Ratgeber

Aktien, Anleihen, GoldWohin mit 25.000 Euro im Juni?

15.06.2026, 15:10 Uhr
imageEin Gastbeitrag von Markus Lorbach
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Extreme Bewertungen zeigen sich derzeit auch bei Weltraum-Aktien. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Seit Anfang April haussieren die Aktienmärkte. Diese Aufwärtsbewegung verläuft jedoch zu schnell und zu stark. Eine Korrektur nach unten wäre mehr als gesund.

Dax, Dow und Co. haben auf die durch den Iran-Krieg ausgelösten Unsicherheiten nur vergleichsweise kurz und verhalten reagiert. Die 40 deutschen Standardwerte verloren von Ende Februar bis Ende März in der Spitze 13 Prozent. Beim Dow Jones belief sich das Minus im selben Zeitraum sogar nur auf rund neun Prozent. Der amerikanische Technologieindex Nasdaq gab sogar noch einen Prozentpunkt weniger nach. Anschließend schalteten die Aktienkurse sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks wieder in den Rallyemodus.

Der Dax hat seine Verluste vom Frühjahr schon fast wieder vollständig aufgeholt. Der Dow ist seit seinem Tief Ende März sogar schon um 13 Prozent gestiegen und notiert inzwischen höher als vor Beginn des Konflikts im Nahen Osten. Den Vogel schießt jedoch der Nasdaq ab. Der Technologieindex ist seit Ende März um fast 30 Prozent durch die Decke gegangen und bewegt sich auf Rekordniveau. Daran lässt sich erkennen, dass die Aktienrallye insbesondere von den Techwerten getragen wird.

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Markus Lorbach ist seit 2019 bei der Qcoon-Invest in den Bereichen Vermögensberatung und -management tätig. Außerdem leitet er das Stiftungsmanagement. (Foto: Qcoon)

Die Anleger kaufen derzeit so ziemlich jeden Wert, der über Fantasie bei Künstlicher Intelligenz (KI) verfügt. Insbesondere Chipwerte sind heiß begehrt - nicht nur in den USA, sondern auch in Asien oder in Deutschland. Beispiel Samsung: Die Aktien des südkoreanischen Halbleiterproduzenten sind seit Ende März, umgerechnet in US-Dollar, um rund 75 Prozent gestiegen. Die deutsche Infineon hat in diesem Zeitraum ihren Wert sogar mehr als verdoppelt.

KI-Euphorie kaum zu stoppen

Mit den rasanten Kursanstiegen haben jedoch auch die Bewertungen stark zugenommen. Die Unternehmensanalysten erwarten bei Infineon im kommenden Jahr einen Gewinnanstieg von rund 70 Prozent. Im Jahr 2028 soll Infineon dann noch einmal 30 Prozent mehr verdienen. Selbst bei diesen Prognosen beläuft sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für das Jahr 2028 auf fast 30, was zwar in etwa dem historischen Durchschnitt entspricht, aber alles andere als preiswert ist.

Infineon mag in Deutschland ein Einzelfall sein. In den USA sind hohe Bewertungen dagegen mittlerweile fast schon die Regel - vor allem im Technologiebereich. So hat der S&P 500, der die 500 größten an der Wall Street notierten Aktiengesellschaften umfasst, für dieses Jahr ein KGV von 28 erreicht. Auf Basis der Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate liegt das KGV immer noch bei 22 und damit am oberen Ende der historischen Bewertungen.

Extreme Bewertungen zeigen sich derzeit auch bei Weltraum-Aktien. Hier schreiben viele Unternehmen noch rote Zahlen. Dennoch sind Kurs-Umsatz-Verhältnisse - nicht zu verwechseln mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen - von 25 und mehr keine Seltenheit. Das erinnert stark an die Zeiten des Neuen Markts.

