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iPhone und Galaxy im Fotovergleich Hier haben Handy-Kameras keine Chance

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Das iPhone 6s hat eine gute Kamera - doch gegen eine "richtige" Knipse ist sie in manchen Fällen machtlos.

jwa

Smartphone-Kameras sind richtig gut. Manchmal können sie eine richtige Kamera aber einfach nicht ersetzen. Ein Foto-Vergleich mit iPhone 6s und Galaxy S7 zeigt klar, wo die kleinen Handy-Knipsen klein beigeben müssen.

Wer heute ein neues Smartphone kauft, wird mit großer Wahrscheinlichkeit Wert darauf legen, dass es eine gute Kamera hat. Längst sind die Handy-Knipsen zum primären Fotoapparat für viele Nutzer geworden und die Qualität der Bilder ist inzwischen auch so ansprechend, dass sie eine herkömmliche Kamera in vielen Fällen adäquat ersetzen können. Trotzdem kann ein Smartphone niemals so gut sein wie eine "richtige" Kamera - schon aufgrund der kompakten Bauweise. Wie groß die Unterschiede sind, zeigt der Foto-Vergleich eines renommierten Kamera-Herstellers.

Vorneweg: Der Vergleich stammt von Canon. Natürlich möchte das Unternehmen mit den Bildern vor allem auf seine eigenen Kameras aufmerksam machen. Doch die in München entstandenen Aufnahmen zeigen deutlich erkennbare Unterschiede, die sich ohne Weiteres auch auf die Kameras anderer Hersteller übertragen lassen.

Zum Vergleich wurden zwei Modelle aus der Powershot-Reihe (G3 X und G7 Mark II) sowie eine digitale Spiegelreflex-Kamera (EOS 80D) herangezogen. Alle Modelle genügen gehobenen Ansprüchen und kosten im Online-Handel zwischen zwischen rund 600 und 1100 Euro. Auf der Smartphone-Seite standen ein Samsung Galaxy S7 und ein Apple iPhone 6s zur Verfügung - beide zählen im angesehenen Ranking von DxOMark zu den Smartphones mit den besten Kameras auf dem Markt.

Zoomen

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Canon und iPhone im Zoom-Vergleich.

(Foto: Canon)

Im ersten Vergleichs-Szenario geht es um das Heranzoomen. Hier zeichnen sich Kompaktkameras durch einen unschlagbaren Vorteil aus: Sie haben meistens einen optischen Zoom. Damit lassen sich weit entfernte Motive nah heranholen und von Gegenständen oder Personen in der Nähe kann ein Zoom Details herauskitzeln, die sonst untergehen würden.

Smartphones haben zwar auch einen Zoom - der ist aber ohne spezielle Aufsätze nur digital. Klingt gut, ist aber relativ sinnlos, denn hier werden Bildinhalte einfach vergrößert, ein Ausschnitt also zugeschnitten, anstatt die Szenerie wirklich näher heranzuholen. Das Ergebnis ist meist Pixelmatsch und ein unbrauchbares Bild.

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Canon und Samsung im Zoom-Vergleich.

(Foto: Canon)

In den Vergleichsbildern sieht man die deutlichen Unterschiede zwischen der Kompaktkamera und den Smartphone-Bildern. Im Vergleich zwischen beiden Smartphones fällt auf, dass iPhone und Galaxy ähnlich weichzeichnen und Details verwischen. Samsungs Smartphone zoomt näher heran, betont aber die Kontraste zu stark, sodass helle Bereiche im Bild komplett ausbrennen. Das iPhone liefert eine ausgewogenere Belichtung.

Wenig Licht

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Canon und iPhone bei wenig Licht.

(Foto: Canon)

Schlechte Lichtverhältnisse sind für jede Kamera eine Herausforderung. Hier zählt nicht nur die maximale Öffnung der Blende, quasi die Pupille der Kamera. Auch die Größe des Sensors ist entscheidend für die Qualität des erzeugten Bildes. Je größer der Sensor, desto mehr Licht können die einzelnen Bildpunkte aufnehmen, und desto rauschärmer ist auch bei hohen ISO-Werten das Bild.

Der ISO-Wert entspricht der Lichtempfindlichkeit eines Filmes. Als Faustregel gilt: Je höher der ISO-Wert, desto mehr Licht kommt aufs Bild, allerdings nimmt auch das Bildrauschen zu. Ein größerer Sensor macht bei schlechtem Licht immer bessere Bilder mit präziseren Farben, schärferen Details und generell einer helleren Ausleuchtung - dagegen kann keine Software ankämpfen.

