Fußball

Lehren des 14. Buli-Spieltags Und plötzlich wackelt Paris St. Germain

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Eine Niederlage bei Racing Straßburg hinterlässt auch bei einem Superstar wie Paris' Kylian Mbappe Spuren.

(Foto: REUTERS)

Der FC Bayern windet sich souverän aus seiner Minimini-Krise und erfreut sich dabei an fast jedem seiner Fußballer. BVB-Trainer Peter Bosz bekommt eine Alles-kann-nichts-muss-Jobgarantie. Und beim Effzeh wollen sie einen Anfang.

Der FC Bayern begeistert sich für das Wunder

Sollte Sportdirektor Hasan Salihamidizic den Franzosen Stéphane Bahoken nicht kennen, wir verzeihen es ihm (anders freilich als im Fall Thomas Lemar). Denn weder dessen Ex-Klubs ASPTT Grasse, RC Grasse, OGC Nizza, der FC St. Mirren oder Racing Straßburg sind Vereine, bei denen sich der FC Bayern für gewöhnlich das Fundament für eine sportlich weiterhin erfolgreiche Zukunft zusammenklöppelt. Dennoch ist Bahoken ein Mann, mit dem sich die Münchener kurzfristig mal beschäftigen sollten. Denn der Stürmer hat am Samstagabend gezeigt, wie einfach es ist, die Milliarden-Yuppies von Bayerns Champions-League-Gruppenendspiel-Gegner Paris St. Germain (Dienstag, ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) zu übertöpeln. Wir zitieren aus unserem Ticker-Kommentar: "Das Stade de la Meinau ist ein Vulkan - und Bahoken leitet die Eruption ein! Nach einem langen Ball von Keeper Kamara leitet da Costa die Kugel geschickt auf rechts weiter, wo Bahoken Dani Alves ausbeschleunigt und alleine auf Areola zuläuft, bevor er das Spielgerät unfassbar genial aus acht Metern ins kurze Eck unter die Latte schweißt."

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Der neue "King" begeistert die Bayern.

(Foto: dpa)

Nun ist es schon häufiger mal vorgekommen, dass große Mannschaften bei kleineren verlieren. Mal weil sie Spieler schonen (in Straßburg spielte allerdings von den Unersetzlichen nur Edinson Cavani nicht), mal weil der Fokus woanders ist. Aber irgendwie schrillt diese Niederlage lauter als eigentlich nötig. So warnt "Le Parisien" das PSG-Ensemble, "in München alles zu tun, um eine Niederlage mit vier Toren zu vermeiden". Denn genau dann würde passieren, was sie beim FC Bayern über Mats Hummels noch als "unwahrscheinlichen Wunschtraum" abtun: Eine Last-Minute-Ablösung an der Spitze der Gruppe B. Und auch wenn's bei der erfolgreichen Miniminikrisen-Bewältigung gegen Hannover 96  (3:1) am 14. Spieltag der Bundesliga, also dem Münchner Warmspielen für den Giganten-Gipfel, mitunter noch rumpelte, so euphorisierten sie sich doch gleich an zahlreichen Personalien: Am "belebenden" Rückkehrer Thomas Müller, am "großartigen Kingsley Coman", am feinfüßigen James, am zur "Normalform" zurückfindenden Jérôme Boateng und an den wieder belastbaren Kurzarbeitern David Alaba und Franck Ribéry. All das, so sagte Coach Jupp Heynckes, mache ihn "optimistisch". Und es ist ja auch so: Anders als sein Bayern-Vorgänger Carlo Ancelotti, den die Pariser Tempoburschen im Hinspiel aus dem Amt rauschten, kann Heynckes im Fall eines Debakel-Déjà-vu's nicht gefeuert werden. Denn er hat, so verriet er am Sonntag einem bayerischen Fanklub, "noch keinen Vertrag" unterschrieben. Offizielle Begründung: "Keine Zeit."

Der BVB macht's wie der Effzeh

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Hmmm..., ein Sieg gegen Real also.

(Foto: imago/Horstmüller)

