Fußball

So läuft das Duell gegen Klopp Hoeneß zieht zurück, der FC Bayern nicht

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Von wem bekommt Robert Lewandowski den Ball? Auf den Außen herrscht Personalnot.

(Foto: imago/VI Images)

Um in der Champions League weiter teilnahmeberechtigt zu sein, muss der FC Bayern im Achtelfinal-Rückspiel den FC Liverpool besiegen. Das hat Coach Niko Kovac prima erkannt. Aber "Holla die Waldfee" geht das nicht. Ein Thema bleibt indes der Bundestrainer.

Worum geht's?

Als Luis García, ehemaliger Spielmacher des FC Liverpool, und Laura Georges, einst angestellte Abwehrspielerin beim FC Bayern, den Fußballern aus München am 17. Dezember in der Uefa-Zentrale im schweizerischen Nyon das Champions-League-Achtelfinallos FC Liverpool zukugelten, da ging es für die Bayern eigentlich nur darum, eine möglichst erfolgreiche Debakelvermeidungsstrategie zu ertüfteln. Kaum wuchtresistent schien damals das aus dem gerade erst überwundenen Krisenherbst neu gegossene Fundament des nüchternen Münchener Ergebnisfußballs. Und zu wuchtig zelebrierten die "Reds" ihre Gegner in der Premier League im Akkord vom Rasen. In einer Saison in der bei den Münchenern bis dahin irgendwie nichts so richtig funktionieren wollte - erfolgreicher Fußball, schöner Fußball, zufriedenheitstiftende Rotation, Pressekonferenzen - wirkte auch der legendäre Bayern-Bonus außer Dienst gestellt. Mit dem Team von Jürgen Klopp, da waren sich Sportler, Trainer, Experten und Medien einig, erwischte der deutsche Rekordmeister jetzt auch noch das härteste Los - in der ersten K.-o.-Runde. So sad. Und nun? Nun, knapp drei Monate später, ist alles ganz anders: Statt sich nach dem Hinspiel jetzt wie zur maximalen Peinlichkeit blamierte Schalker zu fühlen, kämpft die wieder zu Kräften gekommene Mannschaft von Coach Niko Kovac mit den etwas weniger wuchtig auftretenden Liverpoolern auf Augenhöhe um den Einzug ins Viertelfinale.

Wie ist die Ausgangslage?

Nun, sie ist Interpretationssache. Faktisch steht da ein 0:0. Man kann sich jetzt daran erfreuen, den erwarteten Heavy-Metal-Sturm im Hinspiel clever, reif und erfolgreich, ohne Hirnwippen und quälenden Kater wegverteidigt zu haben. Man kann sich allerdings auch darüber ärgern, die improvisierte Innenverteidigung der Reds mit dem wackeligen Ex-Schalker Joel Matip und dem ungelernten Brasilianer Fabinho nicht ausreichend gefordert zu haben, um eben doch auf das so wichtige Auswärtstor zu gehen. So sieht's auch Liverpools bester Torjäger aller Zeiten, Ian Rush. Im Interview mit dem "Kicker" sagte der Waliser: "Wichtig sind Auswärtstore, deshalb bin ich mit dem 0:0 zufrieden. Bei einem 2:1-Heimsieg würde ich mir etwas mehr Sorgen machen."

Wie ist der FC Bayern drauf?

