Fußball

6 Dinge, gelernt am 8. Spieltag FCB rührt, BVB bricht, Zorniger flippt aus

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Zum Fürchten: Thomas Müller.

(Foto: imago/MIS)

Die Fußballmeisterschaft ist entschieden, allein der FC Bayern mag's nicht zugeben. Der BVB macht wenig falsch, Gladbach steht vor einem Dilemma - und beim VfB in Stuttgart brennt der Baum.

1. Der FC Bayern lässt sich nur ein bisschen ärgern

Die Dortmunder Borussia ihre Sache in München an diesem achten Spieltag der Fußball-Bundesliga richtig gut gemacht - 25 Minuten lang. Die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel hatte tatsächlich eine Idee, wie sie den Bayern knacken wollte. Und zeigte das auch. Doch dann kam Thomas Müller - und der BVB brach letztlich in sich zusammen. Am Ende hieß es 5:1 für den Rekordmeister. Noch Fragen? Der FC Bayern hat national niemanden, der ihm ernsthaft gefährlich werden kann. Und wer vor diesem Spiel gehofft hatte, dass es in dieser Saison vielleicht doch zumindest ein wenig spannender werden könnte als in den Jahren zuvor, das hat spätestens jetzt erkannt: Die Meisterschaft ist mit dem historischen Vorsprung von sieben Punkten nach acht Runden entschieden, auch wenn erst ein knappes Viertel vorüber ist.

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Meisterlich: Trainer Josep Guardiola und Kapitän Philipp Lahm.

(Foto: imago/MIS)

Noch besser als die Schwarz-Gelben am Sonntag hatte es der VfL Wolfsburg vor anderthalb Wochen in München gemacht. Also eigentlich. Das Team von Dieter Hecking beschäftigte die Mannschaft von Josep Guardiola sogar 45 Minuten so erfolgreich, dass eine Überraschung möglich schien – am Ende hieß es nach der legendären Show des Robert Lewandowski ebenfalls 5:1. Noch Fragen? Die Gegner können machen, was sie wollen: Wenn die Bayern gefordert sind und liefern müssen, dann liefern sie eben. Und das so überzeugend und ohne Selbstzweifel, dass nur die resignierte Einsicht bleibt: Ein bisschen anpieksen kannst du den Meister zwar, aber ärgern? Nö! Und selbst beim FC Bayern sind angesichts der eigenen Stärke in dieser Saison überrascht. Oder sie tun zumindest so. "Mit der Art und Weise zu gewinnen, ist das schon ein Signal", sagte Doppeltorschütze Thomas Müller. Von vorzeitigen Meisterschafts-Glückwünschen indes hält der Weltmeister genau so wenig wie sein Trainer Guardiola. "Wir hatten auch schon knappe Spiele, es wird einem nichts geschenkt", mahnte Müller. Es ist schon fast rührend, wie sie sich in München darum bemühen, sie Liga doch noch irgendwie spannend zu reden. Allein: Die Meisterschaft ist entschieden.

2. Beim BVB ist vieles noch "in Arbeit"

Das ist doch irgendwie verrückt. Der BVB kommt nach München, um zu gewinnen, wie Trainer Thomas Tuchel nach dem Spiel noch einmal erklärte. Und dann verlässt der BVB München gedemütigt, mit dem Gefühl, eine ganze Menge falsch gemacht zu haben. Doch so war's gar nicht. Denn vieles von dem, was sich der Trainer vorgestellt hatte, setzte seine Mannschaft prima um. Und selbst nach dem Rückstand und dem genickbrechenden 1:3 spielte der BVB weiter mutig nach vorne.

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"Wir müssen uns schütteln und neu anfangen": Thomas Tuchel.

(Foto: imago/Eibner)

Und so antwortet Tuchel nach den frustrierenden 90 Minuten beim Bezahlsender "Sky" auf die Frage, was seine Mannschaft in den ersten 20 Minuten richtig gemacht habe: "Wahrscheinlich alles. Wir haben gut verteidigt, hatten gute Abstände und gute Präzision." Doch dann kam der Bruch und der Trainer bekam vieles zu sehen, was er eigentlich für längst vergangen hielt. Und so kündigte er an: "Wir müssen uns schütteln und neu anfangen. Wir müssen zurück zur Bissigkeit in den Zweikämpfen, zum Verteidigungsverhalten, zu einer Positionsdisziplin. Jetzt sind leider alle Nationalspieler weg, das ist bitter." Nun, so bitter es ist, so schlecht war's nicht. Und vielleicht sollte sich Tuchel einfach mal einen Gesang der Münchner Fans zu Herzen nehmen: "Gegen Bayern kannst du mal verlieren." In dieser Saison gilt das mehr denn je, bitter für den BVB, bitter für die Liga.

3. Die Kölner haben sich eine Würdigung verdient

Der Effzeh nach acht Spieltagen auf Platz fünf der Tabelle - da dürfen wir davon ausgehen, dass sie in Köln nun für die Champions League planen. Kleiner Spaß. Das wäre vielleicht früher so gewesen. Nun aber nehmen Trainer Peter Stöger und seine Spieler einfach nur mit Genugtuung zur Kenntnis, dass sie im Jahr zwei nach dem Aufstieg sehr ordentlich in die Saison gestartet sind; dass sie sich auf ihre Defensive verlassen können; und dass es, wie beim 3:0 auf Schalke, auch mit dem Kontern gut klappt. Oder wie es Mittelfeldspieler Kevin Vogt hinterher sagte: "Ich glaube nicht, dass einer von uns das zu hoch hängt." Dazu gibt es auch keinen Grund. Die Kölner sind dabei bei den zehn Mannschaften zwischen Platz vier, auf dem die Berliner Hertha nach dem klaren Sieg gegen den HSV rangiert, und Rang 13, auf den sich die Borussia aus Mönchengladbach vorgearbeitet hat - und die gerade einmal fünf Punkte trennen. Das weiß auch Yannick Gerhardt, der am Sonntag nach knapp 80 Minuten das zweite Kölner Tor in Gelsenkirchen erzielte: "Wir wollen erstmal den Verein mittel- und langfristig in der Bundesliga etablieren. Und alles, was darüber hinauskommt, ist dann Zugabe." Das wäre dann ja doch die europäische Bühne, oder? "Bei den Kölner Fans muss man immer ein bisschen aufpassen." Warten wir es ab.

