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HarmonyOS 2.0 kommt 2021 Huawei-Smartphones bald ohne Android?

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Huawei plant nicht, beim P30 Pro Android durch HarmonyOS 2.0 zu ersetzen.

(Foto: kwe)

Hersteller Huawei kündigt an, ab dem nächsten Jahr Smartphones mit dem eigenen Betriebssystem HarmonyOS 2.0 auszustatten. Nutzer eines aktuellen Android-Geräts der Chinesen machen sich jetzt Sorgen, bald keine Updates mehr zu bekommen oder zwangsweise auf die neue Software umsteigen zu müssen. Zu Recht?

Seit die US-Regierung Huawei im Mai 2019 auf eine schwarze Liste setzte, können die Chinesen keine neuen Smartphones mehr mit Google-Diensten ausstatten. Das gilt aber nicht für Geräte, die vor dem Bann eine entsprechende Lizenz erhalten haben. Auf ihnen funktionieren bis heute der Play Store, Gmail, Maps und andere Google-Dienste problemlos. Ebenso erhalten Smartphones weiter Sicherheitsupdates oder Aktualisierungen des Betriebssystems. Doch jetzt beunruhigen Meldungen Huawei-Nutzer, wonach der Konzern im kommenden Jahr Googles Android von seinen Smartphones verbannen will. Das stimmt so allerdings nicht.

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HarmonyOS ist Huaweis Betriebssystem-Zukunft.

(Foto: Huawei)

Tatsächlich will Huawei ab 2021 von Android auf sein eigenes Betriebssystem HarmonyOS umsteigen, das bereits auf Fernsehern und anderen Geräten aus dem "Internet der Dinge" zum Einsatz kommt. Doch davon ist weder das P30 Pro, das Mate 20 Pro noch irgendein anderes Smartphone der Chinesen betroffen, das noch mit Google-Lizenz auf den Markt gekommen ist. Ein Unternehmenssprecher hat ntv.de bestätigt, dass sich an dem Update-Versprechen auch nach der Ankündigung von HarmonyOS 2.0 für Smartphones nichts geändert hat.

Bei Android 10 könnte Schluss sein

Ob Geräte noch Software-Updates erhalten, hängt wie bei anderen Android-Geräten allerdings von ihrem Alter ab. So garantiert Huawei grundsätzlich zwei große Updates des Betriebssystems und drei Jahre lang Sicherheitsupdates für seine Smartphones. Unter anderem hat kürzlich das P20 (Pro) die Aktualisierung auf Android 10 erhalten, mehr als ein Dutzend weitere Huawei-Handys kriegen die Aktualisierung noch oder haben sie schon bekommen. Ähnliches gilt für das Schwester-Unternehmen Honor. Zumindest steht das Update für die 20-er-Serie fest, auch für die Vorgänger-Generation sieht's gut aus.

Top-Geräte wie das P30 Pro oder das Mate 20 Pro sollten auch noch Android 11 erhalten - schließlich wäre dies das versprochene zweite große Betriebssystem-Update. Was das betrifft, konnte der Unternehmenssprecher ntv.de allerdings nur bestätigen, dass daran gearbeitet wird. Problematisch ist hier vor allem, dass die US-Regierung im August die Ausnahmeregelung nicht verlängerte, die Google wenigstens erlaubte, Huawei bei den Updates von lizenzierten Smartphones zu unterstützen.

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Das Huawei P40 Pro+ hat aktuell die beste Kameraausstattung, ist aber ohne Google-Dienste chancenlos.

(Foto: kwe)

Auf Twitter teilte Huawei einem Nutzer zwar mit, dies habe keine Auswirkungen auf existierende Geräte, sie erhielten weiter Sicherheits- und Software-Updates. Doch unter Software-Updates versteht Huawei nicht unbedingt Android-Updates, sondern grundsätzlich Aktualisierungen seiner auf Android basierenden Benutzeroberfläche EMUI. So könnte es sein, dass die Geräte eine Aktualisierung auf EMUI 11 erhalten, das im Kern weiter Android 10 ist. Eine entsprechende Andeutung machte auf Anfrage von ntv.de auch der deutsche Unternehmenssprecher.

HarmonyOS 2.0 für künftige Smartphones

Das jetzt bei Huaweis Entwicklerkonferenz vorgestellte HarmonyOS 2.0 für Smartphones wird kommen, das steht fest. Schließlich kann das chinesische Unternehmen auch nicht darauf hoffen, dass bei einer Niederlage Trumps im November ein US-Präsident Biden das Embargo beendet. Er würde damit das Etikett des China-Freundes bestätigen, dass ihm das Trump-Lager im Wahlkampf anzuhängen versucht.

Doch vorerst wird es von HarmonyOS 2.0 nur eine Entwickler-Version im Dezember geben, erste einfache Smartphones mit dem Betriebssystem soll es erst im April 2021 geben, Top-Geräte wohl nicht vor 2022. Bis dahin arbeitet Huawei weiter mit der lizenzfreien Version von Android ohne Google-Dienste. Die ehrgeizigen Pläne eines einheitlichen Ökosystems über alle Geräteklassen hinweg sind damit allerdings nicht möglich.

Chip-Problem noch größer

Die Software ist aber möglicherweise nicht Huaweis größtes Problem. Denn in diesem Mai verhängte die US-Regierung ein weiteres Embargo, das dem Unternehmen den Zugang zu Chips verwehrt, die auf US-Software oder -Technologie basieren. Praktisch alle Mobil-Prozessoren basieren auf dem Chip-Design von ARM. Das ist zwar eine britische Firma im Besitz des japanischen Softbank-Konzerns, sie nutzt allerdings US-Technologie und hat Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen in den Vereinigten Staaten. Auch Huaweis von Auftragsfertigern hergestellte Kirin-Chips basieren auf dem ARM-Design.

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Der chinesische Konzern hat zwar Vorräte angelegt, doch damit ist er schon bald nicht mehr konkurrenzfähig, andere Hersteller können modernere Prozessoren einsetzen. So könnte das im Herbst erwartete Mate 40 das letzte Top-Smartphone von Huawei mit Kirin-Chip sein. Der taiwanische Hersteller Mediatek hat laut Reuters zwar in den USA eine Lizenz beantragt, um für Huawei Prozessoren fertigen zu dürfen. Es gibt allerdings kaum einen Grund, warum die Trump-Regierung dies zulassen sollte.

Für ein eigenes Chip-Design fehlt den Chinesen wahrscheinlich die Software. "NZZ" zufolge stammt sie gewöhnlich von drei Unternehmen, die entweder in den USA ansässig sind oder dort ihre Wurzeln haben. Huawei soll seine Hoffnungen auf die chinesische Firma Unisoc setzen, die möglicherweise ein Chip-Design ohne US-Technologie umsetzen kann. Diversen Gerüchten nach könnte Huawei derzeit aber bestenfalls Prozessoren mit einem völlig veraltetem Design herstellen lassen.

Quelle: ntv.de