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Was jeder wissen sollte Zehn Fragen rund ums Testament

Millionen für die Katz? Nicht in Deutschland, Haustiere können hierzulande nämlich nicht beerbt werden. Die Schwestern im Pflegeheim übrigens auch nicht. Was ist sonst noch zu beachten, wenn man sein Testament macht?

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Es schadet nicht, schon früh ein Testament aufzusetzen. Später lässt sich das Dokument immer noch ändern.

(Foto: imago stock&people)

Am besten man macht sein Testament rechtzeitig und in Ruhe. Aber was, wenn es dafür zu spät ist? Kann man seinen letzten Willen auch auf dem Sterbebett diktieren? Wen darf man überhaupt beerben und wen nicht? Und wo sollte man das Testament am besten aufbewahren? Zehn Fragen und die Antworten.

1. Muss man sein Testament mit einem Notar machen?

Nein, nicht unbedingt. Die einfachste und damit auch beliebteste Variante ist das sogenannte privatschriftliche Testament. Dazu braucht man nicht mehr als ein Blatt Papier und einen Stift. Wichtig ist, dass wirklich das komplette Testament per Hand geschrieben wird. Es reicht nicht, einfach einen Ausdruck oder eine Schreibmaschinenseite zu unterschreiben, sonst ist das Dokument ungültig. Der Sinn dahinter: Im Zweifel soll sich die Echtheit des Testaments später noch durch eine Handschriftenanalyse überprüfen lassen.

Ort und Datum gehören in das Testament, außerdem eine Unterschrift. Wenn Eheleute oder eingetragene Lebenspartner gemeinsam testieren, müssen natürlich beide unterschreiben. Paare, die in wilder Ehe leben, können kein Gemeinschaftstestament machen.

2. Kann man ein Testament auch mündlich abgeben?

Normalerweise nicht. Es gibt aber eine Ausnahme: Das Nottestament. Wie der Name schon sagt, ist es nur im absoluten Notfall zulässig, also dann, wenn der Erblasser sehr wahrscheinlich stirbt und sein Testament nicht mehr handschriftlich oder beim Notar abgeben kann. Wichtig ist, dass immer drei Zeugen anwesend sind, die den letzten Willen abnehmen und bestätigen. Außerdem gilt das Nottestament nur für drei Monate. Wer dann noch lebt, muss ein neues Testament machen.

Die älteste Form ist das Nottestament auf See, das schon im Jahr 1900 gesetzlich geregelt wurde. Voraussetzung ist, dass das Schiff unter deutscher Flagge außerhalb eines deutschen Hafens unterwegs ist. Zu Lande kann man sein Nottestament auch mündlich machen, wenn der Bürgermeister und zwei weitere unabhängige Zeugen anwesend sind. Die Niederschrift des Testaments müssen dann alle Beteiligten unterschreiben. Wenn weder der Bürgermeister noch ein Notar aufzutreiben sind, kommt auch ein Testament vor drei Zeugen in Frage. Das aber wirklich nur als Ultima Ratio, wenn sonst gar nichts anderes möglich ist.

3. Wo muss das Testament aufbewahrt werden?

Ein wohldurchdachtes Testament ist für die Katz, wenn es am Ende nicht gefunden wird. Es gibt keine gesetzlichen Vorschriften darüber, wie und wo ein Testament verwahrt werden muss, aber natürlich ist es von Vorteil, es so zu hinterlegen, dass die Hinterbliebenen nicht lange suchen müssen. Ein guter Platz wäre beispielsweise beim Familienstammbuch oder anderen persönlichen Unterlagen. Wer befürchtet, dass Verwandte den letzten Willen heimlich verschwinden lassen, weil er ihnen nicht gefällt, kann das Dokument auch beim Amtsgericht hinterlegen. Ein notarielles Testament landet ohnehin beim Amtsgericht.

Ein Vorteil der öffentlichen Aufbewahrung ist die Aufnahme ins Zentrale Testamentsregister. So stellt man sicher, dass der letzte Wille nicht verloren geht, denn immer, wenn jemand stirbt, wird automatisch überprüft, ob ein Testament vorhanden ist.

4. Muss man ein altes Testament vernichten, wenn man ein neues macht?

Manch einer macht sein Testament erst auf dem Sterbebett, andere wollen die Erbschaftsfragen so früh wie möglich geklärt wissen. In letzterem Fall ist es nicht unwahrscheinlich, dass der letzte Wille nicht endgültig ist. Wenn sich Paare scheiden lassen, oder Kinder schon zu Lebzeiten bedacht werden, möchte man das Testament vielleicht noch einmal überarbeiten oder ein neues Dokument aufsetzen. Ein handschriftliches Testament kann man gegebenenfalls ergänzen – bei Ehegattenverfügungen müssen beide Parteien zustimmen. Alternativ kann man auch das ganze Dokument neu aufsetzen. Das neuere Testament hat dann automatisch Vorrang. Um Verwirrung zu vermeiden, kann man das ältere Schriftstück auch vernichten.

