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Gekündigt wegen "zu dick" Wenn die Kilos purzeln, bleibt der Job

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Hartmut H. auf dem Flur des Landesarbeitsgerichts. Inzwischen hat er schon zwölf Kilo abgespeckt.

(Foto: dpa)

Hartmut H. ist zu schwer für die Leitern, auf die er steigen soll und zu dick für die Gräben, die er ausheben muss. Sagt zumindest die Gartenbaufirma, für die er arbeitet. H. sieht das anders und zieht gegen seine Kündigung vor Gericht.

Ein vor kurzem noch 200 Kilogramm schwerer Arbeiter hat vor dem Landesarbeitsgericht in Düsseldorf seine Kündigung wegen Fettleibigkeit abwenden können. Unternehmen und Arbeitnehmer vereinbarten einen Vergleich: Der Arbeiter muss sich bemühen, abzunehmen und die Firma regelmäßig über sein Gewicht informieren. Dafür darf er seinen Job behalten. Die 6000 Euro Schadenersatz, die er wegen Benachteiligung aufgrund einer Behinderung forderte, bekommt er aber nicht.  (Az.: 7 Sa 120/16)

Der Garten- und Kanalbaubetrieb hatte argumentiert, der Beschäftigte könne seine Arbeit wegen seiner Körperfülle nicht mehr vertragsgemäß leisten. Leitern seien nur bis 150 Kilo zugelassen, da könne er nicht mehr rauf. Am Pritschenwagen sei eine Fußraste unter dem Gewicht des Beschäftigten abgebrochen. Der Mann passe auch nicht mehr in die Gräben, die er ausheben müsse. Und wenn er doch drin sei, komme er allein nicht mehr heraus. Am Steuer des Firmenwagens sei er eine Gefahr, weil das Lenkrad an seinem Körper hängenbleibe.

Er könne nur noch als Handlanger eingesetzt werden. "Wenn er über ein frisch verlegte Straßenpflaster läuft, verschiebt sich das. Vor allem das Bücken ist bei ihm ein Problem." Seine Körperfülle betreffe auch die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers: "Darf ich ihn in seinem Zustand in praller Sonne zu harter körperlicher Arbeit einsetzen?" Es gebe auch gar keine passende Arbeits- und Schutzkleidung für ihn.

Ein Abnehmversuch ist gescheitert

Nach 30 Jahren im Betrieb hatte der Arbeitgeber dem 49-Jährigen deshalb gekündigt. Der 1,94 Meter große Arbeiter hielt dagegen, er könne die geforderten Arbeiten in dem Gartenbaubetrieb duchaus noch leisten. Er benötige lediglich - wie seine Kollegen - eine Leiter, um aus den Gräben herauszukommen.

Des Problems war sich der Mann aber durchaus bewusst, zuvor hatte er bereits versucht, in einem Adipositaszentrum Gewicht zu verlieren - allerdings ohne Erfolg. Ohne Operation komme man in seinem Fall nicht weiter, habe man ihm gesagt.

Die Richterin wies nun darauf hin, dass viel von der Prognose abhänge. Sei diese negativ, sei dem Unternehmen kaum zuzumuten, den Mann noch 18 Jahre bis zur Rente zu beschäftigen: "Eine dauerhafte Erkrankung ist letztlich ein Problem des Arbeitnehmers." Notfalls müsse ein Gutachter klären, ob er eingesetzt werden könne. Eine Magenverkleinerung wolle sie nicht vorschreiben. Inzwischen wiege sein Mandant nach sieben Wochen Kur nur noch 188 Kilogramm, erklärte sein Anwalt Martin Lauppe-Assmann. "Er hat den guten Willen abzunehmen."

Quelle: ntv.de, ino/dpa