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Canon und Samsung bei wenig Licht.

(Foto: Canon)

Das Ergebnis des Vergleichs ist dann auch eindeutig: Im Schummerlicht haben Apples und Samsungs Smartphones das Nachsehen. Deutlich sichtbar ist hier aber auch der Unterschied zwischen dem iPhone 6s und dem Galaxy S7: Das Samsung-Handy kommt mit wenig Licht viel besser zurecht und liefert ein noch akzeptables Bild - Apples Knipse dagegen kommt gegen die Dämmerung nicht wirklich an.

Kurze Verschlusszeiten

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Canon und iPhone in Action.

(Foto: Canon)

Viele Smartphones bieten zwar inzwischen manuelle Modi, in denen man die Verschlusszeiten selbst bestimmen kann – also die Zeit, in der Licht auf den Sensor fällt und das Bild aufgenommen wird. Gerade bei schlechten Lichtverhältnissen kommen Smartphones aber an ihre Grenzen. Die für kurze Aufnahmezeiten erforderliche Kombination aus großer Blende und hohen ISO-Werten erledigen Kompaktkameras besser.

Auch hier ist wieder ein größerer Sensor von Vorteil. Auf den Aufnahmen ist deutlich sichtbar, wie die Smartphone-Kameras eine längere Verschlusszeit benötigten, um die Szenerie ausreichend hell zu belichten. Dadurch verschwimmt die Bewegung des Wassers und der Surfer. 

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Canon und Samsung in Action.

(Foto: Canon)

Aufgrund der verschiedenen Aufnahmewinkel und Lichtverhältnisse ist es hier schwer, einen direkten Vergleich zwischen Galaxy und iPhone anzustellen. Auffällig ist aber auch hier, dass Samsungs Handykamera Sättigung und Kontraste stärker betont und dadurch helle Bildbereiche schnell überbelichtet wirken.

Porträtfotos

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Canon und iPhone im Porträtshooting.

(Foto: Canon)

Hier kommen gleich zwei Stärken von Kompakt- oder Spiegelreflexkameras zum Tragen. Um mit einem Smartphone einen ansprechenden Unschärfeeffekt zu erzielen, muss ein Motiv extrem nah an der Linse sein - der Hintergrund verschwimmt dann.

Da die meisten Smartphone-Kameras aber ein Weitwinkelobjektiv haben, bilden sie meist Vordergrund und Hintergrund scharf ab. Zudem kommt es bei der Nahaufnahme von Objekten oder Personen zu perspektivischen Verzerrungen, die gerade bei Porträts zu unansehnlichen Ergebnissen führen können.

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Canon und Samsung im Porträtshooting.

(Foto: Canon)

Im direkten Vergleich zwischen Galaxy und iPhone sieht man bei beiden Smartphones die unschöne perspektivische Verzerrung. Samsungs Handy kommt aber mit dem hohen Dynamikunfang der Szene besser zurecht, beim iPhone 6s sind die Kontraste zu hoch. Hier liefert das Galaxy S7 die ausgewogenere Belichtung und die schönere Aufnahme.

Kompakt- und Spiegelreflexkameras können in Verbindung mit geeigneten Objektiven nicht nur schönere und stärkere Unschärfeeffekte erzeugen, auch die Farben wirken präziser und ausgewogener, der Dynamikumfang ist bei der im Beispiel verwendeten Canon 80D deutlich größer. Mittels Zoom oder eines Objektivs mit längerer Brennweite können sie zudem Personen besser abbilden. Denn mit längeren Brennweiten wirken Gesichtszüge natürlicher und weniger verzerrt. Übrigens: Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist dieses Gif mit Porträtfotos von 16-200 Millimeter Brennweite. Das Motiv bleibt im Bild immer gleich groß, doch Gesichtsform und Hintergrund verändern sich deutlich.

Apple geht beim iPhone 7 Plus einen Schritt in die richtige Richtung, die zweite Kamera bietet eine längere Brennweite, die vor allem für Porträtfotos gut geeignet ist. Der Unschärfeeffekt kann mittels Software künstlich hinzugefügt werden - ähnlich wie es andere Hersteller wie Sony, Samsung oder HTC schon länger anbieten. Dieses künstliche "Bokeh" kann den Effekt einer echten Unschärfe aber nicht ersetzen. Bis auf Weiteres gilt also: Smartphone-Kameras sind inzwischen richtig gut. In manchen Fällen aber führt kein Weg an einer "richtigen" Kamera vorbei.

Quelle: n-tv.de

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