Ratgeber

Beratungsfehler bei Bausparkassen Viele Kunden zahlen drauf

Bausparkassen werben derzeit mit Top-Zinsen. Doch die helfen Kunden wenig, wenn sie schlecht beraten werden. Am Ende zahlen sie ein paar Tausend Euro zu viel oder kommen später ins Eigenheim als geplant. Nur drei Bausparkassen bestehen im Praxistest.

Die Zeiten für Bauherren sind besser denn je, dank der Niedrigzinspolitik der EZB gibt es Baugeld so günstig wie nie. Nur: Was nützen die Topkonditionen, wenn man nicht heute bauen will, sondern erst in ein paar Jahren? Wenn man sich günstige Zinsen für die Zukunft sichern will, ist ein Bausparvertrag eine gute Sache. Das Problem: Viele Bausparkassen beraten so schlecht, dass Kunden am Ende tausende Euro zu viel zahlen oder ihr Bauvorhaben um einige Jahre verschieben müssen. Das ist zumindest das Fazit der Stiftung Warentest, die für das "Finanztest"-Magazin alle 20 deutschen Bausparkassen unter die Lupe genommen hat.

Das Ergebnis ist kein Ruhmesblatt für die Branche: Die meisten Kassen kamen bei dem Beratungstest nicht über ein "Befriedigend" oder "Ausreichend" hinaus, nur drei waren gut. Vier Anbieter fielen als "mangelhaft" durch. Die Testkunden ließen sich in jeweils sieben Terminen bei jeder Bausparkasse beraten. Die Fallkonstruktion war immer die gleiche: In 10 Jahren sollte eine Immobilie finanziert werden und bis dahin sei man in der Lage, pro Monat 400 Euro zu sparen, außerdem lägen 15.000 Euro auf dem Tagesgeldkonto. Keine besonders komplizierte Aufgabenstellung, trotzdem schlugen nur die wenigsten Berater eine passende und günstige Lösung vor. Und ein unpassender Vertrag wird teuer, im Modellfall lagen bis zu 13.000 Euro zwischen einer guten und einer schlechten Leistung.

Die folgenden Fehler beobachteten die Tester besonders häufig:

Die Bausparsumme war mitunter viel zu hoch. In jedem fünften Fall hätten die Kunden deshalb länger als zwölf Jahre auf die Zuteilung warten müssen, manche hätten auch nach 15 Jahren noch kein Geld gesehen. Einmal hätte der Sparer bis zum Jahr 2039 eingezahlt. Für die Bausparkasse wäre das ein lohnendes Geschäft, denn mit der Bausparsumme steigt auch die Abschlussgebühr.

Zum Teil ließen die Berater die Kunden auch "viel zu viel sparen", so "Finanztest"-Chefredakteur Heinz Landwehr. Der Vorteil, später einen günstigen Kredit zu bekommen, sei so dahin. Im krassesten Fall war die Sparsumme fast doppelt so hoch wie das spätere Darlehen. "So hat Bausparen keinen Sinn", findet Landwehr.

Manchmal waren auch die hohen Darlehensraten ein Problem. Für einen Top-Kreditzins von 1,44 Prozent hätte der Modellkunde über 1500 Euro im Monat zahlen müssen – unrealistisch beim vorgegebenen Einkommen von 2200 Euro.

Viele Berater ließen auch auch die mögliche Riester-Förderung unter den Tisch fallen und verschenkten so wertvolle Zulagen. Dabei wäre die Kombination aus "Wohn-Riester" und einem normalen Bausparvertrag im Modellfall durchaus sinnvoll gewesen. Die Landesbausparkassen zeigten sich dabei deutlich Riester-freundlicher als die privaten Institute.

Ein Ärgernis waren vielfach die mitgegebenen Unterlagen. Manche Berater hätte ihre Kunden "mit vollgekritzelten Schmierzetteln" nach Hause geschickt, kritisiert Landwehr. Doch selbst dort, wo die Bauspar-Software zum Einsatz kam, fehlten oft wichtige Informationen, etwa Spar- und Tilgungspläne. "Wer so berät, möchte offenbar keine Transparenz", sagt der "Finanztest"-Chef.

Bauchgefühl ist trügerisch

Drei Bausparkassen hoben sich von der Konkurrenz positiv ab. Bei der LBS Baden-Württemberg wurden die Tester sogar durchgehend gut beraten, auch Wüstenrot und die LBS Ost konnten überzeugen. Allein auf das Bauchgefühl sollten sich die Kunden aber nicht verlassen, warnt Landwehr: Viele Testkunden hätten sich gut beraten gefühlt und den angebotenen Vertrag gegebenenfalls auch sofort abgeschlossen. "Erst unsere Experten stellten fest, dass viele Angebote nichts taugten."

Quelle: ntv.de, ino