Technik

Cam Plus und 360 Cam im Test Clevere Foto-Extras mit Rundumblick

360-cam-cam-plus-1.jpg

Die 360 Cam und Cam Plus - LG hat Hobbyfotografen im Visier.

(Foto: jwa)

In Korea tüftelt LG an der Zukunft der Smartphone-Fotografie. Als Zubehör zum Flaggschiff G5 gibt es den cleveren Kamera-Griff Cam Plus und die Rundumkamera 360 Cam. Im Test von n-tv.de zeigt sich, was beide drauf haben.

LG hat in diesem Jahr ambitionierte Hobbyfotografen und Freizeitfilmer im Visier. Das LG G5 hat eine Doppelkamera mit zusätzlicher Weitwinkel-Linse, doch das ist nicht alles. Das Kamera-Modul Cam Plus soll den Handy-Akku erweitern und erleichtert mit Extratasten und Zoomrad das Knipsen und Filmen. Die Rundumkamera 360 Cam filmt Videos mit 180- oder 360-Grad-Ansicht. Ist LG damit der neue Freund der Hobbyfotografen, oder scheitern die ambitionierten Geräte im Alltag?

Mehrwert durch Extra-Tasten

Dass ein neues Produkt nicht immer hält, was es verspricht, bewies zuletzt die erste VR-Brille von LG, die nicht nur im Test von n-tv.de durchfiel. Das Kamera-Modul Cam Plus muss also deutlich mehr leisten, um zu überzeugen. Der Aufsatz, der an die Unterseite des G5 gesteckt wird, soll Hobby-Knipsern auf ihren Fotosafaris gute Dienste leisten, doch im Praxistest zeigen sich auch hier schnell Schwächen. Immerhin: Der Wechsel zum Kamera-Aufsatz geht schnell und problemlos, einmal angedockt sitzt er fest am Smartphone, nach einem Neustart ist das Handy flott wieder startklar und die Kamera schnell bereit.

Größter Mehrwert sind die Hardware-Bedienelemente: Eine runde Taste startet die Videoaufnahme, daneben ist ein zweistufiger Auslöser für Fotos. Ein Zoomrad hilft beim Heranholen von Details, ein kleiner Schieber an der Handy-Unterseite startet die Kamera auch aus dem Standby. Der Griff ist so gestaltet, dass man auch mit einer Hand fotografieren kann. Nützlich zudem: Im Cam Plus steckt ein Akku mit 1200 Milliamperestunden für mehr Laufzeit beim Knipsen.

Schwächen bremsen Freude

360-cam-cam-plus-2.jpg

Die Hardware-Tasten beim Cam-Plus-Modul sind praktisch.

(Foto: jwa)

Das Potenzial für eine nützliche Erweiterung ist also da, doch die Schwächen des Knipser-Moduls bremsen die aufkommende Freude schnell: Das Zoomrad dreht sich stufenlos, doch das Bild vergrößert sich nur ruckartig, was vor allem in Videos nervt. Stufenlos zoomen können Nutzer nur mit zwei Fingern auf dem Display - ob man den digitalen Zoom aber überhaupt nutzen sollte, ist eine andere Frage.

Der zweistufige Auslöser hilft beim Fokussieren - allerdings nur in der Bildmitte. Wählt man mit dem Finger eine andere Stelle und drückt dann den Auslöser, springt der Fokus automatisch in die Mitte zurück. Das ist lästig und zwingt dazu, doch wieder den Touchscreen zu benutzen. Enttäuschung birgt auch der Zusatzakku: Als Saftspender für Extralaufzeit taugt er nur bedingt, denn er wird nur dann angezapft, wenn die Kamera in Betrieb ist. Unterwegs den Handyakku aufladen geht mit dem 100 Euro teuren Zusatzmodul also nicht.

360 Cam ist fast rundum gelungen

Gelungener ist die Rundum-Kamera 360 Cam, die Fotos und Videos mit 360-Grad-Blickwinkel aufnimmt. Das Gehäuse ist klein und kompakt, die Verarbeitung gut und hochwertig, die Bedienung mit nur zwei Tasten denkbar einfach. Neben der An-Aus-Taste gibt es nur einen Aufnahmeknopf - ein kurzer Druck nimmt ein Foto auf, lange Drücken startet die Videoaufnahme, die pro Clip auf 20 Minuten begrenzt ist.

Für mehr Kontrolle empfiehlt es sich, die App "360 Cam Manager" zu installieren. Dafür braucht es ein Android-Smartphone mit Version 5 oder höher. Ähnlich wie bei anderen Action-Kameras auch bietet die App ein Sucherbild und erweiterte Einstellungsmöglichkeiten, zum Beispiel zur Auflösung und zum Sound. Außerdem kann die Kamera aus der Ferne ausgelöst werden. Die Reichweite beträgt ungefähr 10 bis 15 Meter. 

Auflösung und Bildqualität der 360-Grad-Aufnahmen überzeugen sowohl im hellen Sonnenlicht als auch in schwierigeren Situationen mit Kunstlicht. Die hohe 4K-Auflösung mit 3840 x 2160 Pixeln erreicht die Kamera aber nicht, das Maximum liegt bei 2560 x 1280 Pixeln. Der automatische Weißabgleich passt sich neuen Lichtsituationen flexibel an, ist aber manchmal etwas unentschlossen. Die Helligkeitsregulierung funktioniert flott und zuverlässig, das Bild ist stets ausgewogen belichtet.

Klasse Raumklang

Auf Wunsch kann die Kamera auch im 180-Grad-Modus mit nur einer Linse filmen und knipsen, die Ergebnisse sind aber ernüchternd: Das Bild ist unscharf und verpixelt, an schrägen Kanten sind deutliche Treppeneffekte sichtbar. Also lieber im Rundum-Blick bleiben. Videos und Fotos können auf dem Smartphone im 360-Grad-Modus angeschaut werden, in Verbindung mit einer VR-Brille fühlt sich der Betrachter leicht als Teil der Szenerie.

Dabei hilft auch die gute und klare Tonaufnahme. Der Nutzer hat die Wahl zwischen Dolby 5.1 und Stereo-Sound. Der Dolby-Surround-Klang ist dabei wirklich gut, mit Kopfhörern auf den Ohren entsteht ein echter und klar definierter Raumklang. Zum Preis von rund 280 Euro ist die 360 Cam kein Schnäppchen, aber auch nicht teurer als andere Rundumkameras.

Auch Youtube unterstützt seit einiger Zeit die Darstellung von 360-Grad-Videos. Das ist praktisch, wenn man seine Aufnahmen am PC oder auf einem beliebigen Smartphone anschauen möchte. Um ein Rundum-Video bei Youtube hochzuladen, bei dem der Nutzer durch Schwenken in alle Richtungen schauen kann, bedarf es aber einiger Vorbereitung und einer speziellen Software.

Welche Schritte dafür erforderlich sind, erklärt Google in einer Anleitung. Die 360 Cam wird laut Google nicht unterstützt, Rundum-Videos lassen sich mit der Anleitung trotzdem hochladen. Das fertige Video offenbart aber Schönheitsfehler. Die Auflösung ist zu klein für ein wirklich scharfes Bild. An den Bildrändern der beiden 180-Grad-Linsen sind zudem bauartbedingt schwarze Stellen zu sehen, das Bild geht nicht nahtlos ineinander über, Informationen gehen verloren. Ein wirklich vollkommenes 360-Grad-Bild entsteht so nicht. Auf dem Handy-Display gibt es diese Ränder freilich nicht - am besten betrachtet man die Aufnahmen also durch eine VR-Brille auf dem Smartphone.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema