Ratgeber

Streit um Dienstwagen Unterstellte Privatnutzung abwehren

imago60695514h.jpg

Grundsätzlich muss, wer seinen Dienstwagen auch privat nutzen darf, dafür einen geldwerten Vorteil versteuern.

(Foto: imago stock&people)

Wenn das Finanzamt unterstellt, ein Firmenwagen werde auch privat genutzt, kann das widerlegt werden. Das gelingt umso leichter, je ähnlicher sich der Firmenwagen und das eigene Privatfahrzeug sind.

Wenn das Finanzamt annimmt, dass ein Firmenauto auch privat gefahren wird und es daher nachträglich Steuern verlangt, kann man sich dagegen wehren. "Dies ist beispielsweise möglich, wenn für Privatfahrten ein eigenes Fahrzeug uneingeschränkt zur Verfügung steht, dass in Status und Gebrauchswert dem Firmenwagen vergleichbar ist", erklärt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler mit Blick auf ein Urteil des Finanzgerichts Niedersachsen (Az.: 9 K 104/19).

In dem Fall stritten sich ein Unternehmen und das Finanzamt darüber, ob die private Nutzung eines Firmenwagens mit der sogenannten Ein-Prozent-Regelung anzusetzen ist. Der Unternehmer fuhr privat einen älteren Wagen. Im Unternehmen - einer Recyclingfirma - stand ihm ein neueres Fahrzeug zur Verfügung.

Privater Nutzungsvorteil zu versteuern?

Das Finanzamt vertrat die Auffassung, dass wegen der Neuwertigkeit, besserer Sicherheitsstandards sowie des flexiblen Sitzplatzkonzepts der neuere Wagen auch privat genutzt werde und dementsprechend der private Nutzungsvorteil versteuert werden müsse. Der Unternehmer bestritt die Privatnutzung und verwies auf seinen anderen Wagen.

Mehr zum Thema

Das Finanzgericht Niedersachsen gab dem Mann recht. Es stufte die Fahrzeuge - einen älteren Mercedes und einen neueren Fiat - als vergleichbar ein. Damit sei der sogenannte Anscheinsbeweis des Finanzamtes - der unterstellt, dass ein Unternehmer einen Firmenwagen auch privat nutze - widerlegt. Die Richter führten zugleich aus, dass unter dem Begriff "Gebrauchswert" der Wert einer Sache hinsichtlich ihrer Brauchbarkeit und ihrer Eignung für bestimmte Funktionen zu verstehen sei. In eben diesem Sinne seien beide Autos vergleichbar.

Grundsätzlich muss, wer seinen Dienstwagen auch privat nutzen darf, dafür einen geldwerten Vorteil versteuern. "Wird kein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch geführt, ist die Privatnutzung mit monatlich einem Prozent des Bruttolistenneupreises des Fahrzeugs zu versteuern", so Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Zusätzlich werden für die Fahrten zwischen der Wohnung und der ersten Tätigkeitsstätte 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises je Kilometer und pro Monat fällig. Wichtig zu beachten: Es werden immer ganze Monatswerte angesetzt.

Quelle: ntv.de, awi/dpa