Formel1

Supertaifun bedroht Formel-1-GP "Der Suzuka-Termin ist schlecht gewählt"

Vor der japanischen Küste dreht Supertaifun "Hagibis" seine Runden und versetzt auch die Formel 1 in Alarmbereitschaft. Zwei Tage vor dem Großen Preis von Japan sagen die Rennverantwortlichen gar alle Samstagaktivitäten in Suzuka ab und verlegen das Qualifying auf den Sonntag - wenige Stunden vor dem Rennen (Qualifying ab 2.45 Uhr, Rennen ab 7.10 Uhr bei RTL und im Liveticker bei n-tv.de) und bereits zum dritten Mal binnen 15 Jahren. n-tv Meteorologe Björn Alexander schätzt die aktuelle Wetterlage am Austragungsort des 17. Saisonrennens ein und erklärt, warum der Termin für den Grand Prix ungünstig ist.

n-tv.de: Haben die Verantwortlichen der Formel 1 mit der Verlegung des Qualifyings die richtige Entscheidung getroffen?

Björn Alexander: Auf jeden Fall. "Hagibis" ist ein Supertaifun, der auch schädlich für die Infrastruktur sein kann. An ein Rennen ist angesichts des sintflutartigen Regens sowieso nicht zu denken. Und auch für die Zuschauer würde aufgrund der Orkanböen akute Lebensgefahr bestehen.

Was genau macht einen Supertaifun so gefährlich?

Björn Alexander

n-tv Meteorologe Björn Alexander

Das ist ein Sturm, der mittlere Windgeschwindigkeiten von über 240 Kilometer in der Stunde erreicht. In den vergangenen Tagen lagen die Windgeschwindigkeiten von "Hagibis" sogar bei rund 260 Kilometern pro Stunde mit Böen über Tempo 300. Momentan herrschen vor der japanischen Küste immer noch mittlere Winde um 200 Kilometer pro Stunde mit stärkeren Böen bis 250 Sachen. Inzwischen hat sich der Taifun etwas abgeschwächt. Allerdings schiebt er enorme Wassermassen vor sich her. An den Küsten droht eine Sturmflut mit meterhohen Wellen, die von sintflutartigem Regen begleitet werden. Verbreitet um die 100 bis 300 Liter pro Quadratmeter, in den Staulagen der Gebirge sicherlich auch bis 500 Liter mit der Gefahr von Erdrutschen und Überschwemmungen.

Nun sollen sowohl das Qualifying als auch das Rennen selbst am Sonntag stattfinden. Ist das realistisch?

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Über der Rennstrecke von Suzuka ziehen dunkle Wolken auf.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Die Chancen steigen definitiv an. Der Sturm- und Regentag ist der Samstag. Anschließend beruhigt sich die Wetterlage. Allerdings dürften die Winde in ihren Spitzen weiter hohe Geschwindigkeiten von 150 bis 200 Kilometer pro Stunde erreichen. Zudem müssen die Rennverantwortlichen abwarten, welche Schäden "Hagibis" bis dahin bringt. Tendenziell wird sich der Sturm bei seinem Landfall aber weiter abschwächen.

Auch 2004 und 2010 ist das Qualifying in Suzuka wegen Unwettern verschoben worden. Ist Japan ungeeignet für Formel-1-Rennen?

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Grundsätzlich ist das Problem, dass der Pazifik eine sehr Tropensturm-aktive Region ist. Allerdings liegt das Aktivitätsmaximum - ähnlich wie bei der atlantischen Hurrikan-Saison - zwischen Juni und November. Besonders betroffen sind hierbei oft der August und der September. Aber auch der Oktober fällt immer wieder in den Bereich einer aktiven Sturmphase. Insofern könnte der Termin kaum ungünstiger gewählt sein.

Sollten die Terminplaner der Formel 1 also mit Blick auf den Japan-Grand-Prix umdenken?

Wenn man es rein auf die potenzielle Gefahr durch Tropenstürme betrachtet, dann wäre das sicherlich ein guter Gedanke.

Die nächste Station der Formel 1 ist das Rennen in Mexiko am 27. Oktober - also mitten in der Hurrikan-Saison. Droht das nächste Chaos-Wochenende?

Grundsätzlich gesehen ist die meteorologische Gemengelage natürlich ebenfalls ungünstig, da die Hurrikan-Saison auch im Oktober noch einige Stürme bringen kann. Jedoch ist auch die Lage der Rennstrecke mit entscheidend. Und da ist Suzuka sicherlich noch ungünstiger gelegen als Mexiko-Stadt.

Mit Björn Alexander sprach Christoph Rieke

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Quelle: n-tv.de

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