Fußball

So läuft der 33. Spieltag Tuchel: "Grenzen dramatisch überschritten"

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"Anonyme Kritik ist die unterste Schublade der Berichterstattung": Thomas Tuchel.

(Foto: imago/DeFodi)

Es geht um viel, doch beim BVB streiten sie sich vor dem vorletzten Spieltag der Fußball-Bundesliga um Thomas Tuchel. Der Trainer ist nicht glücklich - und rechnet ab: "Die Mannschaft wird auf anonymer Basis in den Schmutz gezogen."

BVB? Alles außer Fußball!

Für die Dortmunder geht es in dieser Saison durchaus noch um was, an diesem 33. Spieltag der Bundesliga zum Beispiel, an dem traditionell alle Partien zu allerbester Fußballzeit, also am Samstag um 15.30 Uhr angepfiffen werden, würden sie gerne in Augsburg gewinnen und erfolgreich den dritten Platz in der Tabelle verteidigen. Der nämlich berechtigt dazu, in der kommenden Saison direkt in die Gruppenphase der Champions League einzusteigen. Und am 27. Mai spielt der BVB im Endspiel des DFB-Pokals gegen die Frankfurter Eintracht. Und doch haben sie in dieser Woche in Dortmund und um Dortmund herum sehr viel über Trainer Thomas Tuchel gesprochen, nachdem Klubchef Hans-Joachim Watzke in einem Interview von einen "klaren Dissens" zwischen ihm und Tuchel gesprochen hatte, weil der Trainer die Neu-Ansetzung des Viertelfinales der Champions-League gegen Monaco nur einen Tag nach dem Bombenattentat auf sein Leben und das seiner Spieler kritisiert hatte.

Und nun? Antwortete Tuchel einen Tag vor dem Spiel in Augsburg auf die Frage, wie lange er denn noch in Dortmund arbeiten oder ob sein bis 2018 gültiger Vertrag gar verlängert werde: "Es wäre naiv, nach dieser Woche, in der wir eigentlich dachten, in einem ruhigen Umfeld zu arbeiten, zu sagen: Natürlich! Was spricht dagegen?" Eine Verlängerung sei "keine Urkunde oder Medaille, die man einfach umgehängt bekommt. Da gibt es Gespräche auf Augenhöhe, Vereinbarungen für einen weiteren Weg. "Ich bin Arbeitnehmer und gebe alles, um die Ziele zu erreichen. Für alles andere brauchen wir ein bisschen Geduld und ein bisschen Abstand." Kurzum: "Ich weiß nicht, ob ich der richtige Ansprechpartner bin." Tuchel wirkte durchaus angefasst. Mit brüchiger Stimme und verbittertem Blick ging er auf Fragen nach seinem Gemütszustand ein. Sein Unmut richtete sich dabei auch nach außen, gegen die Medien: "Es kursieren so viele Unwahrheiten - da werden persönliche Grenzen dramatisch überschritten." Und: "Anonyme Kritik ist die unterste Schublade der Berichterstattung! Anonym angeblich Spieler zu zitieren. Wer weiß, ob das überhaupt gesagt wurde." Zwischen ihm und der Mannschaft gelte "maximales Vertrauen".

DAS RESTPROGRAMM

Zwei um Platz drei und die Königsklasse

3. Bor. Dortmund, 60 Punkte/67:36 Tore
FC Augsburg (A), Werder Bremen (H)
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4. TSG Hoffenheim, 58 Punkte/59:34 Tore
Werder Bremen (A), FC Augsburg (H)

 

Und die Sache mit der Europaliga

5. SC Freiburg, 47/40:55:
FC Ingolstadt 04 (H), FC Bayern (A)

6. Hertha BSC, 46/39:41
Darmstadt 98 (A), Bayer Leverkusen (H)
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7. 1. FC Köln, 45/47:40
Bayer Leverkusen (A), FSV Mainz 05 (H)