SpaceX, die Weltraumfirma von Elon Musk, dem reichsten Menschen der Welt und dem starken Mann hinter Tesla, hat bei seinem Börsengang 75 Milliarden Dollar erlöst. Damit erreichte SpaceX beim IPO einen Unternehmenswert von 1,77 Billionen Dollar. Dabei erzielte das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Umsatz von lediglich 18,7 Milliarden Dollar und schrieb einen Verlust von 5 Milliarden Dollar. Angesichts dieser Zahlen ist die Bewertung von SpaceX als mindestens ambitioniert zu bezeichnen. Sie lässt sich nur durch extremes Wachstum rechtfertigen. Hier ist schon viel Fantasie enthalten.

Hoher Kapitalbedarf

Im Herbst sind mit Anthropic und OpenAI zwei weitere gigantische Börsengänge zu erwarten. Hinzu kommen umfangreiche Kapitalerhöhungen bereits gelisteter Unternehmen. Allein Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, möchte fast 85 Milliarden Dollar für den Ausbau seiner KI-Rechenzentren einsammeln. Bei der Facebook-Mutter Meta sind mehrere Dutzend Milliarden Dollar im Gespräch. Insgesamt werden den Finanzmärkten durch die anstehenden Börsengänge und Kapitalerhöhungen rund 500 Milliarden Dollar entzogen. Das kann zu Umschichtungen im Techbereich führen, was wiederum deutliche Kursbewegungen auslösen kann.

Aufgrund der Bewertungen sowie des Iran-Konflikts, durch den die Energiepreise gestiegen sind, kann es zu einer steigenden Inflation kommen. Dies hat sich in den vergangenen Wochen bereits abgezeichnet. Dadurch könnten sich die großen Notenbanken wie die amerikanische Fed oder die EZB zu Erhöhungen ihrer Leitzinsen gezwungen sehen. Die EZB hat damit bereits begonnen. Dies würde sich besonders stark auf Techwerte auswirken, da sie einen großen Teil ihrer Gewinne erst in der Zukunft erzielen dürften. Durch höhere Zinsen sind künftige Gewinne in der Gegenwart weniger wert. All dies könnte sich im Sommer zu einer spürbaren Korrektur zusammenbrauen.

Die 25.000-Euro-Frage

Anleger mit moderatem Risikoappetit könnten sich in den kommenden Monaten etwas defensiver positionieren. Im Rahmen einer solchen Strategie könnte eine Aktienquote von circa 40 Prozent angemessen erscheinen. Neben amerikanischen und europäischen Titeln könnten Aktien aus der Schweiz einen Teil davon ausmachen. Das Land ist mit nur etwa 18 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) verschuldet und damit deutlich weniger als die Eurozone und die USA, die mit 100 beziehungsweise 120 Prozent des BIP in der Kreide stehen.

Zu dieser defensiven Positionierung könnte auch ein Investment in Gold in der Größenordnung von zehn Prozent passen. Das Edelmetall ist zuletzt um circa 20 Prozent gefallen und hat damit die zwischenzeitlich erzielten Gewinne von 2026 wieder aufgezehrt. Das Problem der (zu) hohen Staatsschulden hat sich jedoch nicht geändert. Gold gilt traditionell als Schutz gegen Verwerfungen an den Finanzmärkten. Wenn Anleger dann noch rund 25 Prozent ihres Geldes in kurz- bis mittelfristige Zinspapiere aus dem Euroraum mit hoher Bonität investieren würden, stünden noch 25 Prozent in bar zur Verfügung, um im Falle einer Korrektur über die nötige Liquidität für Investitionen zu verfügen.

Abschließend sei angemerkt, dass hier keine Anlageberatung erfolgt.

Markus Lorbach ist seit 2019 bei der Qcoon-Invest in den Bereichen Vermögensberatung und -management tätig. Außerdem leitet er das Stiftungsmanagement. Zuvor arbeitete der Bankbetriebswirt bei verschiedenen Sparkassen.

Quelle: ntv.de

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