Das krachende Einsteigen des Leverkuseners Wendell gegen das untere Bein von Gonzalo Castro war für Dortmunds Trainer Peter Bosz Fluch und Segen zugleich. Fluch, weil er sich für die Schadensbegrenzung Richtung Europa League bei Real Madrid am Mittwoch (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) neben dem ebenfalls gegen Bayer schwer verletzten Maximilian Philipp nun die Restkrümel seines gebeutelten Kaders zusammensuchen muss. Segen, weil die couragierte Leistung in Überzahl - Wendell bekam die rote Karte gezeigt - zum 1:1 dem Niederländer vorerst den Job rettete. BVB-Sportdirektor Michael Zorc erklärte hinterher: "Wir wollen den Turnaround mit Peter Bosz schaffen." Für die Kollegen der "WAZ" ist das verklausuliert nichts anderes, als dass, was der 1. FC Köln in den vergangenen Wochen mit Nun-Ex-Coach Peter Stöger veranstaltet hat. Nämlich eine Alles-kann-nichts-muss-Jobgarantie. In deren Analyse heißt es: "Zorc hat gesagt, dass man den Turnaround mit Peter Bosz schaffen will. Aber nicht: dass man es mit ihm schaffen wird. Er sagte auch, dass man mit Peter Bosz gemeinsam die Spiele gegen Real Madrid und Bremen erfolgreich gestalten will. Aber nicht: alle Spiele bis zur Winterpause." Diese Zwischentöne hat offenbar auch der angeschlagene Trainer aus den Worten Zorcs herausgehört und vermutlich ziemlich ernüchternd festgestellt: "Wir brauchen einen Sieg für die Wende - auch gegen Real Madrid."

Die Schalker verzeihen Goretzka alles

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So nüchtern Domenico Tedesco in den vergangenen Tagen über das Jahrhundertwunder von Dortmund sprach, so angefressen war der Schalker Trainer nach der Post-Derby-Ernüchterung gegen den Effzeh aus Köln: "Wir haben uns heute mehr vorgenommen, auch spielerisch. Wir hatten in der ersten Halbzeit viele Ballverluste und haben Köln dadurch stark gemacht." Die nahmen die Aufbauhilfe Ruhrpott dankend an, ebenso wie den "Witzelfmeter" nach einem Handspiel von Benjamin Stambouli, und stellten nach solider Leistung und zweimaligem Rückstand noch auf 2:2. Nun, so richtig übel nahmen die Fans den "Königsblauen" die kleine Erfolgsdelle nicht, denn Derbyheld bleibt nunmal Derbyheld. Komme was wolle - selbst ein Kopfstoß. Den leistete sich der öffentlichen Wahrnehmung nach Leon Goretzka gegen Salih Özcan. Aber um mögliche Vergleiche mit der französischen Kopfstoß-Legende Zinedine Zidane direkt zu entkräften, erklärte der gebürtige Bochumer: "Es sieht unglücklich aus. Aber es war ein ganz normaler Zusammenstoß, sicherlich keine Absicht." Eher ein "impulsives Aufstehen". Die TV-Bilder lassen durchaus eine andere Interpretation zu. Nicht aber die Schalker, und so sah auch Coach Tedesco keinen Grund zur Aufregung: "Wir müssen da aus einer Mücke auch keinen Elefanten machen." Nachsicht aus Vorsicht nennt man so etwas wohl, denn noch immer hoffen sie auf Schalke, dass sich der Nationalspieler nicht einfach so (noch nicht mal gegen eine Ablöse) vom Hof macht. Was den Königsblauen Mut machen darf: "Um Geld" geht es dem wild umworbenen Spielmacher nicht. Sondern: "Ich muss für mich selbst herausfinden, was für mich der nächste Schritt sein soll. Ich bin ein Mensch, der so etwas sehr akribisch macht und alle Szenarien im Kopf durchspielt." Sollte es um Liebe gehen: Auf Schalke wäre er aktuell wohl am besten aufgehoben.

Das chronische Leiden der Hoffenheimer mit dem FC Bayern

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Spitzenkraft dank Hinterntritten: Serge Gnabry.

(Foto: imago/Sportfoto Rudel)

So schön Tore wie der erfolgreiche 43-Meter-Heber von Serge Gnabry beim rauschhaften 4:0-Erfolg der TSG Hoffenheim gegen grottige Leipziger auch sein mögen, für jeden Menschen, der dem Dorfklub auch nur in irgendeiner Weise zuneigt ist, sind sie ganz bittere Stiche ins Herz. Denn mit jedem kleinen Griff ins Schmankerlregal sinken die Chancen, dass der Verantwortliche fürs Ansehnliche in der kommenden Saison noch für die Kraichgauer und nicht für den FC Bayern spielt - siehe Sebastian Rudy, der seit dem Sommer in München seine wunderschönen Pässe an den Mann bringt. Oder Niklas Süle, der ebenfalls seit dem Sommer wuchtig durch die Münchner Arena grätscht. Oder Sandro Wagner, der vermutlich ab dem Winter die Bälle mit allem was er hat für die Heynckes-Elf über die Linie drückt. Und Gnabry? Der geht auch nach München, schließlich gehört er dem FC Bayern und will dorthin dringend zurück. Was sein Coach übrigens für nicht angemessen hält, er findet: "Wenn er bei dem Verein spielen will, dem er gehört, muss er mehr machen." Denn der Dribbler braucht offenbar immer mal wieder einen "Tritt in den Hintern". Oder fußballerisch korrekter und konkreter ausgedrückt: "Wenn er eine Aktion hat, kommt meistens etwas Gutes dabei raus. Man muss ihm nur oft sagen, dass er eine Aktion machen soll." Ob die ungewöhnliche Motivation den Angreifer im Kraichgau hält? Eher nicht. Weswegen Nagelsmann das bittersüße und chronische Schicksal mit verzweifeltem Humor kommentiert: "Ich würde vieles gern. Ich hätte auch gerne Sebastian Rudy, aber haben wir auch nicht. Ich hätte auch gerne Messi, haben wir auch nicht." Aber vielleicht hat ja Nagelsmann im Sommer doch wieder Rudy und Gnabry und Süle und Wagner. Er baut ja längst an seiner Münchner Zukunft.