8. Werder Bremen, 45/55:55
TSG Hoffenheim (H), Borussia Dortmund (A)

9. Mönchengladbach, 43/42:46:
VfL Wolfsburg (A), Darmstadt 98 (H)

10. FC Schalke 04, 41/43:38
Hamburger SV (H), FC Ingolstadt 04 (A)

Tuchel bezog sich dabei auf anonymisierte Spielerzitate aus der "Süddeutschen Zeitung". BVB-Profis sollen gesagt haben, das Verhältnis zwischen Team und Trainer sei stark belastet. "Die Mannschaft wird auf anonymer Basis in den Schmutz gezogen", klagte Tuchel. "In dieser Woche ist vieles auf den Kopf gestellt worden, in einer Art und Weise, die persönlich zu weit geht. Und das in Bezug auf einen schlimmen Vorfall, bei dem ich dabei war." Sein Fazit: "Ich habe meinen Spielern Anfang der Woche gesagt, dass es mir sehr leid tut, dass unsere Leistung gegen Hoffenheim gar nicht mehr wahrgenommen wird. Das findet gar nicht mehr statt. Alles konzentriert sich auf mich. Das macht alles doppelt und dreifach schwer, jetzt in den Tunnel hineinzufinden." Er fühle "die Verpflichtung gegenüber meiner Mannschaft, meine eigenen Gefühle hintenanzustellen". Zurück zum Fußball. Unser Tipp: 1:3.

RB ambitioniert, FC Bayern feiert

Da spielt am vorletzten Spieltag der Tabellenzweite gegen den Tabellenersten - und es geht um nichts mehr. Was sagt das über die Bundesliga aus? Doch in Leipzig rennen die Menschen den Rasenballsportlern die Bude ein. Für die Partie gegen den alten und neuen deutschen Meister FC Bayern hätte der Klub angeblich 150.000 Karten verkaufen können, berichtete die "Sport-Bild". Und die "Mitteldeutsche Zeitung" will erfahren haben, dass für ein Ticket bis zu 1000 Euro verlangt werden. Das dürfte daran liegen, dass das Zentralstadion nur 42.959 Plätze hat und alle die Mannschaft sehen wollen, die sich am 32. Spieltag mit dem Sieg bei der Berliner Hertha zumindest sportlich für die Champions League qualifiziert hat.

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Sehr lustig: Thomas Müller trainiert.

(Foto: imago/MIS)

Es ist wohl so, wie es der ehemalige Nationalspieler Christoph Metzelder im Interview mit dem "Kicker" gesagt hat: "Ich sehe für Leipzig aufgrund der Euphorie in Stadt und Umfeld keine Grenzen." RB Leipzig werde sich "dauerhaft unter den Top Five Deutschlands festsetzen. Selbst wenn das Financial Fair Play exzessive Investitionen bremst und RB Leipzig mit dieser Einschränkung bereits ab Sommer klarkommen muss". Ansonsten ist es so, dass der Klub die Partie durchaus ambitioniert angeht. "Es kann keinen besseren Gegner geben, um sich neu zu motivieren und die Rechnung aus dem Hinspiel zu begleichen. Da waren wir chancenlos, das soll diesmal anders sein", sagte Trainer Ralph Hasenhüttl. Er lobte die Münchner, der Titel sei eine "Wahnsinnsleistung", sie hätten "eine fantastische Saison" gespielt, würden "ihre Vormachtstellung demonstrieren wollen und sicherlich in Bestbesetzung antreten". In der Tat hatte Thomas Müller angekündigt: "Wir wollen Leipzig zeigen, dass wir die Nummer eins in Deutschland sind." Sein Trainer freut sich angeblich auch auf das Spiel, jedenfalls sagte Carlo Ancelotti, es gehe ums Prestige, aber es werde auch ein Fest für beide Teams. "Ich hoffe, Bayern kann viele Tore schießen. Wir wollen diese Saison gut beenden und nutzen diese Zeit, um unseren Titel zu feiern." Mats Hummels werde allerdings nicht dabei sein. Der Innenverteidiger sei "müde. Er hatte in den  letzten Spielen kleine Probleme." Nächste Woche steige er wieder ein. Tipp: 1:3.

Was ist sonst noch so los?

Werder Bremen - TSG Hoffenheim: Trainer Julian Nagelsmann mag nicht daran glauben, dass die Unruhe beim BVB seinen Hoffenheimern im Kampf um die direkte Qualifikation für die Champions League nützt. "Ich bin ein Freund von einem ganz fairen Wettkampf. Am Ende soll der Dritter werden, der besser war." Am vergangenen Spieltag hatte die TSG bei den Dortmundern verloren, die deshalb zwei Punkte Vorsprung haben. Die Bremer hoffen derweil darauf, in der kommenden Saison in der Europaliga spielen zu dürfen. Mit 45 Punkten hat Werder noch immer die Chance. "Wir sind der Herausforderer. Freiburg und Hertha sind die Favoriten", sagte Sportchef Frank Baumann. "Wir werden am Ende sehen, wer nach dem 34. Spieltag auf den richtigen Plätzen steht." Für Trainer Alexander Nouri wäre die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb "sensationell". Tipp: 2:2.

