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Lehren des 16. Spieltags FC Bayern wieder munter, der BVB knatscht

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"Er war da, wo wir ihn gebraucht haben, danke Franck."

AP

Franck Ribéry sorgt dafür, dass der FC Bayern in der Fußball-Bundesliga nicht mehr ganz so weit hinter der Dortmunder Borussia steht. Die ist ein wenig schlechter gelaunt, freut sich aber auf die Namenscousine aus Gladbach. Bleibt die Frage: Wie kommt das Ufo nach Zuzenhausen?

1. Der FC Bayern ist wieder da

Na, wer hat's gemacht? Genau. Franck Ribéry. Beim nicht berauschenden, aber verdienten Sieg des FC Bayern gegen RB Leipzig wurde der Franzose nach einer knappen halben Stunde für den verletzten Serge Gnabry eingewechselt. Kurz vor dem Ende dieser Partie des 16. Spieltags der Fußball-Bundesliga schoss er in München das Tor des Mittwochabends. Das bedeutet, dass die Bayern nun sechs Punkte hinter den Dortmunder Borussen auf Platz drei der Tabelle stehen. Nur noch sechs Punkte, schließlich waren es vor der Niederlage des BVB in Düsseldorf noch neun. Ist das Titelrennen also wieder offen?

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Vielleicht. Die 17. und letzte Runde in diesem Jahr könnte interessant werden. Die Dortmunder legen am Freitag (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) vor und messen sich im Westfalenstadion mit der Namenscousine aus Mönchengladbach, die als Tabellenzweite ebenfalls sechs Zähler zurückliegt. Die Münchner und ihr Trainer Niko Kovac, der die gleiche Startelf wie beim 4:0 in Hannover aufbot, sind dann am Samstag dran, ab 15.30 Uhr gastieren sie bei der Frankfurter Eintracht. Und die Laune, das war in der jüngsten Vergangenheit auch schon anders, ist prima. "Er war da, wo wir ihn gebraucht haben, danke Franck", sagte der deutsche Nationalspieler Thomas Müller nach dem Sieg gegen Leipzig über den Mann, der mit seinem Können eine von beiden Seiten sehr konzentriert geführte Partie entschieden hatte. Zwei Gegenspieler ließ er mit dem Ball am Fuß ins Leere rutschen, ehe er ihn, also den Ball, flach ins Tor schoss. Es dürfte ihm gefallen haben, den 75.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion zu zeigen, dass er auch mit 35 Jahren noch sehr wertvoll für seine Mannschaft ist. In seiner zwölften Spielzeit für den FC Bayern hat Ribéry zum zwölften Mal mindestens zwei Treffer erzielt. Statistisch ist er nun auf Augenhöhe mit Klaus Augenthaler. Nur Gerd Müller ist noch besser. Und die Bayern, sie sind wieder da.

2. Werden die Dortmunder nun nervös?

Nein. Aus Sicht der Mönchengladbacher Borussia steht zu befürchten, dass der Herbstmeister aus Dortmund am Freitag zum Abschluss der Hinrunde noch einmal alle Kräfte bündelt und zuschlägt. Klar, ein wenig knatschig sind sie beim BVB schon, dass sie mit dem 1:2 bei der Fortuna in Düsseldorf zum ersten Mal in dieser Saison verloren haben. Trainer Lucien Favre verteidigte trotzig seine personellen Wechselspiele.

"Wir rotieren, weil die Belastung hoch ist." Er räumte aber ein: "Das war taktisch und spielerisch diesmal nicht gut." Ansonsten aber gelte: "Das ist alles bloß Blablabla. Wir sind Sportler, wir können alle schlecht verlieren." Da dürfte es den Dortmundern entgegenkommen, dass die Gladbacher, die Favre von 2011 bis 2015 trainierte, sich kaum so massiv in die eigene Hälfte zurückziehen werden wie die wackeren Düsseldorfer. Die 80.000 Zuschauer im Westfalenstadion können sich mutmaßlich auf das freuen, was Kommentatoren gerne als offenen Schlagabtausch bezeichnen. Und wie auch immer es ausgeht, der BVB wird als Tabellenführer in die Winterpause gehen. Kapitän Marco Reus formulierte es so: "Neun, sechs oder drei Punkte, egal. Wir schauen nur auf uns."

3. Fußball und Schalke, das passt nicht

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Wer am Mittwochabend in Gelsenkirchen im Stadion war, der konnte sich beim besten Willen der ergreifenden Atmosphäre nicht entziehen. Unser Reporter Arnulf Beckmann berichtet: "Am Abend vor der Schließung der letzten Zeche im Ruhrgebiet ließen die Knappen 14 Spieler mit den vierzehn Namen aller Gelsenkirchener Zechen auflaufen - auf jedem Trikot ein gewaltiges Stück Regionalvergangenheit."

Danach aber wurde es auf dem Rasen trostlos. Fazit: "Fußball und Schalke, das ist eine Verknüpfung, die in diesen Tagen und Wochen wenig kompatibel erscheint." Da half es auch nicht, dass es auf Schalke etwas Neues gab: Haji Wright schoss ein Tor, die Vorlage gab Weston McKennie. Das heißt: Ein US-Amerikaner legte zum ersten Mal seit Beginn der detaillierten Datenerfassung in der Saison 2004/2005 erfolgreich für einen Landsmann vor. Toll.

