Fußball

So läuft der 19. Spieltag, Teil I Guardiola sieht das Gute im Debakel

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Neulich in Wolfsburg: Arjen Robben und David Alaba.

(Foto: imago/Ulmer)

Es deutet viel darauf hin, dass sich der FC Schalke beim FC Bayern auf einiges gefasst machen darf. Josep Guardiola jedenfalls grübelt und warnt. Ansonsten hat es Felix Magath immer schon gewusst. Und bei der Hertha brennt der Baum.

Wie hoch gewinnen die Bayern?

Josep Guardiola hat nachgedacht. Darüber, wie es sein kann, dass sich sein FC Bayern am Freitag mit 1:4 vom VfL Wolfsburg hat auseinandernehmen lassen. Er wird gesehen haben, dass die Innenverteidiger beizeiten überfordert waren. Und er wird gesehen haben, dass Bastian Schweinsteiger und Xabi Alonso im zentralen Mittelfeld nicht in der Lage waren, dem Spiel der Münchner eine Struktur zu geben. Er ist aber der Meinung, und diese Einschätzung hat er im modernen Fußball nicht exklusiv, dass es nicht allein an der Defensive lag, dass sich die Bayern so gnadenlos haben auskontern lassen. "Es hängt von allen elf Spielern ab. Wenn wir den Gegner laufen lassen, wenn wir die Konter nicht kontrollieren, sind wir kaputt. Wir haben in Wolfsburg Jérôme Boateng und Dante allein gelassen, das war auch mein Fehler." Das soll nun besser werden, wenn die Münchner heute (ab 20 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) zum Auftakt des 19. Spieltags der Bundesliga zu Hause den FC Schalke 04 empfangen.

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Gereizt: Klaas-Jan Huntelaar.

(Foto: dpa)

Die Gelsenkirchener können sich also auf einiges gefasst machen, zumal sie auf Klaas-Jan Huntelaar verzichten müssen. Der DFB hat Schalkes besten Angreifer für sechs Spiele gesperrt, weil er am Samstag im Spiel gegen Hannover 96 seinem Gegenspieler von hinten in die Beine gegrätscht war. Ein Urteil, das die Schalker nicht akzeptieren wollen. Was für heute Abend wenig helfen wird. Zumal Manager Horst Heldt messerscharf erkannte: "Die Bayern bekommen selten Niederlagen, und schon gar nicht zweimal hintereinander." Womit wir schon wieder bei Guardiola sind. Der hat sich nämlich auch grundsätzlich Gedanken gemacht - und etwas Gutes im Debakel am Mittellandkanal gefunden. Er hofft nämlich, dass jetzt niemand mehr denkt, die Bayer würden, ohne sich groß anstrengen zu müssen, zur Meisterschaft spazieren. "Wenn wir verstehen, dass wir auch morgen verlieren können, dann sind wir auf dem richtigen Weg." Das hat er gestern konstatiert, sonst hätte er ja nicht morgen gesagt. Und er warnte seine Mannschaft davor, mit sich selbst zufrieden zu sein. "Man sagt hier immer, alles ist super und einfach. Aber wir dürfen nicht vergessen: Was dem BVB mit Jürgen Klopp, den ich sehr schätze, der einen tollen Kader hat, passiert ist, kann uns auch passieren. Das müssen wir alle hier beim FC Bayern kapieren. Es ist schwer, jedes Spiel zu gewinnen. Es ist unmöglich, fast unmöglich, über zwölf Monate nie zu verlieren."

Wie läuft die Dortmunder Aufholjagd?

Nachdem sich der BVB am Samstagabend mit dem 0:0 bei Bayer Leverkusen auf den letzten Tabellenplatz gekämpft hat, haben sie in Dortmund jetzt noch einen Tag Zeit, sich zu überlegen, wie sie die Partie am Mittwoch gegen den FC Augsburg angehen wollen. Die Lage ist bekannt, dennoch klingt es immer noch seltsam, dass in diesem Spiel das Schlusslicht gegen den Tabellenfünften antritt. Während die Gäste sich in der Winterpause leihweise mit dem Münchner Pierre-Emile Højbjerg verstärkt haben und unbeirrt in Richtung Europapokal steuern, verteidigte Dortmund Trainer Jürgen Klopp die wenig attraktive Spielweise seines Teams in Leverkusen: "Wenn man zu großen Schritten nicht in der Lage ist, muss man kleine machen. Da muss die B-Note außen vor bleiben." Schließlich gehe es, so die Sprachregelung beim BVB, nur noch gegen den Abstieg. "Wichtig ist, dass wir eine Wagenburg um uns herum bauen. Wir müssen diese Liga halten, das werden wir tun. Nichts anderes zählt." Einer, der schon länger dabei ist, seit 13 Jahren genau, macht sich da weniger Sorgen. "Diese Zeit ist zweifelsohne nicht leicht, allerdings gab es in der Saison 2006/2007 eine noch größere Herausforderung", sagte Torhüter Roman Weidenfeller der "Bild"-Zeitung. Seinerzeit habe der BVB am 27. Spieltag auf dem 17. Tabellenplatz gestanden. "Damals haben wir es gemeistert und jetzt werden wir es auch schaffen." Mal sehen, was die Augsburger dazu sagen.