DAS RESTPROGRAMM

Sechskampf gegen den Abstieg

13. FC Augsburg, 36 Punkte/34:50 Tore
Borussia Dortmund (H), TSG Hoffenheim (A)

14. VfL Wolfsburg, 36/32:49
Mönchengladbach (H), Hamburger SV (A)

15. FSV Mainz 05, 34/40:51
Eintracht Frankfurt (H), 1. FC Köln (A)

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16. Hamburger SV, 34/30:59
FC Schalke 04 (A), VfL Wolfsburg (H)

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17. FC Ingolstadt 04, 30/34:55
SC Freiburg (A), FC Schalke 04 (H)

18. Darmstadt 98, 24/26:59
Hertha BSC (H), Bor. Mönchengladbach (A)

FSV Mainz - Eintracht Frankfurt: Trainer Martin Schmidt stemmt sich zwar mit seinen Mainzern gegen den Abstieg, zumindest aber schläft er gut ein: "Wir arbeiten hier intensiv. Wenn ich abends heimkomme, falle ich um wie ein Klotz." Nur in der Frühe, "wenn es dann dämmert, grübelt man schon und macht sich Gedanken". Das Ergebnis: Wir wollen und müssen gewinnen. Wir müssen Risiko eingehen, aber mit Bedacht nach vorne spielen." Das ist von daher ein guter Plan, als dass es stimmt, was er sagt: "Wenn wir die beiden Spiele gewinnen, können die anderen Resultate sein, wie sie wollen." Tipp: 2:0.

Bayer 04 Leverkusen - 1. FC Köln: Nachdem Leverkusens Stefan Kießling vor zwei Wochen den protestierenden Fans am Zaun versprochen hatte, im Kampf gegen den Abstieg die "Scheiß-Kölner" zu schlagen, sind nun alle bemüht, die Gemüter zu beruhigen. Kießling bat um Entschuldigung und Kölns Trainer Peter Stöger ist nicht nachtragend: "Wir haben den Satz relativ schnell abgearbeitet. Er war da in einer Stresssituation und hat einen Spruch rausgelassen, den er vor dem Mikro so nicht gesagt hätte. Wir legen das nicht auf die Goldwaage." Wichtiger sei, dass der Effzeh mit der ersten Europapokalteilnahme seit 25 Jahren einen "großen Traum" vor Augen habe: "Da benötigt man nicht die zusätzliche Motivation, dass es ein Derby ist." Derweil sorgt sich Ex-Nationalspieler Michael Ballack um seinen Ex-Klub aus Leverkusen: "Wenn die Angst erstmal mit in der Kabine sitzt, wird's für vermeintliche Spitzenmannschaften besonders gefährlich." Tipp: 1:2.

SV Darmstadt 98 - Hertha BSC: In Darmstadt lassen sie sich trotz des Abstiegs die Laune nicht verderben. Und so antwortete Präsident Rüdiger Fritsch dem Hessischen Rundfunk auf die Frage, ob es womöglich falsch war, vor der Saison den inzwischen längst entlassenen Trainer Norbert Meier zu holen: "Ein klassischer Fehler wäre es gewesen, wenn wir anstatt eines Fußballlehrers Norbert Meier einen Klavierlehrer Erwin Hotzenplotz geholt hätten." Und die Berliner? Die haben zwar ihre jüngsten neun Auswärtsspiele verloren, spekulieren aber immer noch auf die Europaliga. Trainer Pal Dardai sagt: "Wir haben noch zwei Spiele. Wir brauchen nicht zu heulen, wir sind immer noch da oben. Die Spieler wissen: Wenn wir vier Punkte holen, schaffen wir etwas Schönes. Sonst haben wir es nicht verdient." Tipp: 1:0.

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Hochmotiviert: Christian Streich.

