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Tenhagens Tipps Wie sollte man sein Rad versichern?

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Bei speziellen Fahrradversicherungen ist meist genau geregelt, wie das Rad gesichert sein muss. Bei der Hausrat sind die Vorgaben nicht so streng.

(Foto: imago/JOKER)

Am Abend hatte man das Fahrrad noch auf dem Hof angeschlossen, am Morgen ist es weg. Zahlt die Hausratversicherung? Und sollte man beim nächsten Rad vielleicht besser gleich eine Vollkaskoversicherung abschließen? Finanztip-Chef Tenhagen hat die Antworten.

Am Abend hatte man das Fahrrad noch auf dem Hof angeschlossen, am Morgen ist es weg. Zahlt die Hausratversicherung? Und sollte man beim nächsten Rad vielleicht besser gleich eine Vollkaskoversicherung abschließen? Finanztip-Chef Tenhagen hat die Antworten. 

n-tv.de: Viele Diebstahlanzeigen gehen ja nur deshalb ein, weil der Bestohlene einen Nachweis für die Versicherung braucht. Meistens ist das die Hausratpolice, oder?

Hermann-Josef Tenhagen: Genau, in den meisten Fällen sind Räder über die Hausrat versichert. Die normale Hausratpolice reicht, wenn das Rad aus der Wohnung oder dem abgeschlossenen Keller gestohlen wird. Gegen Aufpreis kann man den Schutz auch auf die Straße erweitern. Dann ist das Rad auch geschützt, wenn man unterwegs ist oder wenn Diebe den Hinterhof abräumen. Im Schnitt kostet das bei einer Deckung von 1500 Euro etwa 50 Euro extra im Jahr.

Bei alten und nicht so leistungsstarken Tarifen gibt es oft eine Nachtzeitklausel. Die sagt: Zwischen 22 und 6 Uhr ist das Rad nur versichert, wenn es noch in Betrieb ist. Die Versicherung zahlt also zum Beispiel, wenn das Rad vor der Kneipe wegkommt, aber nicht, wenn es vor der Haustür gestohlen wird. Und wenn ich das Rad vor der Kneipe abstelle und dann mit dem Bus nach Hause fahre, zahlt sie eigentlich auch nicht.

Gibt es spezielle Sicherheitsanforderungen?

Das Rad muss normalerweise nicht nur abgeschlossen, sondern auch mit einem ordentlichen Schloss an einem festen Gegenstand angeschlossen sein. In "verkehrsüblicher Weise" gesichert, heißt das in den Versicherungs-AGB. Es reicht also nicht, ein fest verbautes Speichenschloss zu benutzen. Am besten, man hebt für den Ernstfall nicht nur die Rechnung für das Rad auf, sondern auch die für das Schloss.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Was zahlt die Versicherung denn, wenn das Rad wegkommt?

Die Hausratversicherung erstattet immer den Neuwert, und das ohne Selbstbeteiligung. Das ist auch bei Fahrrädern so. Lose verbundene Teile wie den Fahrradcomputer übernehmen die Versicherungen normalerweise nur, wenn sie zusammen mit dem Rad gestohlen werden.

Ist die Hausratversicherung auch für teure Räder geeignet?

Bedingt. Normalerweise sind Räder bis zu einem Prozent der Versicherungssumme abgedeckt. Ist also der gesamte Hausrat nicht so hoch versichert, dann sind es die Räder erstmal auch nicht. Bei 50.000 Euro insgesamt sind Fahrräder nur mit 500 Euro versichert und diese 500 Euro gelten für alle Räder des Haushalts. Schon mit einem etwas besseren Rad kann man die Grenze locker sprengen, Pedelecs zum Beispiel kosten ja oft 2000 Euro oder mehr. Die Lösung ist dann, die Deckung aufzubohren, meistens geht das bis zu fünf Prozent der Gesamtsumme. Bei Haushalten mit mehreren oder besonders teuren Rädern ist das schon sinnvoll.

Die Hausratpolice zahlt ja nur bei Diebstahl. Können richtige Fahrradversicherungen mehr?

Meist schon. Solche gesonderten Fahrradpolicen gibt es als Teil- und Vollkaskovariante. Die Teilkasko zahlt nur, wenn das Rad oder fest verbundene Teile gestohlen werden – anders als die Hausrat aber immer rund um die Uhr. Sättel oder Laufräder, die mit Schnellspannern befestigt sind, gelten normalerweise nicht als fest verbunden.

Was kann die Vollkasko?

Vollkasko heißt, die Versicherung zahlt nicht nur bei Diebstahl, sondern auch bei Vandalismus und bei Unfällen. Wenn also zum Beispiel jemand gegen das abgestellte Rad tritt und dabei das Vorderrad oder die teure Scheibenbremse verbiegt, ist das ein Versicherungsfall. Wenn das Rad bei einem Sturz beschädigt wird, auch. Manchmal ist dieser Vollkaskoschutz kaum teurer als die reine Diebstahlversicherung, man sollte diese Option also auf jeden Fall prüfen, wenn man denn eine Fahrradversicherung abschließen will.

Welche Anbieter empfehlen Sie denn?

Finanztip hat sich kürzlich alle Fahrradversicherer angeschaut, die man bei Google so findet. Der Markt ist ziemlich übersichtlich. Für den Vollkaskoschutz gibt es zwei Versicherer, die wir empfehlen können: Die Ammerländer und die Waldenburger Versicherung, beides Anbieter, die man so nicht unbedingt kennt. Die beiden haben unterschiedliche Preismodelle. Bei der Waldenburger sind die Kosten wie bei der Hausratversicherung vom Wohnort abhängig. Auf dem Land ist das oft günstiger, weil hier eben nicht so viel geklaut wird. Der Tarif der Ammerländer ist zwar im Durchschnitt teurer, kann in der Stadt aber die günstigere Variante sein. Auf jeden Fall ist er etwas leistungsstärker. In der Vollkasko wird das Rad fünf Jahre lang mit Neuwert ersetzt. Bei der Waldenburger sind es nur drei Jahre.

Was kostet der Schutz denn?

Wir haben die Konditionen für ein 1500-Euro-Rad verglichen. So als grobe Größenordnung kostet die Versicherung bei der Waldenburger im Schnitt rund 100 Euro im Jahr, bei der Ammerländer über 140.

Nicht gerade günstig, im Vergleich mit den 50 Euro Aufschlag auf die erweiterte Hausraterweiterung.

Stimmt, günstig ist das nicht und man sollte sich auch überlegen, ob man diesen Vollkasko-Schutz fürs Fahrrad wirklich braucht. Bei teuren Sporträdern oder Pedelecs kann der Schutz schon sinnvoll sein. Der mögliche Schaden ist hoch und wenn man den im Ernstfall nicht tragen könnte, ist eine Versicherung womöglich eine gute Idee. Wenn man mehrere nicht übermäßig teure Räder hat und der Diebstahlschutz reicht, belässt man es aber besser bei der Hausrat.

Hausratversicherungen im Vergleich

Quelle: n-tv.de

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