4. Gladbachs Borussia steht vor Erfolgs-Dilemma

Vor zwei Wochen noch war bei Borussia Mönchengladbach alles furchtbar. Im rheinischen Derby in Köln setzte es im fünften Saisonspiel die fünfte Niederlage, anschließend flüchtete Erfolgstrainer Lucien Favre und ließ die Gladbacher punktlos am Tabellenende zurück. Und die Borussia? Machte sich notgedrungen auf die Suche nach einem neuen Cheftrainer, vertraute währenddessen auf U-23-Coach André Schubert - und fing unter dem ausdrücklich nur als Interimslösung Beförderten plötzlich an zu siegen.

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Applaus, Applaus: André Schubert.

(Foto: imago/mika)

In den drei Bundesligaspielen unter Schubert gab es drei Siege, zuletzt am Samstag gegen den VfL Wolfsburg. 2:0 hieß es, womit die Borussia im elften Pflichtspiel der Saison erstmals zu null spielte, unter Favre in der vergangenen Saison eines der Markenzeichen. Obwohl die Borussia selbst beim 1:2 gegen Manchester City in der Champions League zu gefallen wusste, wieder rennt und beißt und kämpft, sucht Manager Max Eberl offiziell trotzdem weiter einen Trainer. Sein Wunschkandidat soll Markus Weinzierl vom FC Augsburg gewesen sein, der aber wegen seines Vertrags bis 2019 nicht zu bekommen war. Während der Länderspielpause, verlautete nun aus Gladbach, darf Erfolgs-Interimscoach Schubert die Mannschaft weiter betreuen, man will in Ruhe suchen. Eberl und sein Verein wissen aber auch: Mit jedem Sieg unter Schubert wird es schwerer, diesen wieder zu degradieren und einen Neuen zu installieren. Womöglich macht sich Eberl letztlich das Credo Schuberts zu eigen. Der befand zu seiner Situation fast philosophisch: Im Grunde sei doch jeder Trainer ein Interimscoach.

5. Auch Bernd Leno hat mal einen gebrauchten Tag

Da hatte sich der Torhüter des TSV Bayer 04 Leverkusen so gefreut, dass ihn Bundestrainer Joachim Löw endlich in den Kreis seiner Eleven berufen hat. Und kaum hat Bernd Leno die Einladung für die abschließenden EM-Qualifikationsspiele am Donnerstag in Dublin gegen Irland und am Sonntag in Leipzig gegen Georgien in der Tasche - da patzt er beim 1:1 gegen den FC Augsburg. Und zwar so, dass alle wahlweise von einem Blackout oder einer Slapstick-Einlage sprachen. Oder wie Leno es formulierte: "Das sind die Augenblicke, in denen du am liebsten im Boden versinken willst, weil du weißt, dass du als Torwart die Arschkarte hast."

Weniger dramatisch ausgedrückt: Er hat halt einen Rückpass des Kollegen Jonathan Tah nicht getroffen, der Ball kullerte erst über seinen Fuß - und dann ins Tor. Sah extrem blöd aus, war es auch, passiert aber. Um seinen Ausflug zur Nationalelf macht er sich aber - völlig zu Recht - keine Sorgen. "Ich glaube nicht, dass da wegen einem Blackout etwas anbrennt. Ich bin jetzt erstmal dabei, ich versuche mich da zu präsentieren."

6. VfB remisiert, Zorniger fabuliert

Stuttgarts Trainer Alexander Zorniger ist ja immer noch der Meinung, dass er alles richtig macht. Als Tabellenletzter und mit nur einem Sieg aus acht Partien ist das eine mutige Einschätzung, die der Erstligadebütant, falls es so misslich weitergeht, irgendwann exklusiv haben wird. Erst einmal aber greift er zu einem raffinierten Trick - und deutet ein Remis flugs in einen dreifachen Punktgewinn um. So geschah es nach dem 2:2 bei der TSG Hoffenheim, das Timo Werner dem VfB mit seinem Treffer in letzter Minute gerettet hatte. "Es war ein verdienter, aber auch ein glücklicher Sieg", fabulierte Zorniger hinterher. Vielleicht aber war er auch einfach nur sauer – über Timo Werner. Der hatte nämlich in der Nachspielzeit tatsächlich noch die Chance, die Schwaben zum Sieg zu schießen. "Den konnte Timo nicht reinmachen. Er war noch so mit Küsschen verteilen nach dem 2:2 beschäftigt, dass der Fokus noch nicht darauf lag, ihn reinzumachen. Aber das ist das Recht von jungen Spielern", hatte Zorniger zuvor beim Bezahlsender "Sky" gewütet. Der 19 Jahre alte Werner hatte nach seinem Tor auf dem Weg zurück an die Mittellinie Kusshände ins Publikum geworfen. Als der Offensivspieler kurz darauf den Ball aus kurzer Distanz am Tor vorbeischob, bekam Zorniger an der Seitenlinie einen Wutanfall und warf seinerseits Kusshände ins Publikum. Ein intaktes Binnenklima sieht anders aus - beim Tabellenletzten.

Quelle: n-tv.de