RB Leipzig versagt im Kollektiv und macht sich Mut

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Das gefrustete Verlierer-Kollektiv.

(Foto: imago/Michael Weber)

Ein verpatzte Generalprobe, so sagt man, sei gut für die Premiere (in Paris sehen sie das offenbar anders, siehe oben). Die Premiere aus Leipziger Sicht ist das finale Gruppenspiel in der Champions League gegen Besiktas Istanbul inklusive der kleinen Chance aufs Weiterkommen. Und wenn die Steigerung der Volksmund-Weisheit wäre, je verpatzter die Probe, desto besser die Premiere, dann wird's am Mittwochabend (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) großartig. Denn in Hoffenheim war's fürchterlich. Mit 0:4 gingen die Sachsen unter und bescherten ihrem Sportdirektor Ralf Rangnick eine extrem frustrierende Rückkehr in den Kraichgau, wo er immer noch als erfolgreichster Trainer der Klubgeschichte gelistet ist. "Wir haben schon alle ein bisschen versagt", sagte Ersatzkapitän Diego Demme und mahnte: "Wir müssen die Fehler schon aufarbeiten, dann das Spiel aber auch schnell abhaken. Es ist klar, dass am Mittwoch fast alles besser werden muss." Das fand auch Trainer Ralph Hasenhüttl, der seinen Schützlingen ganz schlechte Noten aufs Zeugnis schrieb. "Ich habe nicht viel Gutes gesehen. Wir waren kein ebenbürtiger Gegner. Egal, was wir versucht haben, die Spieler haben ganz oft die falsche Entscheidung getroffen. Wir waren ungeduldig, überhastet, einfach nicht souverän." Was das nun aber heißt? Die Antwort gibt Stefan Ilsanker: "Das war sehr enttäuschend, aber für das Besiktas-Spiel sagt das gar nichts. Das ist ein anderer Wettbewerb." Und ohnehin war's ja auch nur die Generalprobe.

Der Effzeh setzt alles auf Anfang

Hat der 1. FC Köln nun mit der Entlassung von Peter Stöger endlich alle Possen hinter sich gelassen? Vielleicht. Zumindest setzt die Klubführung alles auf Anfang. Was namentlich-wörtlich zu nehmen ist, denn das immer noch sieglose Schlusslicht buhlt offenbar um Markus Anfang. Der war als Spielmacher solide unterwegs, unter anderem bei Fortuna Düsseldorf, beim FC Schalke 04, beim 1. FC Kaiserslautern und dem MSV Duisburg, sorgt aber als Trainer für reichlich Aufsehen. Und zwar mit Holstein Kiel. Für alle Nicht-unterklassig-Bewanderten: Der Klub ist als Aufsteiger Tabellenführer der 2. Liga und spielerisch durchaus ambitioniert für mehr. Und diesen Anfang, den haben die Kölner offenbar auf ihrer Liste, beziehungsweise nach "Express"-Informationen bereits kontaktiert. Was aus Kiel (nicht von Anfang) erst dementiert und inzwischen süffisant kommentiert wird. "Wenn ein Verantwortlicher irgendeines anderen Vereins meint, unseren Trainer aus seinem bestehenden Vertragsverhältnis vorzeitig auslösen zu wollen, dann wird das nicht für kleines Geld möglich sein. Bei der derzeitigen Marktlage werden wir unseren Trainer unter zehn Millionen Euro nicht abgeben", ließ Präsident Steffen Schneekloth via "Sportbuzzer" wissen. Keine abwehrenden Töne gibt's dagegen zur zweiten hoch gehandelten Personalie aus Köln. Wie der "Stadtanzeiger" berichtet, soll der einst in Hamburg beim HSV einst als "Dukaten-Didi" sehr verehrte Dietmar Beiersdorfer neuer strategischer Baumeister am Rhein werden. "Wir haben seit sechs Wochen mit mehreren Namen gesprochen. Wir haben den Kandidaten zugesichert, ihre Namen nicht zu kommentieren", sagt Geschäftsführer Alexander Wehrle. Soviel Diskretion beim Effzeh? Verrückt.

Quelle: n-tv.de

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