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Tenhagens Tipps Wann muss man für die Eltern zahlen?

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Eltern finanzieren ihren Nachwuchs oft 20 Jahre oder länger. Kinder sind meist eher kurzfristig gefragt.

(Foto: imago/Westend61)

Dass Eltern für ihre Kinder zahlen, ist normal. Jahrzehnte später kann sich das Verhältnis aber umkehren. Denn auch Kinder können unterhaltspflichtig werden, wenn die Eltern auf Hilfe angewiesen sind. Finanztip-Chefredakteur Tenhagen erklärt, womit der Nachwuchs rechnen muss.

n-tv.de: Was kann denn an Kosten auf einen zukommen?

Hermann-Josef Tenhagen: Meist geht es mit einer Betreuung für einige Stunden zu Hause los. Die Krankenversicherung prüft den Bedarf, der wird eingestuft, im Fachjargon zum Beispiel in Pflegestufe 1. Das kostet ein paar hundert Euro und ist oft noch mit der Rente machbar, zusätzlich gibt es ja noch Geld aus der gesetzlichen Pflegeversicherung. Finanziell kritisch wird es spätestens, wenn die notwendige Betreuung umfangreich wird, egal ob zu Hause oder bei der Unterbringung im Pflegeheim. Eine stationäre Pflege kostet im Schnitt 3000 Euro im Monat, wenn man in Pflegestufe drei quasi das volle Programm braucht. Und selbst in Pflegestufe eins kommt man im Heim auf mindestens 1800 Euro.  

Und wann sind die Kinder finanziell gefragt?

Wenn das, was an Rente und an elterlichem Vermögen da ist, aufgebraucht ist und wenn die Leistungen der gesetzlichen und gegebenenfalls der privaten Pflegeversicherung nicht ausreichen, dann sind die Kinder gefordert.

Die Gefahr, dass es soweit kommt, klingt nicht sehr hoch.

Tatsächlich ist es ja häufig nicht so, dass die Eltern völlig mittellos dastehen. Aber da gibt es natürlich solche  Geschichten, dass die Kinder das Elternhaus nicht verkaufen wollen. Oder dass sie es nicht mit einer Hypothek belastet wissen wollen. Gleichzeitig reicht das laufende Einkommen der Eltern für eine Pflege natürlich nicht. Da zahlt man dann vielleicht lieber. Wie hoch die Summen am Ende wirklich werden, weiß man nicht. Das hängt auch davon ab, wie lange die Pflegezeit wird. Intensive Pflege über Jahre ist nicht die Regel.      

Was kann man tun, um zu verhindern, dass man den Kindern irgendwann auf der Tasche liegt?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Da hat man mehrere Möglichkeiten. Die erste: Eine private Pflegetageversicherung. Es gibt ganz gute Verträge. Sie sind aber nicht ganz billig und das Problem ist, dass man dann auch ständig bezahlen muss. Wenn man etwa mit 55 eine Police abschließt, kostet die schnell 90 Euro im Monat. Und wenn man sich die Police irgendwann zwischendurch nicht mehr leisten kann, hat man all die Jahre umsonst gezahlt, denn der Schutz ist dann eben weg. Wer sein Einkommen nicht sicher absehen kann, setzt also besser auf die zweite Möglichkeit: Sparen. Also Geld zur Seite legen, beispielsweise in einen Fondssparplan oder in eine Versicherung. Und als drittes bleibt noch die eigene Immobilie, die man bei Bedarf versilbern kann.  

Gesetzt den Fall, dass tatsächlich kein Geld mehr übrig ist …

…dann zahlt erstmal das Sozialamt. Und das versucht dann, sich das Geld bei den Kindern oder eben bei den direkten Verwandten zurückzuholen. Das können dann auch die Enkel sein. Bei mehreren Geschwistern bleibt die Last am Ende an denen hängen, die mehr Geld haben. Die genaue Berechnung, wer was zahlen muss, ist ziemlich kompliziert. Es ist aber auf jeden Fall so, dass die Kindern nur bis zu einer bestimmten Grenze in Anspruch genommen werden können.

Entscheidend ist dabei das bereinigte Nettoeinkommen, also das Nettoeinkommen minus diverse Kosten. Welche das sind, haben wir bei Finanztip aufgeschrieben. Vom bereinigten Nettoeinkommen wird dann noch der Selbstbehalt abgezogen. Wie hoch der ist, legt die sogenannte Düsseldorfer Tabelle fest. Von der Summe, die dann herauskommt, müssen die Kinder die Hälfte zahlen.

Ein Beispiel: Ein Single hat einen Selbstbehalt von 1800 Euro und sein bereinigtes Nettoeinkommen beträgt 2400 Euro. Bleiben also 600 Euro Differenz. Und von denen muss er 300 Euro Unterhalt zahlen.

Spielt das Vermögen der Kinder auch eine Rolle?

Ja, das Sozialamt kann auch verlangen, dass die Angehörigen ihre Reserven anzapfen. Dabei gibt es aber auch ein Schonvermögen, etwa für die Altersvorsorge. Auch Rücklagen fürs Auto oder für Urlaub sind in gewisser Höhe drin. Und ganz wichtig: Kinder müssen nicht ihr Eigenheim verkaufen, um ihre Eltern zu finanzieren.

Müssen Kinder auch zahlen, wenn die Eltern sich von ihnen abgewendet haben?

Ja. Wenn die eigenen Eltern nicht gerade gewalttätig waren, muss man zahlen. Dass man sich mit 20 gestritten hat und seitdem nichts mehr miteinander zu tun hatte, ist kein Argument.  Dazu gab es letztes Jahr erst ein Urteil vom Bundesgerichtshof. Damals hatte der Vater 40 Jahre keinen Kontakt zu seinem Sohn und diesen im Testament auch bis auf den gesetzlichen Pflichtteil enterbt. Unterhalt musste der Sohn dann aber trotzdem zahlen.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabell Noé

Quelle: ntv.de, ino

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