Abgesehen davon, dass sie fachlich und in der Stilfrage doch sehr "irritiert" sind von den Entscheidungen und Handlungen von Deutschlands wichtigstem Übungsleiter, von Bundestrainer Joachim Löw, war die Laune in dieser Saison wohl noch kaum besser. Nach zwölf Siegen aus den vergangenen 13 Ligaspielen, nach den Statement-Siegen bei Borussia Mönchengladbach (1:5) und gegen den VfL Wolfsburg (6:0) und nach dem gehypten Remis in Liverpool vermutet Sportdirektor Hasan Salihamidzic seine Bayern in der "besten Phase" und das genau "zum richtigen Zeitpunkt." Über die Spiele als Manuel Neuer mal nicht wie Manuel Neuer gehalten hat, redet niemand mehr. Auch nicht über das unerklärliche Abwehrverhalten, das einst Fortuna Düsseldorfs Dodi Lukebakio drei Tore in der Münchener Allianz-Arena ermöglichte. Stattdessen reden sie nun alle über Javi Martinez, den plötzlich spielentscheidenden Spielzerstörer. Sie reden über James Rodriguez, den kolumbianischen Spielmacher mit der offenen Zukunft, der mit dem Ball Sachen machen kann, die wundersam einfach und stets gefährlich wirken. Sie reden auch wieder gut über die neuen Ex-Nationalspieler Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels, die ihre vornehmlichen Aufgaben in der Raumdeutung und -beschaffung (Müller) sowie defensiven Verdichtung und Zweikampfführung zuletzt auf höchstem Niveau erledigten. Und sie reden natürlich auch über Robert Lewandowski, ihren Stürmer, der endlich mal ein Knockout-Spiel für die Bayern gewinnen soll.

Diesen Ritterschlag möchte sich auch Coach Kovac verdienen. Angeschossen nach der ersten Halbserie hat er sich reichlich korrigiert - seine Art gegenüber der Mannschaft, seine Spielidee, seine gut gemeinte Rotation. Drohte im vergangenen Herbst noch das schlimmste Krisenjahr seit Erich Ribbeck 1991/1992, bewegt sich Kovac nun sicher über das erfolgsgierige Münchener Terrain. Nicht geliebt für seinen Fußball, respektiert aber für seine Konsequenz und seinen Erfolg. Und ein Triumph über Klopp würde für den Königsklassen-Debütanten wohl den endgültigen Durchbruch in München bedeuten. "Jedes K.-o.-Spiel bringt eine Anspannung mit sich. Das ist ein Highlight-Spiel." Eine Erkenntnis, die der Coach auch bei seiner Mannschaft bemerkt: "Der Wille und die Begeisterung der letzten Wochen zeigen mir: Je näher das Saisonende kommt, desto fokussierter und mental stärker werden diese Spieler."

So könnten sie spielen

FC Bayern: Neuer - Rafinha, Boateng, Hummels, Alaba - Martínez, Thiago - Gnabry, James, Ribéry - Lewandowski

FC Liverpool: Alisson - Alexander-Arnold, Matip, van Dijk, Robertson - Henderson - Wijnaldum, Fabinho - Salah, Roberto Firmino, Mané

Schiedsrichter: Daniele Orsato (Italien)

Allerdings ist die bayrische Glücksseligkeit nicht immun vor Sorgen. Der Trainer muss personell arg improvisieren. Auf den offensiven Außen, über die Lewandowski in Position gebracht werden soll, herrscht Personalnot. Arjen Robben fehlt weiter verletzt. Thomas Müller ist gesperrt. Kingsley Coman ist nach einem Muskelfaserriss nicht absolut fit. Neben Serge Gnabry (rechts) spricht also vieles für den Startelf-Einsatz von Franck Ribéry (links). "Solche Spiele braucht Franck. Er kann dem Spiel mit seinem Namen und Können den Stempel aufdrücken", so Kovac. Auch in der Abwehr gibt's eine Position neu zu justieren, die des Rechtsverteidigers. Joshua Kimmich ist ebenfalls gesperrt. Rafinha wäre der erste Ersatz. Boateng könnte es auch machen. Die Mitte wäre dann mit Niklas Süle und Hummels besetzt. Gedankenspiele. Die zentrale Aufgabe der Defensive besteht egal in welcher Konstellation darin, die konterstarke Reds-Offensive mit Mohamed Salah, Roberto Firmino und Sadio Mané zu frustrieren. "Der FC Liverpool ist für mich die mit Abstand stärkste Mannschaft im Umschaltspiel", sagte Kovac. Deswegen ist es auch so: "Wir können nicht erwarten, dass wir die Maske abreißen und Holla die Waldfee nach vorne marschieren und vielleicht ins Verderben." Und trotzdem werden sie angreifen. Alles andere ist keine Option.

