Technik

Minusgrade schaden der Technik So überleben Smartphones die Kälte

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Selfies im Schnee sind schön, doch Smartphones droht im Winter schnell der Kältetod.

(Foto: imago/Westend61)

Schlappe Akkus, gefrorene Bildschirme, nasse Geräte: Kälte und Elektronik vertragen sich nur selten. Wer das im Winter unterschätzt, riskiert Schäden an Smartphone, Tablet oder Navi. Wie schützt man seine Geräte bei Kälte am besten?

Früher konnte es gefährlich werden, akkubetriebene Geräte großer Kälte auszusetzen. Besonders, wenn Nutzer die noch kalten Akkus zu Hause aufladen wollten: In den ersten Generationen der Lithium-Ionen-Akkus liefen Ladeprozesse dann sehr langsam. Schlimmstenfalls konnte das zu Kurzschlüssen oder sogar zu einer Explosion führen. Grund zur Panik gibt es inzwischen nicht mehr: "Das Problem ist technisch schon lange gelöst", sagt Tobias Placke vom Batterieforschungszentrum (MEET) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.

Display streikt

Auch wenn Akkus wegen eisiger Temperaturen nicht mehr explodieren: Kälte und elektronische Geräte vertragen sich immer noch nicht gut. Das betrifft nicht nur Akkus. Bei Smartphones und Tablets können in den LCD-Touchscreens die Flüssigkristalle einfrieren (LCD steht für "liquid crystal display"). Sie reagieren dann nur träge oder gar nicht mehr auf Berührungen.

Diese Aussetzer können bei IPS- und TFT-Bildschirmen auftreten, die beide mit Flüssigkristallen arbeiten. In AMOLED-Displays kommen dagegen organische Leucht-Dioden zum Einsatz (OLED steht für "organic light emitting diode"). Gegenüber Kälte sei diese Technologie widerstandsfähiger, sagt Rita Deutschbein vom Telekommunikationsportal "Teltarif.de". Dennoch kann Kälte auch hier dazu führen, dass das Displayglas unter Spannung gerät und springt.

Am Körper tragen

Manchmal lässt es sich jedoch nicht vermeiden - das Mobilgerät muss für längere Zeit hinaus in die Kälte. Für Ausflüge im Freien empfiehlt es sich, das Gerät in einer Tasche nahe am Körper zu tragen, wo es wärmer ist als zum Beispiel in der Außentasche der Jacke. Kommt das Telefon danach ins Warme, ist das für die Elektronik eine Strapaze. Nutzer sollten ihr Gerät in diesem Fall lieber langsam erwärmen und es zum Beispiel in der Jackentasche im kühlen Hausflur lassen. Wenig überraschend: Deutschbein rät davon ab, es mit einem Fön zu erhitzen oder auf die Heizung zu legen.

Denn abrupte Kalt-Warm-Wechsel bergen ein großes Risiko, etwa Kondensation. Dann bildet sich Nässe im Innern des Geräts und gefährdet die empfindliche Elektronik. "Im schlimmsten Fall richtet die Nässe Schaden an, etwa an den Akku-Kontakten", so Deutschbein. Die Schäden können irreparabel sein. "Das Wasser kann zu Kurzschlüssen und Korrosion führen", sagt Heidi Atzler vom TÜV Süd.

Das Problem: Feuchtigkeit im Gerät ist oft nicht zu sehen. Sie sammelt sich in versteckten Hohlräumen. Eine nützliche Vorsichtsmaßnahme: ein langer Druck auf die Power-Taste. Wer sicher gehen will, schaltet sein Gerät aus, bevor es aus der Kälte ins Warme kommt, empfiehlt Atzler.

Akkus haben Wohlfühltemperaturen

Manche Autofahrer lassen ihr mobiles Navigationsgerät über Nacht im Auto liegen: Das ist im Winter keine gute Idee, denn dauerhafte Kälte schadet den Zellen. Besonders stark leiden sie darunter, wenn sie voll geladen sind. Die Zellen können dadurch große Energieverluste erleiden, wie Placke erklärt. Das ist schlecht für die Laufzeit und die Lebensdauer des Akkus.

Grundsätzlich gilt: Am besten arbeiten Lithium-Ionen-Akkus bei Temperaturen von 15 bis 25 Grad. Je weiter man sich von diesem Optimalbereich entfernt, desto schlechter sei das für die Zellen, sagt Placke. Das heißt aber nicht unbedingt, dass sie sich bei Kälte schneller entladen. "Solche Probleme sollte es nicht geben, sofern Akkus nicht über längere Zeit tiefen Temperaturen ausgesetzt sind."

Um ihren Akku vor Schäden zu schützen, schalten sich manche Smartphones bei extremer Kälte ab. "Das ist ein natürlicher Selbstschutz der Geräte", sagt Deutschbein. iPhones dürfen zum Beispiel nur bei 0 bis 35 Grad Celsius genutzt werden. Für die Lagerung sind die Werte höher: -20 bis 45 Grad sind dann in Ordnung.

Unter Umständen riskieren Verbraucher auch ihre Garantie, wenn sie ihr Smartphone bei eisigen Temperaturen nutzen. Wasserschäden etwa sind oft ausgeschlossen - was bei Kondenswasserbildung zum Problem werden kann. Halten sich Nutzer nicht an Temperaturvorgaben der Hersteller, seien Kälteschäden gemäß den Garantiebestimmungen nicht gedeckt, erklärt Deutschbein.

Quelle: n-tv.de, jwa/dpa

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