Ein notarielles Testament hat ohnehin nur so lange Bestand, wie es beim Amtsgericht hinterlegt ist. Wird es zurückgefordert, gilt das als Widerruf.

5. Wer darf kein Testament machen?

Auch Minderjährige können ein Testament machen, wenn sie mindestens 16 Jahre alt sind. Die Zustimmung ihrer Eltern brauchen sie dafür nicht.

Ansonsten gilt laut BGB, dass man in der Lage sein muss, die Bedeutung der Willenserklärung "einzusehen und nach dieser Einsicht zu handeln". Wer das wegen einer "krankhaften Störung der Geistestätigkeit, wegen Geistesschwäche oder wegen Bewusstseinsstörung" nicht kann, darf kein Testament errichten. Konkret kann das Menschen mit mittelschwerer Demenz betreffen, aber auch Patienten mit Psychosen, Manien oder unzureichender Intelligenz. Eine entsprechende Diagnose bedeutet aber nicht, dass derjenige automatisch testierunfähig ist. Hier kommt es auf den Einzelfall an.

Wer nicht testierfähig ist, kann übrigens auch keine andere Person beauftragen, das Testament zu machen.

6. Kann man Tiere als Erben einsetzen?

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Wer sein Testament nicht mit dem Notar macht, muss es komplett von Hand schreiben.

(Foto: imago stock&people)

Tiere mögen treue Begleiter sein, die ihre Besitzer nie enttäuschen. Doch obwohl sie rechtlich nicht mehr als Sachen gelten, können sie ebenso wenig als Erben eingesetzt werden wie Autos oder Marmorstatuen. In Deutschland können nämlich nur natürliche oder juristische Personen erben. Wer sein Haustier über den eigenen Tod hinaus absichern will, kann einem menschlichen Erben zur Auflage machen, sich um das Tier zu kümmern. Alternativ kann man auch ein Tierheim oder eine Tierschutzorganisation als Erbe einsetzen oder mit einem Vermächtnis bedenken, wenn das Tier dort betreut werden soll.

7. Wem darf man sein Geld nicht vererben?

Die Pflegekräfte im Senioren- oder Pflegeheim mögen sich noch so liebevoll um die Bewohner kümmern – monetär können sie sich davon nichts versprechen. Denn die Heimgesetze der Länder verbieten es den Mitarbeitern, neben ihrem Gehalt noch Geld anzunehmen. Ein Blumenstrauß oder eine Schachtel Pralinen sind in Ordnung, doch als Erben kommen die Heimangestellten oder auch die Heimträger nicht in Frage. Anders sieht es bei ambulanten Pflegediensten aus. Deren Mitarbeiter können durchaus als Erben eingesetzt werden, gegebenenfalls muss man dazu aber die Genehmigung des Arbeitgebers einholen.

8. Kann man Nachkommen komplett enterben?

Selbst wenn man sein ganzes Geld lieber dem örtlichen Tierheim vermacht als dem undankbaren Nachwuchs – ganz ausschließen kann man die nächsten Verwandten normalerweise nicht. Geschwister können außen vor bleiben, doch Kinder und Ehegatten haben das Recht auf einen Pflichtteil. Dieser Pflichtteil entspricht der Hälfte des gesetzlich vorgesehenen Erbteils.

Nur in besonders schweren Fällen kann man einen Pflichtteilsberechtigten komplett enterben. Das ist bei schweren Vergehen oder Verbrechen möglich, die sich gegen den Erblasser oder nahestehende Personen richten. Raub, sexuelle Nötigung oder Mordversuche wären beispielsweise solche Fälle. Wer dagegen "nur" die elterliche Geldbörse leerräumt oder die Eltern ins ungeliebte Pflegeheim abschiebt, kann dafür noch nicht enterbt werden. Und auch wenn man befürchtet, dass der Nachwuchs das Geld verjubelt, darf er deshalb nicht komplett leer ausgehen.

9. Können geschiedene Partner noch an das Erbe kommen?

Nach einer Scheidung wird das gemeinsame Testament der Ehegatten normalerweise unwirksam. Sofern nichts anderes vereinbart wird, erbt der Ex-Partner nichts. Über Umwege kann der oder die Verflossene aber doch noch zum Erben werden – nämlich über ein gemeinsames Kind. Wenn der Erblasser das Zeitliche segnet, bekommt das Kind zumindest den Pflichtteil. Stirbt das Kind dann aber früher als der Ex-Partner, fällt diesem das Erbe zu.

10. Was passiert, wenn der eingesetzte Erbe stirbt, bevor das Testament eröffnet wird?

Ein vor Jahren angefertigtes Testament ist nicht unbedingt auf dem neuesten Stand. Womöglich ist einer der Begünstigten schon tot, bevor er erben kann. Dann steht der Nachlass den Kindern des Erben zu, wenn er denn welche hat.

Quelle: n-tv.de

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