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Beifahrer öffnet Autotür Wenn der Radler vom Sattel geholt wird

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Die Nötigung von anderen Verkehrsteilnehmern ist strafbar.

(Foto: picture alliance / dpa)

Zwischen Radfahrern und Autofahrern knallt es häufiger. Meist bleibt es bei verbalen Attacken. Hin und wieder werden die Konflikte aber auch anders ausgetragen. Zum Beispiel derart, dass die Autotür im Straßenkampf eingesetzt wird.

Kein Tag auf deutschen Straßen vergeht, an denen nicht gepöbelt, beleidigt und verflucht wird. Oftmals geraten Autofahrer und Radfahrer aneinander. Meist bleibt es bei den Verbalattacken. Doch mancher Verkehrsteilnehmer sucht auch eine andere Art der Auseinandersetzung.

So auch bei einem vor dem Oberlandesgericht (OLG) Hamm verhandelten Fall (Az.: 4 RVs 159/16). Hier mussten sich zwei Delinquenten wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Das war passiert: Die beiden Angeklagten befanden sich in ihrem stehenden Mercedes und wollten gerade anfahren, als ein schnell fahrender Radfahrer das Fahrzeug auf der rechten Seite überholte, um dann knapp vor diesem nach rechts abzubiegen. Der Fahrer, der ebenfalls rechts abbiegen wollte, musste bremsen, um nicht mit dem Radler zu kollidieren. 

Aufgrund der riskanten Fahrweise entschlossen sich die beiden Angeklagten, den Fahrradfahrer "vom Rad zu holen" und ihn für sein Verhalten zur Rede zu stellen. Deshalb beschleunigte der Fahrer, hupte, überholte den Fahrradfahrer und lenkte den Wagen schräg nach rechts, um dem Radfahrer den Weg abzuschneiden. Gleichzeitig öffnete der Beifahrer seine Tür.

Nach Auffassung des OLG nahmen beide Männer mit ihrer Handlung den Sturz des Radfahrers und die Gefahr einer erheblichen Verletzung billigend in Kauf. Denn mit dem Querstellen des Fahrzeugs und dem gleichzeitigen Öffnen der Beifahrertür war der Weg des Radfahrers versperrt. Dieser wurde so zu einer Notbremsung und einem Ausweichmanöver gezwungen. Dabei prallte er gegen die Rückseite eines am rechten Straßenrand geparkten Autos und stürzte vom Rad.

Zwar registrierten die beiden Männer den Sturz des Radlers, fuhren dann aber, ohne sich um den Verunglückten zu kümmern, davon. Dieser zog sich Prellungen an der Schulter und Schürfwunden am Knie zu. An seinem Rad entstand ein Sachschaden von rund 250 Euro.   

Ein derart rücksichtsloses und vorsätzliches Verhalten veranlasste das OLG dazu, beide Angeklagten wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und gefährlicher Körperverletzung zu einer Bewährungstrafe von acht Monaten zu verurteilen. Dabei machte das Gericht keinen Unterschied dabei, dass der Beifahrer das Fahrzeug nicht gelenkt hatte. Denn der Wagen wurde hier nicht mehr als Mittel der Fortbewegung, sondern zur Verletzung oder Nötigung eingesetzt. Was auch für das Öffnen der Beifahrertür gilt.   

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Quelle: ntv.de, awi