Was passiert sonst noch?

Felix Magath, der immerhin sieben der aktuellen 18 Bundesligisten schon einmal trainiert hat, hatte es ja bereits im Interview mit der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" gesagt: "Um Freiburg mache ich mir keine Sorgen." Und zwar bevor die Mannschaft von Joachim Streich zum Auftakt der Rückrunde die Frankfurter Eintracht mit 4:1 besiegte. Der Sportclub steht nun nicht mehr auf einem Abstiegsplatz, aber was heißt das schon bei 16 noch ausstehenden Partien? Dass die Freiburger auf einem guten Weg sind. Nach dem Bürgerentscheid am Sonntag dürfen sie zudem ein neues Stadion bauen. Läuft alles nach Plan, kann der SC von 2019 an in der neuen, 35.000 Zuschauer fassenden Arena in Wolfswinkel spielen. Vorher geht es aber zur Mönchengladbacher Borussia, und das schon heute Abend.

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"Jetzt freue ich mich, selbst mal unangenehm zu sein": Nils Petersen.

(Foto: dpa)

Die Freiburger Hoffnung dort trägt Nils Petersen. Der Angreifer kam in der Winterpause vom SV Werder Bremen und schoss gegen Frankfurt in seinem ersten Spiel gleich drei Tore. Auch er gibt sich optimistisch: "Ich traue uns total zu, noch drei Mannschaften hinter uns zu lassen. Es war immer sehr unangenehm, gegen den SC zu spielen. Jetzt freue ich mich, selbst mal unangenehm zu sein." Derweil diskutieren sie in Hannover vor der Partie gegen den FSV Mainz die überraschende Rückkehr von Didier Ya Konan. Der Ghanaer ist nach knapp sieben Monaten in der Saudi Professional League bei Al-Ittihad Dschidda wieder da. Die Frage lautet: Kann er es noch? Immerhin hat er zwischen 2009 und 2014 in 153 Spielen 45 Tore für Hannover geschossen. Sportdirektor Dirk Dufner sagte: "Als es eine Chance gab, Didier zu verpflichten, haben wir sofort zugegriffen. Wir wissen ja, was er kann. Nun muss er sich wieder ein bisschen eingewöhnen." Auch Trainer Tayfun Korkut glaubt: "Über seine Qualitäten brauchen wir gar nicht zu diskutieren. Er weiß selbst, dass es Zeit dauern wird, bis er fit ist."

Wo wird's brisant?

Die Liga spricht über Wolfsburg. Das hat sich der VfL selbst eingebrockt. Erst fegen sie den FC Bayern aus dem Stadion, dann verpflichten sie für geschätzte 32 Millionen Euro einen leibhaftigen Weltmeister. André Schürrle steht allerdings nicht im Kader, wenn am Abend das Spiel in Frankfurt ansteht. Dort hatte sich Heribert Bruchhagen, Vorstandsvorsitzender der Eintracht, über den Transfer mokiert. "Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. 32 Millionen für Schürrle - ja wo sind wir denn gelandet?" Eine rhetorische Frage, die Klaus Allofs nicht gefällt. Wolfsburgs Manager findet es ungerecht, dass ständig jemand meckert, nur weil der Autobauer VW für den Erfolg seines VfL anscheinend jeden Preis bezahlt. "Ich habe keinen Aufschrei gehört, als die Bayern teure Spieler verpflichtet haben. Ich habe keinen Aufschrei vernommen, als Borussia Dortmund Immobile geholt hat. Das ist jetzt nicht ganz fair und bedient wieder die alten Vorurteile", sagte Allofs. "Ich wundere mich darüber, aber scheinbar muss man damit leben." Das scheint nicht nur so.

Für welchen Trainer wird es eng?

Jos Luhukay, seit 2012 in der Hauptstadt, hat es in Berlin derzeit nicht leicht. "Wir machen wieder Fehler, die wir eigentlich nicht mehr machen wollten", sagte Herthas Trainer nach dem uninspirierten Auftritt seines Teams beim SV Werder Bremen, an dessen Ende eine völlig verdiente 0:2-Niederlage stand. Das klang ein wenig ratlos und wenig ermutigend, gastiert doch am Mittwoch mit Bayer 04 Leverkusen eine Mannschaft im Olympiastadion, die etwas stärker einzuschätzen ist als die Bremer. Die Berliner sind jetzt nur noch einen Punkt von einem Abstiegsplatz entfernt, und die Tendenz spricht gegen sie. Oder wie es Torhüter Thomas Kraft formulierte: "Es geht einfach nicht, dass wir uns mit einem 0:5 gegen Hoffenheim in die Winterpause verabschieden und dann mit so einer Leistung wieder starten. Es funktioniert einfach nicht bei uns. Wir müssen uns hinterfragen." Die "Berliner Morgenpost" jedenfalls titelte: "Für Hertha-Trainer Luhukay beginnt der Final Countdown."

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Ich weiß, in welchem Verein ich bin. Wenn wir gewinnen, sind wir die beste Mannschaft der Welt, wenn wir verlieren, sind wir die Katastrophe der Welt." Bayerns Trainer Josep Guardiola hat sich in München eingelebt.

Quelle: n-tv.de

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