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Private Pflegepolicen Vielen Versicherten droht Beitragsexplosion

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Wer sich von Verwandten pflegen lässt, kann ihnen das Geld aus der Pflegeversicherung zukommen lassen.

(Foto: imago/Westend61)

Demenz, Altersgebrechen oder Unfälle - je älter die Menschen werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie irgendwann auf Pflege angewiesen sind. Private Vorsorge ist sinnvoll, aber leider auch teuer. Und beim Abschluss gibt es diverse Fallstricke.

Rund 2,6 Millionen Menschen waren in Deutschland im Jahr 2015 auf Pflege angewiesen. Manche nur für einige Wochen oder Monate, manche für den Rest ihres Lebens. Seit Anfang des Jahres bekommen viele von ihnen mehr Geld. Denn seitdem gilt das neue Pflegestärkungsgesetz, das Pflegebedürftigkeit neu definiert. An die Stelle der drei Pflegestufen sind nun fünf Pflegegrade gerückt, die neben körperlichen Defiziten auch psychische Einschränkungen berücksichtigen. Doch egal, wie hilfsbedürftig die Betroffenen sind: Allein mit dem Geld aus der gesetzlichen Pflegeversicherung kommen sie nicht über die Runden. Reichen Rente und Vermögen nicht aus, müssen die unterhaltspflichtigen Kinder oder das Sozialamt einspringen. Wer verhindern will, dass es so weit kommt, kann eine private Pflegeversicherung abschließen. Diese Policen haben allerdings ihre Tücken, wie das "Öko-Test"-Magazin kürzlich festgestellt hat.

Das Verbrauchermagazin hat sich 139 Pflegetagegeld-Tarife von 31 Anbietern angesehen. Die Versicherten können hier selbst entscheiden, was sie mit dem Geld machen,  das sie im Leistungsfall bekommen. In einem Fall war der Musterkunde 35 Jahre alt, im anderen sollte ein einjähriges Kind versichert werden. In jungen Jahren ist die Wahrscheinlichkeit, zum Pflegefall zu werden, zwar sehr gering. Trotzdem kann ein früher Abschluss sinnvoll sein, wenn die Eltern es sich leisten können. Zum einen, weil die Gesundheitsprüfung entfällt, zum anderen weil die Versicherung dann noch sehr günstig ist. Die beiden besten Tarife im Test von der DKV und der HUK-Coburg kosteten um die elf Euro.

Die meisten Tarife richteten sich an die ältere Zielgruppe – zu alt dürfen die Kunden aber auch nicht sein. Einige Angebote flogen aus dem Vergleich, weil die Versicherer die Altersgrenze unter 65 Jahren gezogen haben. Ein Auswahlkriterium war aber, dass auch ältere Menschen aufgenommen werden.  Manche Tarife mussten auch ausgeschlossen werden, weil sie kein Tagegeld in der gewünschten Höhe leisteten. 60 Euro am Tag sollten abgesichert werden.

Nur wenige Tarife sind gut

Insgesamt sei die Auswahl "mehr Flop als Top" gewesen, schreibt "Öko-Test". Bei den Tarifen für Erwachsene landeten gerade mal zwei  auf dem ersten Rang, nämlich die Angebote von DKV und Württembergischer. Der 35-jährige Musterkunde zahlte 29, bzw. 36 Euro. Der günstigste Tarif kam von Signal und kostete 17 Euro. Großes Manko: In den Pflegegraden eins bis drei gibt es nur Leistungen, wenn die Pflegebedürftigkeit aus einem Unfall resultiert. Bei jungen Leuten ist das nicht ganz unwahrscheinlich, bei Altersgebrechen hilft das allerdings wenig.  

Wer erst im Rentenalter aktiv wird, muss tief in die Tasche greifen. Die besten Angebote kamen ebenfalls von der DKV und lagen bei 122, bzw. 168 Euro. Es gibt auch Policen, die nur die Hälfte kosten. Die wurden bei "Öko-Test" aber schlechter bewertet. So müssen die Kunden beispielsweise teils jahrelang warten, bevor sie die Versicherung in Anspruch nehmen können. Oder die Versicherten müssen ihre Beiträge auch dann noch weiter zahlen, wenn sie tatsächlich zum Pflegefall werden sollten.

Heute billig, morgen teuer

Wichtigster Kritikpunkt: Preise, die heute besonders günstig sind, könnten in Zukunft durch die Decke gehen. Als "fast schon gefährlich" stuft "Öko-Test" einen Tarif ein, der keine Altersrückstellungen aufbaut. Mit einem Monatsbeitrag von von 3,60 Euro für einen 35-jährigen Musterkunden ist der zwar gnadenlos günstig. Mit 60 Jahren muss der Versicherte dann aber in einen anderen Tarif wechseln und nach heutigem Stand monatlich 139 Euro zahlen. Wie viel es genau, lässt sich jetzt noch gar nicht absehen, das hängt davon ab, wie die Versicherung mit dem Kundengeld wirtschaftet.

Ein großer Teil der Prämien wird am Kapitalmarkt angelegt, um Altersrückstellungen aufzubauen. Damit die Kunden wissen, was auf sie zukommt, kalkulieren die Anbieter ihre Tarife mit dem sogenannten Rechnungszins. Rechnet die Assekuranz zu optimistisch, könnten die Beiträge allerdings stark steigen, damit im Alter das gleiche Kapital zur Verfügung steht. Kunden sollten die Rechnungszinsen vergleichen können, findet "Öko-Test". Doch viele Versicherungen wollen sich nicht in die Karten gucken lassen, über 40 Prozent von ihnen haben die Angaben auch auf Nachfrage verweigert.

Pflege-Bahr kann zur Falle werden

Eine regelrechte Beitragsexplosion befürchtet das Magazin bei den staatlich geförderten Pflege-Bahr-Tarifen. Die sind schon jetzt relativ teuer, dafür können sich die Kunden ohne Gesundheitsprüfung versichern. Gesunde Versicherte können nach der vorgeschriebenen Wartezeit von fünf Jahren in ungeförderte Tarife umsteigen. Kranke haben diese Option nicht. Sie müssen damit rechnen, dass ihre Prämien nochmal in die Höhe schnellen, wenn die "guten Risiken" abwandern.

Und noch etwas spricht laut "Öko-Test" gegen den Pflege-Bahr: Die Versicherten bekommen für ihr Geld wenig Leistung. Selbst mit Pflegegrad fünf waren im Test nur zwischen 20 und 38 Euro Tagegeld drin. "Das reicht hinten und vorne nicht", so die Tester. Wer die gesetzliche Pflegelücke schließen will, sollte lieber frühzeitig einen regulären Tarif abschließen. Dann gibt es weniger Ärger mit der Gesundheitsprüfung und der Beitrag ist bezahlbar.  

Quelle: n-tv.de, ino

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