Wie läuft's beim FC Liverpool?

Nun, Jürgen Klopp steht zunehmend in der Titel-Bringschuld. Und das macht ihn offenbar nervös. Bei der Pressekonferenz vor dem Rückspiel changierte er am Dienstagabend zwischen Gereiztheit und seiner typisch jovialen Klopp-Attitüde. "Druck? Wir kriegen nichts mit von dem Druck, du spürst das nicht. Die Stimmung ist ausgesprochen gut." Dennoch: Dieser Abend in München wird für Klopp wegweisend. "Sollten sie ausscheiden und auch diesmal nicht Meister werden, kann sich die Stimmung drehen", sagt Dietmar Hamann der "Süddeutschen Zeitung". Bei den Reds werde Klopp nicht an Gerard Houllier oder Rafa Benitez gemessen die Europapokale in die Klub-Regale stellten. Nein: "Sie vergleichen ihn mit Bill Shankly und Bob Paisley." Also mit jenen Legenden, die den Verein erst erweckten (Shankly, 1959-74) oder eine Ära der Dominanz prägten (Paisley, 1974-83). So schreibt es der Sportinformationsdienst. Noch vor Weihnachten schien es, also wäre Klopp in seiner vierten Saison an der Anfield Road der erhoffte Erlöser, der Mann, der die seit 1990 klaffende Meisterschaftswunde endlich schließen könne. Doch aus sieben Punkten Vorsprung auf Manchester City ist ein Ein-Punkte-Rückstand geworden. Und nun droht nach der wackeligen Vorrunde auch in der Königsklasse der frühe Knockout.

Worauf es beim FC Liverpool in München ankommt und welche fatale Abhängigkeit ist in der Mannschaft von Jürgen Klopp gibt, das hat der Kollege Hendrik Buchheister hier aufgeschrieben!

War sonst noch was?

Allerdings! Der Bundestrainer kommt! Persönlich! Nach München! Und das nur acht Tage (inklusive Zwischenstop beim deutschen Ligagipfel zwischen dem SC Freiburg und Hertha BSC) nachdem er drei verdiente Weltmeister des FC Bayern per Blitzbesuch und Blitzgespräch in den Ruhestand versetzt hatte. Sehr zum Ärger der Spieler, der meisten unserer ntv-Leser und der Münchener Klub-Oberen mit Ausnahme von Uli Hoeneß. Nun ist es aber freilich nicht so, dass der Präsident des FC Bayern dem Bundestrainer nicht auch gerne seine Meinung offenbaren möchte. Nur ist sich Hoeneß augenscheinlich nicht sicher, in welcher Form. Nachdem in den vergangenen Tagen mehr schweigend als sagend ein öffentliches Statement für die Zeit nach dem Liverpool-Spiel angekündigt hatte, heißt es nun: "Wenn es mir gelingen sollte, mit ihm am Mittwoch unter vier Augen zu sprechen, wäre mir das am liebsten."Warum nun das? Es sind die heftigen Reaktionen auf seine Aussagen, die Hoeneß nun plötzlich fürchtet. "Leider muss man es sich ein bisschen angewöhnen, weil sich die Zeiten total verändert haben. Wenn man heute Klartext spricht, dann bekommt man einen Shitstorm von teilweise sehr ungerechten Leuten", erklärte er dem "Bayrischen Rundfunk". Dagegen könne man sich nicht wehren. "Da ich nicht im Netz unterwegs bin, bekomme ich die volle Breitseite ab. Deshalb muss ich mir das ganz genau überlegen." Inwiefern eine persönliche Aussprache ein öffentliches Statement verändern oder hinfällig machen würde, ließ Hoeneß offen.

Quelle: n-tv.de

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