(Foto: imago/Team 2)

SC Freiburg - FC Ingolstadt: Ein Sieg im letzten Heimspiel dieser Saison, und die Freiburger würden ihren fünften Platz festigen und der Europaliga noch näher kommen. "Wir sind hochmotiviert", sagt SC-Trainer Christian Streich. "Die Zielsetzung ist, dass wir gewinnen." Für den Tabellenvorletzten aus Ingolstadt geht es darum, das fast nicht mehr Mögliche doch noch zu schaffen. "Wir gehen davon aus, dass wir sechs Punkte brauchen und damit auf den Relegationsplatz rutschen, im Idealfall gar auf einen Nichtabstiegsplatz", sagt Trainer Maik Walpurgis. Tipp: 2:1.

VfL Wolfsburg - Borussia Mönchengladbach: Es ist ja so: Gewinnen die Wolfsburger gegen Mönchengladbach mit Ex-Trainer Dieter Hecking, und patzt die Konkurrenz, könnte bereits am Samstag gegen 17.20 Uhr feststehen, dass der VfL nicht absteigt. Aber damit mag sich Trainer Andries Jonker nicht beschäftigen, zumindest nicht öffentlich: "Das macht doch keinen Sinn. Die Gegner überraschen jede Woche, positiv wie negativ. Wir gehen von keiner Hilfe aus. Wir versuchen, Schritt für Schritt mit ihm zu gehen. Ob es für Samstag reicht, weiß ich nicht." Sein Kollege Hecking wird übrigens vor der Partie noch mal offiziell verabschiedet: "Es war eine Superzeit in Wolfsburg. Aber am Samstag geht es nur darum, zu gewinnen und die Chance zu wahren, international wieder dabei zu sein." Tipp: 2:1.

Der n-tv.de-Geheimtipp

Der Hamburger SV wittert seine Chance: "Die Launenhaftigkeit von Schalke 04 ist eine Chance für uns." Gesagt hat das Heribert Bruchhagen der Funke Mediengruppe. Er ist seit 27 Jahren Mitglied beim Klub aus Gelsenkirchen - und seit Mitte Dezember Vorstandsvorsitzender der HSV Fußball AG. Was er damit sagen wollte: Seine Mannschaft sollte doch bitteschön mal wieder gewinnen, steht sie doch auf dem drittletzten Tabellenplatz. Für die Schalker hingegen geht es um - nichts.

Im Grunde ist das für die Hamburger eine gute und schlechte Nachricht zugleich. Vielleicht lassen sich die Gastgeber hängen, jetzt, wo es quasi definitiv nichts wird mit dem Europapokal in der kommenden Saison. Vielleicht aber klappt jetzt auf einmal alles, der Druck ist ja weg. Trainer Weinzierl sagt: "Es ist klar, dass wir auf Wiedergutmachung aus sind." Und Mittelfeldspieler Leon Goretzka, einer der Besten, versprach: "Wir wollen den Anhängern noch mal zeigen, dass es Spaß macht, Schalke-Fan zu sein. Ich für meinen Teil werde mir den Arsch aufreißen, damit sie einen geilen Abschied haben." Das ist ein super Motto für die Hamburger, die auch im 54. Jahr in der Bundesliga lieber nicht absteigen wollen. Spaß macht der Kampf nicht. "Die Lebensqualität nimmt rapide ab", sagt Trainer Markus Gisdol. Immerhin ist der Klub so etwas wie Stammgast in der Relegation, 2014 und 2015 hat er sie überstanden. Und immerhin können die Hamburger definitiv den direkten Abstieg verhindern, wenn sie am Samstag nicht weniger Punkte holen als Ingolstadt. "Es spitzt sich jetzt noch einmal zu. Aber es kann uns helfen, dass wir wissen, wie wir diese Situation meistern können", sagte Gisdol. Sein Plan: "Wir versuchen, Mut, Zuversicht und Freude zu vermitteln. Das fehlt manchmal, wenn der Druck auf den Schultern lastet." Vielleicht ist das die Chance. Tipp: 2:0.

Wer spielt das beste Phrasenschach?

"Gucken Sie mal zum VfL Wolfsburg. Da sind 10.000, 15.000 Zuschauer, wenn sie Bundesliga oder Champions League spielen. Das ist bei uns öffentliches Training." Wolfgang Dietrich, Präsident des Zweitligisten VfB Stuttgart, stichelt auf einer Veranstaltung der "Stuttgarter Nachrichten" ein wenig.

Quelle: ntv.de

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