Fußball

So läuft der 17. Spieltag FC Bayern jagt ungern, Wolfsburg ekelt sich

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Hier lächeln die Herbstmeister.

(Foto: imago/Moritz Müller)

Wie groß ist der Vorsprung, mit dem die Dortmunder Borussia als Spitzenreiterin in die Winterpause der Fußball-Bundesliga geht? Das hängt davon ab, wie sie gegen Mönchengladbach spielen. Und davon, was genervte Bayern in Frankfurt anstellen.

Wie ist die Lage an der Tabellenspitze?

Sechs sind es. Aber wie viele werden es hinterher sein? Weiter sechs? Gar neun? Oder nur drei? Worum geht's überhaupt? Um die Anzahl der Punkte, mit denen der Herbstmeister aus Dortmund vor seinen Verfolgern aus Mönchengladbach und vor allem aus München nach dem 17. Spieltag der Fußball-Bundesliga in die Winterpause gehen wird. Vor allem der berauschte FC Bayern wähnt sich ja wieder im Aufwind und setzt weiter darauf, sein Titel-Abonnement der vergangenen sechs Jahre erneut verlängern zu können. Das Interessante an dieser Konstellation ist, dass die Borussia aus Dortmund an diesem Freitag (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) die Borussia vom Niederrhein zum Topspiel des Tabellenersten gegen den Tabellenzweiten im Westfalenstadion trifft. Der FC Bayern ist am Samstag an der Reihe und gastiert ab 18.30 Uhr bei der Frankfurter Eintracht. So sieht es aus:

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Wie geht's dem BVB und den Bayern?

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Wieder da? Thomas Müller und Franck Ribéry.

(Foto: imago/MIS)

Die Münchner bemühen sich, den Trend für sich sprechen zu lassen. Während sich der BVB am Dienstag sensationell von Aufsteiger Fortuna Düsseldorf entzaubern ließ, gewann der FC Bayern am Mittwoch knapp, aber verdient gegen RB Leipzig und verkürzte den Rückstand auf die Dortmunder auf besagte sechs Punkte. "Wir sind wieder dahaaa! Wir sind wieder dahaaa!", hatte Thomas Müller auf dem Weg in die Kabine beglückt ausgerufen.

Der deutsche Nationalspieler kümmerte sich auch gleich um die Deutungshoheit in Sachen Jagd auf den BVB: "Natürlich fühlt sich das nicht gut an, wenn man verliert und der Gegner punktet. Es war wichtig, ein Zeichen zu setzen, dass mit uns wieder zu rechnen ist." Wenig überraschend sieht Trainer Niko Kovac, der in der vergangenen Saison mit der Eintracht die Bayern im Pokalfinale besiegte, das auch so und sagt vor der Partie in Frankfurt: "Wir dürfen nicht im Urlaubsmodus, sondern müssen voll auf Spannung sein." Er habe aber festgestellt, dass es seine Spieler durchaus ärgere, nun die Jäger und nicht wir in den Jahren zuvor die Gejagten zu sein. "Sie wollen das schaffen. Wenn wir neun Punkte aufholen und am Ende Meister werden, dann ist das eine gute Leistung."

Die Frage ist, ob sie sich davon in Dortmund tatsächlich beeindrucken lassen. Obwohl, ein wenig unter Druck stehen sie vor dem Spiel gegen Mönchengladbach, Sie wissen schon, die Sache mit dem Vorsprung. Trainer Lucien Favre mahnt: "Wir müssen mehr Geduld haben und dürfen nicht überhastet spielen." Er trifft zum ersten Mal auf seinen ehemaligen Klub. Von Februar 2011 bis September 2015 trainierte der Schweizer die Mönchengladbacher. "Auch wenn es schon drei Jahre her ist, ist es für mich noch immer ein besonderes Spiel. Natürlich habe ich noch Kontakte dorthin, schließlich habe ich fünf Jahre dort gearbeitet." Sein Kollege Dieter Hecking geht die Sache derweil entspannt an: "Wenn wir ein gutes Spiel machen, ist es mir egal, ob wir danach drei, sechs oder neun Punkte hinter Dortmund liegen." Ungeachtet der Zahlen will er "eine bemerkenswerte Hinrunde krönen", auch wenn der BVB derzeit "das Maß aller Dinge" und der "absolute Meisterschaftsfavorit" sei. Tipp: So richtig viel ändert sich nicht. Der BVB gewinnt mit 3:0 gegen Gladbach, der FC Bayern mit 2:0 in Frankfurt.

