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Schlaues Gadget fürs Fahrrad SmartHalo navigiert, schützt und leuchtet

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Das SmartHalo ist Navi, Licht, Fitnesstracker und Alarmanlage in Einem.

(Foto: kwe)

Das SmartHalo ist ein Navi für die Lenkstange, das gleichzeitig als Leuchte, Alarmanlage, Fitnesstracker und Info-Assistent arbeitet. n-tv.de hat ausprobiert, ob die Kombination gelungen ist.

Es gibt inzwischen viele Möglichkeiten, ein herkömmliches Fahrrad mit dem Smartphone zu verbinden. Die simpelste Lösung ist eine Halterung, um das Gerät als Navi zu nutzen. Aber es geht auch raffinierter, beispielsweise mit dem Cobi-System. Das SmartHalo funktioniert ähnlich, aber mit einem großen Unterschied: Das Handy kann in der Hosentasche bleiben. Was das Gerät kann und wie es sich im Alltag schlägt, hat n-tv.de ausprobiert.

Sehr gute Montageanleitung

Die Montage ist vorbildlich einfach. Statt mit einer gefalteten Schnell-Anleitung in drei oder mehr Sprachen, führt die SmartHalo-App den Nutzer unkompliziert Schritt für Schritt ans Ziel. Zunächst legt man ein Nutzerkonto an und trägt eventuell persönliche Informationen für Fitness-Funktionen ein. Dann werden die Geräte gekoppelt, die Halterung montiert und schließlich das SmartHalo aufgesteckt. Das dauert insgesamt nicht länger als eine halbe Stunde - höchstens.

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Ein Druck auf die Touch-Oberfläche zeigt: Der Akku ist voll.

(Foto: kwe)

Es kommt allerdings darauf an, dass die Halterung passt. Denn mit zwei verschieden großen Gummi-Einsätzen ist sie zwar für die meisten dicken und dünnen Lenkstangen geeignet. Es könnte allerdings sein, dass der Lenkervorbau im Weg ist. Im Zweifel fragt man lieber mit einem Foto vor dem Kauf beim Support nach. Beim Test-Fahrrad gab's keine Probleme.

Wichtiger Schlüssel

Das SmartHalo sitzt sicher und fest auf seiner Halterung. Um es auf- und abzustecken, nutzt man einen magnetischen Schlüssel. Leider wird nur einer mitgeliefert, man sollte also gut auf ihn aufpassen. Die Funktion ist wichtig, denn so kann man das wasserfeste Gerät immer am Fahrrad lassen und muss es lediglich zum Aufladen vorübergehend entfernen.

Ist der Akku leer, dauert das Laden mindestens vier Stunden. Um den Ladestand zu prüfen, berührt man einfach die Touch-Oberfläche. Bis zu 20 Stunden hält das Gerät ohne Steckdose durch, bei vielen Nachtfahrten sind es wohl ein paar Stunden weniger.

Nicht immer die beste Route

Die wichtigste Funktion des SmartHalo ist die Navigation. Dazu kann man ausschließlich die integrierte Software nutzen, derzeit funktioniert das Gerät noch nicht mit alternativen Apps. Das ist der größte Minuspunkt beim SmartHalo. Denn die integrierte Navigation ist keine ideale Lösung. Grundsätzlich führt sie zwar immer ans Ziel, wobei man zwischen einer empfohlenen, der schnellsten, der flachsten oder der sichersten Strecke wählen kann. Die ermittelten Routen sind aber nicht immer ideal.

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Bei der kommenden Recht-Links-Kombination muss man gut aufpassen.

(Foto: kwe)

In Berlin vermeidet man beispielsweise tunlichst, auf der vielbefahrenen Torstraße zu radeln. Wäre auch Quatsch, da parallel eine Fahrradstraße verläuft. Das SmartHalo sieht das aber nicht so - selbst wenn man die sicherste Route fahren möchte. Im Großen und Ganzen ist die Navigation aber noch okay.

Leider gibt es auch noch keine Offline-Karten. Ohne Internetverbindung kann man sich nur per Kompass die grobe Richtung anzeigen lassen. Es soll aber besser werden, in Zukunft soll das SmartHalo Alternativen wie Komoot unterstützen.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Apps für iOS und Android nicht durchgehend übersetzt wurden und der Nutzer mit einem Mischmasch aus Deutsch und Englisch leben muss. Das ist nicht furchtbar schlimm, da die wichtigsten Punkte übersetzt wurden, wirkt aber bei einem Gerät, das immerhin 150 Euro kostet, etwas billig.

