Fußball

Wer will mit Köln aufsteigen? Das große Muffensausen in der 2. Liga

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In Hamburg steigt der Druck auf Trainer Hannes Wolf (l.). Der Aufstieg ist in der Hansestadt fest eingeplant.

(Foto: imago images / DeFodi)

Sechs Spieltage vor Saisonende geht es im Aufstiegsrennen der 2. Fußball-Bundesliga wirr zu. Die meisten Teams scheinen das Siegen verlernt zu haben. Das strammste Restprogramm hat ein Klub, der den Aufstieg eigentlich fest eingeplant hat.

In Hamburg liegen die Nerven blank. Erst kassiert der Hamburger SV am Montag in letzter Sekunde eine bittere Heimpleite, zwei Tage später feuert Stadtrivale FC St. Pauli seine sportliche Führung. Und das sechs Spieltage vor Saisonende in der 2. Fußball-Bundesliga. Insbesondere in der zweitgrößten Stadt der Republik ist die Angst groß, auch in der kommenden Saison nur zweitklassig zu sein. Doch auch die Konkurrenz leistet sich jüngst Patzer in Serie. Der Aufstiegskampf hat seine brutale Phase erreicht.

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In Hamburg jubelten zuletzt vor allem die anderen - hier der 1.FC Magdeburg beim HSV.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Auf den ersten Blick entspricht die Zweitligatabelle den allgemeinen Erwartungen, die direkten Aufstiegsplätze eins und zwei belegen der 1. FC Köln und der HSV mit 58 sowie 51 Punkten. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich jedoch der Ernst der Lage: Hinter dem Spitzen-Duo mischen noch sechs Teams im Aufstiegsrennen mit, selbst die momentan siebt- und achtplatzierten 1. FC Heidenheim und SSV Jahn Regensburg können rechnerisch noch den Relegationsplatz erklimmen.

Besonders heikel ist die Situation für den HSV. Der Herbstmeister hat die Rückkehr in die Bundesliga fest eingeplant. Mit 51 Punkten liegt er aber nur drei Zähler vor dem 1. FC Union Berlin, der auf dem Relegationsplatz lauert. Und: Am Montag (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) muss das Team von Trainer Hannes Wolf zum Spitzenreiter nach Köln, Ende April dann noch zu Union und am vorletzten Spieltag zum aktuell viertplatzierten SC Paderborn (siehe Grafik unten). Zudem stehen Heimspiele gegen Aue, Ingolstadt und Duisburg an. Wie schwer solche Duelle gegen abstiegsbedrohte Klubs sind, hat der HSV jüngst gegen den 1. FC Magdeburg erfahren.

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"Müssen den Arsch hochkriegen"

"Wir müssen den Arsch hochkriegen, arbeiten und jetzt in der Schlussphase die Punkte holen", forderte Mittelfeldspieler Lewis Holtby nach der 1:2-Niederlage gegen Magdeburg, die er als "ekelhaft" bezeichnete. Doch wie soll man besagtes Hinterteil erheben, wenn einem die Muffe geht? In bisher elf Rückrundenspielen holten die Hamburger nur 14 Punkte. Die Aufstiegsmission ist ernsthaft gefährdet. Die Situation könnte sich sogar noch vor dem Topspiel gegen Köln zuspitzen: Wenn der 1. FC Union sein heutiges Heimspiel gegen Regensburg (ab 18.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gewinnt, rutscht der HSV auf Platz drei.

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Union-Trainer Fischer kann die Entlassung seines Kollegen Kauczinski auf St. Pauli nicht so recht nachvollziehen.

(Foto: www.imago-images.de)

Allein, auch der Verein aus der Hauptstadt ist jüngst gestrauchelt und hat aus den jüngsten drei Partien nur drei Punkte geholt. Fast scheint es, als hätte Union das Siegen verlernt. Trainer Urs Fischer gibt sich kämpferisch: "Wir wollen nicht um Platz fünf oder sechs spielen", sagte er vor dem Duell mit dem Jahn - immerhin das drittstärkste Auswärtsteam der Liga. "Wir haben höhere Ziele und zu Platz zwei sind es jetzt nur noch drei Punkte Differenz, das ist machbar."