Was ist sonst noch so los?

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"Ich mag den Druck": Heiko Herrlich.

(Foto: imago/Team 2)

Bayer 04 Leverkusen - Hertha BSC: Etwas Glück war dabei, aber die Leverkusener haben am Mittwoch auf Schalke gewonnen. Das ändert allerdings wenig bis nichts daran, dass die Mannschaft in dieser Hinrunde hinter dem zurückgeblieben ist, was von ihr erwartet worden war. Platz zehn in der Tabelle ist gemessen an den Zielen ein bisschen wenig. Schließlich ließ Bayer vor der Saison verlauten, die Qualifikation für die Champions League dürfe es schon sein. Und so muss es Trainer Heiko Herrlich seit dem Saisonstart mit drei Niederlagen über sich ergehen lassen, dass darüber diskutiert wird, ob er denn der Richtige sei. Am Montag hatte der "Kicker" berichtet, die Leverkusener hätten bereits beim früheren Dortmunder Trainer Peter Bosz und bei Marco Rose von Red Bull Salzburg vorgefühlt. Herrlich aber sagt: "Ich habe mich an die Diskussionen gewöhnt." Und behauptet gar: "Ich mag den Druck." Geschäftsführer Rudi Völler hat angekündigt: "Wir setzen uns nach dem letzten Spiel zusammen. Dann werden wir ein Fazit ziehen, eine kleine Analyse machen und dann gucken wir weiter." Ein Sieg gegen die Hertha, die bisher drei Punkte mehr auf dem Konto hat, dürfte Herrlichs Position zumindest nicht weiter schwächen. Tipp: 2:1.

RB Leipzig - SV Werder Bremen: Hätte Franck Ribéry nicht kurz vor dem Ende der Partie doch noch ein Tor für den FC Bayern geschossen ("Danke, Franck!"), die Leipziger hätten am Mittwoch glatt einen Punkt aus München mitgenommen. So aber gab's die fünfte Auswärtsniederlage in Folge. Dabei war gar nicht einmal die Defensive das Problem, sondern eher die Tatsache, dass es mit dem Angriffsspiel nicht so gut klappte, obwohl Trainermanager Ralf Rangnick einen mutigen Auftritt angekündigt hatte. Aber es ist nicht alles schlecht: Mit einem Sieg gegen Werder Bremen kann Rasenballsport auf einem Platz in der Tabelle überwintern, der am Ende der Saison die Qualifikation für die Champions League bedeuten würde. Und im eigenen Stadion fällt die Bilanz wesentlich positiver aus, bisher gab's sechs Siege und zwei Unentschieden. Tipp: Zu Hause läuft's wieder, 2:0.

VfB Stuttgart - FC Schalke 04: Die Lage bei den Gelsenkirchenern spitzt sich zu. Verliert das Team von Trainer Domenico Tedesco nach dem 1:2 gegen Leverkusen nun auch das Krisenduell in Stuttgart, könnte es gut sein, dass der Tabellenzweite der vergangen Saison auf dem Relegationsplatz überwintert - also dort, wo der VfB zurzeit steht. Das schlägt aufs Gemüt, die "Bild"-Zeitung titelte: "Tedesco droht eine Kabinen-Revolte". Die Spieler, so heißt es, glaubten nicht mehr an den Trainer. Der denke Fußball zu akademisch. Teile des Teams würden ihn überhaupt nicht kapieren". Der Trainer wiederum sei von seinen Spielern enttäuscht. "Wegen fehlender Formkonstanz fühlt er sich von einigen Stars nahezu verraten." Tipp: Das klingt nicht gut, 2:1.

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"Auch bei einer Niederlage gegen Düsseldorf ist André Breitenreiter im Jahr 2019 unser Trainer."

(Foto: imago/Joachim Sielski)

Hannover 96 - Fortuna Düsseldorf: Apropos schlechte Laune, die haben sie auch beim Tabellenvorletzten in Hannover. Trainer André Breitenreiter hat seinen Spielern mit einer Urlaubsperre über Weihnachten und Neujahr für den Fall gedroht, dass sie weiter so schlecht spielen. Ob's hilft? Gelingt den Hannoveranern ein Sieg gegen die Fortuna, dürfen sie sich Herbstmeisterbesiegerbesieger nennen. Vielleicht ist das ja eine Zusatzmotivation. Der Trainer darf sich eh entspannen. Der Präsident des Vereins und Geschäftsführer der ausgegliederten Profifußball-Gesellschaft Martin Kind sagte der "Bild"-Zeitung: "Auch bei einer Niederlage gegen Düsseldorf ist André Breitenreiter im Jahr 2019 unser Trainer." Kind plädiert stattdessen für "alternative Strategien zum Mittel Trainer-Wechsel". Das bedeutet: Der Klub will in der Winterpause neue Spieler verpflichten. Was angesichts der Verletzung von Angreifer Niclas Füllkrug auch nötig ist. Tipp: 1:1.