4. Was ist da in Wolfsburg los?

Adieu Tristesse, hallo Kampf um Europa: Nach zwei mausgrauen Jahren inklusive akuter Abstiegsgefahr schielt der VfL Wolfsburg urplötzlich auf die Europapokalplätze. Das Team von Trainer Bruno Labbadia steht nach dem ungefährdeten 2:0 gegen den kriselnden VfB Stuttgart auf Tabellenplatz sechs. Mehr noch: Von 15 möglichen Punkten in den vergangenen fünf Spielen holten die Wolfsburger 13, das gelang ihnen unter Labbadia noch nie. "Wir sind im Moment wirklich sehr schwer zu besiegen", sagte Kapitän und Torschütze Josuha Guilavogui: "Vor ein paar Wochen haben wir als Zwölfter noch nach hinten geguckt, jetzt gucken wir nach vorne."

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Geht doch: Josuha Guilavogui und Kollegen.

(Foto: imago/regios24)

Gucken? Der Trainer schließt manchmal auch die Augen: "Ich träume auch gerne", sagte Labbadia zu den Europachancen seiner Elf. Bei aller Euphorie gibt's aber einen Wermutstropfen. Der bemerkenswerte Herbst-Endspurt scheint sich noch nicht vollends rund um den Mittellandkanal herumgesprochen zu haben - nur 21.780 Zuschauer wollten den Sieg gegen den VfB sehen, in der Bundesliga-Heimtabelle rangiert der Werksklub nur auf Platz 15. Das könnte sich im neuen Jahr ändern - wenn auch das Ergebnis in der letzten Partie des Jahres stimmt. "Wir haben noch ein ekliges Spiel in Augsburg", sagte Stürmer Daniel Ginczek: "Aber wir wollen die 28 Punkte auf der Habenseite haben." Das sieht nicht danach aus, als hätten die Wölfe ihren Hunger gestillt.

5. Wie kommt das Ufo nach Zuzenhausen?

Huch, was ist denn da los? Weil beim Abschlusstraining für das Spiel gegen den SV Werder ein bislang nicht bekanntes Flugobjekt über den Platz in Zuzenhausen schwebte, hat die TSG Hoffenheim die Polizei gerufen. Die würde nun ermitteln, ließ der Klub wissen. Und: Mitarbeiter hätten den mutmaßlichen Drohnenpilot ausfindig gemacht. Damit kennen sie sich aus. Julian Nagelsmann hatte vor zwei Jahren erzählt, er lasse testweise eine Drohne einsetzen, um die Spieler zu beobachten. Nun nährte der Trainer die Spekulationen, dass die Bremer hinter der Spionageaktion vom Dienstag stecken: "Ich nehme das keinem übel. Grundsätzlich ist das als Mitarbeiter lobenswert, sich für seinen Klub reinzuhängen und zu versuchen, den anderen Klub auszuspionieren. Beim Thema Drohne geht es natürlich immer auch um die Sicherheit der Leute, die da drunterstehen. Ich bin dem Analysten nicht böse, wenn er seinen Job macht." Sollte dem tatsächlich so sein, droht Werder eine Strafe. Ach ja: Das Spiel im Weserstadion endete 1:1.

6. Jeder kann jeden schlagen

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Nicht nur die Premier League staunt in dieser Saison, die Bundesliga tut es auch. Hüben wie drüben wurde zuletzt verzückt gejuchzt: Heureka, habemus Meisterschaftskampf - endlich wieder! Klingt hochspannend, ist auch spannend und dazu meist hübsch aufregend anzusehen. Vor allem, weil in der Bundesliga zusätzlich zum Meisterkampf-Comeback auch wieder gilt: Jeder kann wieder jeden schlagen. Den finalen Beweis dafür hat Fortuna Düsseldorf mit seinem ebenso sensationellen wie verdienten Coup gegen Dortmund erbracht - schon wieder, nachdem die Funkel-Truppe die These ja schon mit dem gefühlten Sieg beim FC Bayern untermauert hatte. Doch noch mal zum Fortuna-Sieg gegen den BVB: Gefühlt war dieser eine Sensation. Statistisch sollten Sie sich aber laut den Zahlenspezialisten von Opta dringend Anführungszeichen hinzudenken. Demnach liegt die Siegquote der Düsseldorfer gegen keinen anderen Bundesligisten so hoch wie gegen Borussia Dortmund, nämlich bei 37 Prozent.

Und damit wären wir wieder bei der anfänglichen Jubelarie. Dank des Ergebnisses vom Dienstagabend und des gestrigen Bayern-Sieges im Verfolgerduell mit Rasenballsport Leipzig mischen nun mit dem BVB, Gladbach und dem FC Bayern drei Teams im Titelrennen mit. Und wie es die Dramaturgen so wollen, duellieren sich zwei von denen am kommenden Spieltag - Ausgang offen, denn: In dieser Liga kann jeder jeden schlagen.

Quelle: n-tv.de

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