"Merkwürdige" Aktion in St. Pauli

Gut möglich, dass diese schweizerisch-gelassenen Worte beim Team aus Köpenick im Aufstiegsrennen mehr fruchten als es das Stühlerücken beim FC St. Pauli tut. "Ich finde es schon merkwürdig", kommentierte Fischer die Entlassung seines Trainerkollegen Markus Kauczinski. Dieser hinterlässt den Hamburger Kiezklub mit 44 Punkten auf Platz sechs. Der neue Trainer Jos Luhukay ist zuversichtlich und weiß zu berichten: "Wenn man die Tabelle anschaut, ist noch alles möglich. Ich glaube, dass man träumen kann. Platz drei ist nicht weit entfernt", sagte er. "Nicht weit" bedeutet konkret vier Punkte. Nach den jüngsten fahrigen Leistungen sind rund um den Kiez allerdings nur wenige so optimistisch wie Luhukay. Der gibt seinen Millerntor-Einstand gegen den DSC Arminia Bielefeld, der unter Uwe Neuhaus zum drittbesten Team der Rückrunde avanciert ist.

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David Kinsombi spielt nächste Saison beim HSV - vorher mischt er noch mit Holstein Kiel im Rennen um den Aufstieg mit.

(Foto: imago images / Michael Schwarz)

Die großen Unbekannten im Aufstiegsrennen bleiben der SC Paderborn auf Platz vier mit 45 Zählern und das punktgleiche Holstein Kiel. Mit Ach und Krach haben die Paderborner am vergangenen Spieltag in Sandhausen einen Punkt gerettet und eine gute Ausgangslage gewahrt - dabei hätte das Team von Trainer Steffen Baumgart aber mit einem Sieg bis auf einen Punkt an den Relegationsplatz heranrücken können. Gegen Abstiegskandidat MSV Duisburg gibt's nun die nächste Chance. Ebenso unkonstant präsentiert sich Kiel: Nach drei Siegen und drei Niederlagen will das Team, das mit 53 Toren den drittstärksten Angriff der Liga stellt, am Sonntag mit einem Sieg gegen Tabellenschlusslicht FC Ingolstadt den Druck auf die ersten Drei erhöhen.

Gewinner des Schneckenrennens

Bleibt noch der 1. FC Köln. Zwar hatte das Team von Trainer Markus Anfang im Halligalli-Spiel gegen Duisburg den Eindruck erweckt, sich vom allgemeinen Bammel der Liga nicht anstecken zu lassen z. Bei sieben Punkten Vorsprung auf Platz zwei und dem stärksten Angriff fällt es dennoch schwer zu glauben, dass sich der Tabellenführer die direkte Rückkehr in die oberste deutsche Spielklasse noch nehmen lässt. Der FC ist der Gewinner des Zweitliga-Schneckenrennens - im Gegensatz zum Hamburger SV.

Der Wolf-Klub hat sich wegen seiner mauen Rückrunde in einer unbequemen Situation verloren. Wie die Verfolger scheint der HSV das Gewinnen verlernt zu haben - ebenso die Souveränität eines Aufstiegsaspiranten. "Das ist in unserer jetzigen Phase Gift. Wie wir die Gegentore kassieren, ist bitter. Das darf nicht passieren", sagte Holtby nach dem Magdeburg-Schock. Dann fügte er hinzu: "Solche Ergebnisse können wir nicht mehr liefern. Sonst wird es ganz schwer." Das Spitzenspiel gegen Köln ist somit nur eines von sechs Liga-Endspielen des verunsicherten HSV.

Quelle: n-tv.de

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