1. FC Nürnberg - SC Freiburg (alle Samstag, 15.30 Uhr): Noch schlechter als die Hannoveraner sind nur die Nürnberger. Auch der Glubb hat elf Punkte auf dem Konto, allerdings nach nun zehn sieglosen Spielen noch weniger Tore geschossen und noch mehr kassiert. Dabei waren sie am Dienstag beim 0:2 in Mönchengladbach gar nicht so schlecht. Das sieht auch Trainer Michael Köllner so: "Ich beurteile Fußball nicht nur nach dem Ergebnis, sondern auch an den einzelnen Spielphasen. Unterm Strich haben wir uns im Vergleich zu unserem guten Wolfsburger Spiel nochmals steigern können. Wir haben ein klasse Fußballspiel hingelegt. Und dies mit einer Not-Elf beim Tabellenzweiten." Tipp: 0:0.

FC Augsburg - VfL Wolfsburg (Sonntag, 15.30 Uhr): Wolfsburgs Angreifer Daniel Ginczek sagt: "Wir haben noch ein ekliges Spiel in Augsburg." Das Jahresendziel seien 28 Punkte. Die Wölfe haben längst die Fährte zum Europapokal aufgenommen. Das wird FCA-Manager Stefan Reuter nicht erfreuen, nach dem 2:2 am Dienstag auf dem Hertha-Acker zu Berlin äußerte er noch diesen frommen Wunsch: "Hoffen wir, dass sie feststellen, dass sie genug Punkte für die Hinrunde haben." Doch sieht es eben nicht danach aus, als gäben sich die Wolfsburger mit ihren bislang 25 Punkten und Tabellenplatz sechs zufrieden. "Das tut uns allen gut", beschrieb Trainer Labbadia den Hinrundenendspurt, bei dem sein Team von den jüngsten fünf Spielen vier gewann. Davon kann sein Kollege Manuel Baum nur träumen. Die Augsburger geraten allmählich in Bedrängnis, weil sie seit sieben Spielen sieglos sind. Gewonnen hat der Klub aber schon vor der Partie: Als Zeichen der Solidarität lädt der FCA alle 1900 Fujitsu-Mitarbeiter zum Spiel ein, weil der japanische Technologiekonzern seinen Standort in Augsburg bis September 2020 dicht macht. Tipp: 2:2

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"Sehr müde": Julian Nagelsmann.

(Foto: imago/Nordphoto)

TSG Hoffenheim - FSV Mainz 05 (Sonntag, 18.00 Uhr): Nachdem es in einem wilden Spiel in Bremen nur zu einem 1:1 gereicht hatte, sagte Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann am Mittwochabend: "Wir waren schon sehr, sehr müde." Mit Tabellenplatz sieben liegt er mit der TSG aber absolut im Soll. Aktuell fehlen lediglich vier Punkte zur erneuten Qualifikation für die Königsklasse. Und die Partie gegen den FSV Mainz 05 fällt in die Kategorie "machbar". Beim Gegner können sie ebenfalls zufrieden sein, nach dem 2:2 im Rhein-Main-Derby gegen die Frankfurter Eintracht stehen die Mainzer mit 20 Punkten im Mittelfeld der Tabelle. Und die "Frankfurter Rundschau" urteilte nach der Partie gar: "Tatsächlich war das, was die Rheinhessen über weite Strecken geboten haben, eine gelungene Reminiszenz an große Tage unter Jürgen Klopp und Thomas Tuchel. Vollgasfußball im besten Sinne." Tipp: 3:1.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Ich glaube, da kann man nichts richtig machen. Wenn man lange bei den Fans steht, ist es falsch, wenn man zeitig geht, ist es falsch. Wenn man hingeht, ist es falsch, wenn man weggeht, ist es falsch." Schalkes Kapitän Ralf Fährmann zur Tatsache, dass er und seine Kollegen beim Gang in die Kurve nach dem 1:2 gegen Leverkusen ausgepfiffen wurden.

Quelle: n-tv.de

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