsverhältnis, so das Gericht.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Witwe kann also noch in Berufung gehen. In zahlreichen Ehrenämtern sind die Tätigen automatisch versichert. Das gilt zum Beispiel für Einsätze bei Rettungsunternehmen wie der freiwilligen Feuerwehr oder dem Roten Kreuz, für ehrenamtliche Aufgaben in Wohnfahrtsorganisationen oder  in öffentlich-rechtlichen Einrichtungen. So sind beispielsweise auch ehrenamtliche Betreuer, Stadtratsmitglieder oder Elternvertreter abgesichert. Auch kirchliches Engagement ist von der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt.

Wann ist das Ehrenamt versichert?

Grundsätzlich können auch Personen ohne Beschäftigungsverhältnis unfallversichert sein, wenn sie wie Arbeitnehmer tätig werden. Das gilt zum Beispiel für den Arbeitslosen, der seinem Nachbarn beim Baumfällen hilft oder für die Rentnerin, die für einen Tierschutzverein Hunde ausführt. In solchen Fällen wird aber oft erst vor Gericht geprüft, ob die Versicherung zuständig ist.         

Dort, wo ehrenamtliche Kräfte nicht automatisch versichert sind, können die jeweiligen Organisationen eine freiwillige Versicherung abschließen. So wird es beispielsweise in vielen Sportvereinen gehandhabt. Sie können Vorstände, Kassenwarte oder Sportwarte versichern. Auch Schiedsrichter können unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung stehen, wenn der Verein sie dafür anmeldet. Doch das war bei dem verunglückten Kampfrichter nicht der Fall.

Quelle: n-tv.de, ino

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