Gelungener Wegweiser

Das war's dann aber auch schon mit der Kritik, denn ansonsten ist das SmartHalo wirklich ein gelungenes Gerät. Bei der Navigation zeigt es die Richtung durch farbige LEDs an. Muss man beispielsweise nach rechts abbiegen, leuchten auf der entsprechenden Seite zunächst halbkreisförmig weiße LEDs auf, die zunehmend grün werden, je näher man der Abzweigung kommt. Wenn man sie erreicht, blinkt die Anzeige.

Folgt kurz danach ein weiterer Richtungswechsel, wird dieser schon vorher klein eingeblendet. Um den richtigen Moment nicht zu verpassen, kann man zusätzlich Hinweistöne aktivieren. Fährt man auf eine gefährliche Strecke zu, sieht man dies an gelben Lichtern. Schick: Im Kreisverkehr werden die falschen Abfahrten rot markiert. Verpasst man doch mal eine Kreuzung, wird die Strecke neu berechnet.

Das Smartphone muss mitspielen

Insgesamt ist das Konzept durchdacht und wenn man sich daran gewöhnt hat, navigiert man mit dem SmartHalo ziemlich sicher. Wie schnell und exakt die Hinweise erfolgen, hängt dabei auch stark von den Navi-Fähigkeiten des Smartphones ab. Mit einem Handy, das eine schwache GPS-Ortung hat und dessen Kompass verwirrt ist, ist man aufgeschmissen.

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Finger weg!

(Foto: kwe)

Das SmartHalo dient aber nicht nur als Navi. Es ist gleichzeitig auch ein Vorderlicht. Für den Stadtverkehr ist es hell genug, um gesehen zu werden. Ohne Straßenbeleuchtung sieht man damit aber im Dunkeln auch bei voller Leuchtkraft nicht sehr viel von der Straaße. Praktisch ist, dass sich das Licht bei Dunkelheit automatisch einschaltet, sobald das SmartHalo bewegt wird. Manuell schaltet man es mit zwei Tippern auf die Touch-Oberfläche ein und aus.

Wachsamer Aufpasser

Durch die Bewegungserkennung ist das SmartHalo eine sehr gute Alarmanlage fürs Fahrrad. Ist sie aktiviert und das gekoppelte Smartphone nicht in Bluetooth-Nähe, reagiert das Gerät, sobald sich jemand an dem Fahrrad zu schaffen macht. Erst warnt es mit Rotlicht und brummt drohend, bevor es schließlich in Rauchmelder-Lautstärke piepst. Je nach Situation kann man zwischen zwei Empfindlichkeiten wählen.

Nützlich ist außerdem, dass das SmartHalo aufleuchtet und Töne von sich gibt, wenn ein Anruf eingeht. Bei Android-Smartphones klappt das auch bei eingehenden Nachrichten. Man kann dann zwar nicht direkt antworten, weiß aber wenigstens Bescheid und kann rechts ranfahren, um den Anruf anzunehmen.

Ziel oder Tacho

Und schließlich hat das SmartHalo noch eine Fitness-Funktion. Dabei werden vor allem die zurückgelegte Distanz, die Zeit und die Durchschnittsgeschwindigkeit aufgezeichnet. Zu jedem Punkt kann man Ziele festlegen und sieht dann an einem sich schließenden Kreis den Fortschritt. Man kann allerdings immer nur ein Ziel definieren.

Verbrannte Kalorien und eingespartes Kohlendioxid kann man sich sparen, das ist nur Schnickschnack. Hübsch ist dagegen die Möglichkeit, das SmartHalo als eine Art Tacho einzusetzen. Dazu legt man eine Höchstgeschwindigkeit fest und sieht dann beim Fahren farblich abgestuft, wie nah man ihr ist.

Unterm Strich ist das SmartHalo eine gelungene Ergänzung fürs Fahrrad. Es ist leicht zu installieren, das Smartphone kann in der Tasche bleiben und die Richtungsanzeige durch leuchtende LEDs ist gelungen. Auch als Alarmanlage macht das Gerät eine gute Figur.

Die Fitness-Funktionen sind okay, die Benachrichtigungen spartanisch. Das Licht könnte etwas heller leuchten und man darf vor allem hoffen, dass bald alternative Navi-Apps mit Offline-Karten unterstützt werden.

Quelle: n-tv.de

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