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Steuererklärung für 2009 Wem eine Nachzahlung droht

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Wer Kurzarbeiter oder andere Lohnersatzleistungen erhalten hat, wird im ungünstigen Fall vom Finanzamt zur Kasse gebeten.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Steuererklärung ist für viele eine lästige Sache. Oft fehlt es am nötigen Durchblick und man ist umso erstaunter, wenn der Fiskus nach Abgabe der Steuererklärung sogar noch eine Nachzahlung verlangt. Für Unklarheit sorgen zudem Tatbestände, die außerhalb der gewöhnlichen Besteuerung im zurückliegenden Jahr aufgetreten sind.

Hierzu gehört beispielsweise das Kurzarbeitergeld. Die Bundesagentur für Arbeit hat den Betroffenen 60 Prozent der Nettoentgeltdifferenz gezahlt. Wenn ein Kind auf der Lohnsteuerkarte eingetragen ist, waren es 67 Prozent.

Manche Kurzarbeiter müssen sich nach Abgabe der Einkommenssteuererklärung auf eine Nachzahlung gefasst machen. Der Grund liegt im Steuersystem, genauer in den Bemessungsgrundlagen. Zwar ist das Kurzarbeitergeld an sich steuerfrei, für die Berechnung des Steuersatzes wird es aber auf das tatsächliche Arbeitseinkommen aufgeschlagen. Dadurch rutscht man möglicherweise in einen höheren Steuertarif. "Progressionsvorbehalt" heißt der Schlüsselbegriff.

Wie der Progressionsvorbehalt wirken kann, zeigt das folgende Beispiel: Ein kinderloser Single mit 30.000 Euro Jahresgehalt wird auf Kurzarbeit gesetzt, sein Bruttolohn sinkt dadurch auf 22.500 Euro. Zieht man diverse Freibeträge ab, sind noch etwa 19.200 Euro zu versteuern, zu einem Satz von rund 13,3 Prozent. Wird nun das Kurzarbeitergeld hinzugerechnet, steigt der Satz auf gut 14,7 Prozent. Damit ergibt sich eine Nachzahlung von etwa 230 Euro.

Persönliche Konstellation entscheidet über Wirkung

Die Progression trifft nicht alle gleichermaßen. Wer in den Lohnsteuerklassen I oder IV veranlagt ist und außer Kurzarbeitergeld kein Gehalt bekommen hat, der hat nichts zu befürchten. Anders sieht es aus, wenn der Arbeitslohn nur teilweise ausgefallen ist. Heftig kann es hier vor allem Doppelverdiener-Ehepaare erwischen, von denen ein Partner teilweise Kurzarbeitergeld bezogen hat. Gerade wenn der andere Partner über höhere Einkünfte verfügt, kann eine höhere Nachzahlung fällig werden.

Das Kurzarbeitergeld ist allerdings in der Steuererklärung nicht der einzige Tatbestand, der zwar steuerfrei ausgezahlt wird, durch den Progressionsvorbehalt aber letztlich doch zu einer höheren Steuerschuld führt. Hierunter fallen auch andere so genannte Lohnersatzleistungen wie zum Beispiel das Arbeitslosengeld, das Elterngeld oder das Krankengeld, das von der Krankenkasse gezahlt wird.

Wer eine Steuererklärung abgeben muss

Jetzt könnte man natürlich auf die Idee kommen, einfach keine Steuererklärung abzugeben, wenn man eine Nachzahlung befürchtet. Hier hat der Gesetzgeber allerdings einen Riegel vorgeschoben, denn in vielen Fällen ist die Abgabe nicht freiwillig. Eine Abgabepflicht besteht beispielsweise dann, wenn man Lohnersatzleistungen von mehr als 410 Euro ohne Steuerabzug im Jahr erhalten hat. Außerdem ist eine Steuererklärung für Arbeitnehmer verpflichtend wenn:
- ein Ehepartner berufstätig war und der andere nach der Steuerklasse V oder IV besteuert wurde,
- auf der Lohnsteuerkarte Freibeträge eingetragen waren,
- sowohl eine rentenversicherungspflichtige als auch eine rentenversicherungsfreie Beschäftigung ausgeübt wurde,
- außerordentliche Einkünfte wie eine Abfindung geflossen sind und der Arbeitgeber davon Lohnsteuer nach der Fünftelregelung einbehalten hat,
- sich Ehepartner haben scheiden lassen und einer im gleichen Jahr wieder geheiratet hat,
- von mehreren Arbeitgebern Lohn gezahlt wurde, der nicht pauschal versteuert wurde.

Ein Trugschluss in diesem Zusammenhang ist, dass nur wer ein Einkommen aus unselbständiger Arbeit erzielt hat, eine Einkommenssteuererklärung abgeben muss. Nicht-Arbeitnehmer sind zur Erklärung verpflichtet, wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte nach Abzug der Werbungskosten oder Betriebsausgaben, Sparerfreibetrag und Altersentlastungsbetrag den steuerliche Grundfreibetrag von 7834 Euro pro Person überschreitet. Dieser Grundfreibetrag steigt im kommenden Jahr auf 8004 Euro.

Wer eine Steuerklärung abgeben sollte

Es gibt natürlich auch viele Fälle, wo die Abgabe einer Steuererklärung sinnvoll ist, weil man mit einer Rückzahlung des Finanzamtes rechnen kann. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn:
- Ehegatten die Steuerklassenkombination IV/IV gewählt, aber unterschiedliche hohe Gehälter bezogen haben,
- der Grenzsteuersatz – also der Steuersatz für den am höchsten zu versteuernden Einkommensteil – über 30 Prozent beträgt und man Kinder hat, da dann der Steuerfreibetrag für die Kinder höher als das Kindergeld ausfällt,
- die Werbungskosten zum Beispiel aufgrund eines langen Fahrtweges zum Arbeitsplatz den Pauschalbetrag von 920 Euro übersteigen,
- die Sonderausgaben wie zum Beispiel Spenden oder Schulgeld den Pauschalbetrag von 36 Euro übersteigen,
- wenn außergewöhnliche Belastungen wie zum Beispiel Unterhaltsleistungen an bedürftige Angehörige gezahlt wurden.

Quelle: n-tv.de

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