Ratgeber

Berufsunfähigkeitsversicherung Über die Hälfte der Tarife sind sehr gut

Niemand kann sagen, ob er bis zum Rentenbeginn gesund bleibt und durcharbeiten kann. Wer keine Versicherung hat, steht dann schon mit einem Bein in der Grundsicherung. Gute Tarife gibt es viele, allerdings sollte man möglichst früh abschließen.

Bis zur Rente so weiterarbeiten wie bisher – das klingt nicht für jeden verlockend. Viele Menschen sind dazu aber auch gar nicht in der Lage. Etwa jeder Vierte wird im Laufe seines Lebens berufsunfähig. Manche nur zeitweise, manche auf Dauer. Nur die wenigsten dürften in der Lage sein, das weggefallene Gehalt durch Ersparnisse auszugleichen. Und vom Staat können die ab 1961 Geborenen nicht viel erwarten. Wer im Ernstfall nicht in der Grundsicherung landen will, sollte sich möglichst frühzeitig nach einer Berufsunfähigkeitsversicherung umsehen. Die Stiftung Warentest hat über 70 Tarife verglichen, das Ergebnis ist erfreulich: 40 von 70 Versicherungen schnitten "sehr gut" ab.

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Burnout? Depressionen? Bis zu eineinhalb Jahre lang zahlt die Krankenversicherung Krankentagegeld, maximal 90 Prozent des Nettoentgelts.

(Foto: imago/Westend61)

Die Anbieter hätten in den letzten Jahren deutlich nachgebessert, um in den Tests zu bestehen, so das "Finanztest"-Magazin. Sowohl bei den Anträgen als auch bei den Versicherungsbedingungen habe sich in den letzten Jahren einiges getan. Mit "Top-", "Komfort-" oder "Premium"-Tarifen kann man demnach wenig falsch machen. Die  sparsamer ausgestatteten Basistarife, die parallel angeboten werden, wurden teils "befriedigend", teils aber auch noch "gut" bewertet. Dabei müssen die Preisunterschiede zwischen den Kategorien nicht einmal besonders hoch sein. Bei der Bayerischen etwa lag die Differenz zwischen dem "sehr guten" Komforttarif und dem "befriedigenden" Basistarif für die Musterkunden bei gut 50 Euro im Jahr.  

Klauseln haben sich gebessert

Schon in den letzten Jahren haben die Finanztester regelmäßig Berufsunfähigkeitsversicherungen unter die Lupe genommen. Im Vergleich zum vergangenen Test wurden die Kriterien dieses Mal noch ein wenig verschärft. So prüften sie beispielsweise diesmal auch den Schutz in Erziehungszeiten oder in Zeiten der Arbeitslosigkeit. Außerdem klopften die Tester die üblichen Bedingungen ab: Verzichtet der Versicherer auf die abstrakte Verweisung, also bekommt der Kunde die Rente auch, wenn er in einem anderen Beruf noch arbeiten könnte? Leistet der Versicherer auch rückwirkend, wenn sich nicht gleich feststellen lässt, ob die Berufsunfähigkeit von Dauer ist? Zahlt der Versicherer sofort, wenn der Arzt prognostiziert, dass der Kunde mindestens sechs Monate lang berufsunfähig bleibt? Wie sieht es mit der Nachversicherungsgarantie aus? Unter welchen Bedingungen kann man den Schutz ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen?

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Fitnesstrainer bekommen normalerweise überhaupt keinen Versicherungsschutz.

(Foto: imago/MITO)

Ob man überhaupt eine Versicherung bekommt und ob sie dann im Ernstfall auch zahlt, entscheidet der Versicherungsantrag. Fragen zu Krankenhausaufenthalten sollten sich nur auf die letzten zehn Jahre beziehen, sonstige Erkrankungen, Arztbesuche und Unfälle werden idealerweise nur für die letzten fünf Jahre abgefragt. Zu unbehandelten Krankheiten sollten sich die Kunden möglichst gar nicht äußern müssen. Positiv bewerteten es die Tester, wenn die Versicherer nicht danach fragten, ob der Kunde bei anderen Anbietern schon abgelehnt worden ist.

Mit der Familienfürsorge schnitt nur ein Anbieter sowohl bei den Vertragsbedingungen als auch bei der Antragsgestaltung "sehr gut" ab, viele schrammten aber auch nur knapp an der Spitzenbewertung vorbei. Das Hauptproblem für Versicherungswillige ist inzwischen nicht mehr der Mangel an brauchbaren Tarifen, sondern nach wie vor die Schwierigkeit, überhaupt aufgenommen zu werden. Keine Chance gibt es beispielsweise für Versicherungswillige mit Krankheiten wie Diabetes I oder Rheuma. Auch bei psychischen Krankheiten schrillen bei den Versicherern die Alarmglocken. Wer in den letzten fünf Jahren eine Psychotherapie durchlaufen hat, gilt als unversicherbar, berichten Branchenkenner gegenüber "Finanztest". Kein Wunder, Nervenleiden und psychische Erkrankungen sind inzwischen Berufsunfähigkeitsursache Nummer eins, deutlich vor Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparats.

Je jünger man anfängt, desto besser

Ein anderes Ausschlusskriterium ist der Beruf: Musik- und Sportlehrer, Ballettänzer oder Werttransportfahrer kommen zumindest bei keiner großen Versicherung unter. Auch in anderen Berufen, die als risikobehaftet gelten, ist es nach Erfahrung der Tester nahezu unmöglich, mit wenigen Anläufen einen bezahlbaren Vertrag zu bekommen. Jeder Versicherer wähle Kunden nach eigenen Kriterien aus, manchmal zahle sich Hartnäckigkeit aus, manchmal aber auch nicht, so "Finanztest".

Auf jeden Fall tun junge Menschen gut daran, die Versicherung so früh wie möglich abzuschließen. In jungen Jahren und ohne eine nennenswerte Krankengeschichte ist die Chance, einen guten und bezahlbaren Vertrag zu bekommen, am höchsten. Die Musterkundin, eine 25-jährige Arzthelferin, konnte sich schon für rund 430 Euro im Jahr sehr guten Schutz mit einer Monatsrente von 1000 Euro sichern. Diese Summe dürfte für viele Arbeitnehmer aber nicht ausreichen, wenn sie sich an ihrem bisherigen Lebensstandard orientieren. Für einen weiteren Beispielkunden, einen 30-jährigen Industriemechaniker, der auf 1500 Euro Rente kommen will, fanden die Tester einen Tarif für gut 800 Euro. Ein gleichaltriger Diplomkaufmann zahlt 30 Euro weniger, hat dafür aber im Ernstfall sogar 2000 Euro Rente zur Verfügung. Die Berufsgruppe gilt als risikoarm, deshalb ist Versicherungsschutz für sie deutlich preiswerter.

Wer zweifelt, ob er sich eine Berufsunfähigkeit überhaupt leisten kann, schließt am besten erst einmal einen Vertrag mit geringerer Rente ab, die man dann später ohne erneute Gesundheitsprüfung aufstocken kann. Vorsicht: Manche Versicherer haben für bestimmte Berufsgruppen Höchstrenten festgelegt. Sparen kann man auch, wenn der Vertrag nur bis zum 65. Lebensjahr läuft, nicht bis 67. Ein bisschen billiger wird die Versicherung außerdem, wenn man den Beitrag jährlich überweist, denn monatliche Raten kosten etwa 2,5 Prozent mehr.    

Quelle: ntv.de, ino

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