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Ein Insider packt aus Wie Gratis-Spiele Nutzer ausspionieren

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Spiele ohne In-App-Käufe sind inzwischen selten geworden.

(Foto: kwe)

Kein Smartphone-Spiel ist wirklich kostenlos: Ein iOS-Entwickler beschreibt, wie sogenannte Freemium- oder Free-to-Play-Spiele Unmengen von Nutzerdaten sammeln und was die Unternehmen damit anstellen.

Weil Gratis-Apps oft alles andere als kostenlos sind, mussten Apple, Google und Amazon im vergangenen Winter die Bezeichnung im App Store durch "Laden" ersetzen. Auslöser für das Verfahren europäischer Wettbewerbshüter waren In-App-Käufe, die vor allem bei Spielen für die Entwickler ein Riesengeschäft sind. Doch der schwunghafte Handel mit Extras, Upgrade-Klunkern oder Outfits ist nicht die einzige lukrative Einnahmequelle der Anbieter von Freemium- oder Free-to-Play-Titeln. "iphone-ticker.de" hat auf der Spieler-Plattform "Toucharcade" einen Artikel entdeckt, in dem ein Entwickler bekannter Spiele erklärt, wie solche Apps haufenweise Nutzer-Daten sammeln.

Der Autor will anonym bleiben. Er schreibt, er habe für mehrere bekannte Unternehmen gearbeitet und es sei nahezu sicher, dass der Leser bereits eines seiner Spiele gespielt hat oder gerade spielt. Die Apps würden aggressiver Daten abgreifen, als es die übelste PC-Spyware in den 2000er-Jahren getan habe.

300 Gigabyte am Tag

Normalerweise implementiere er die Software von 20 bis 30 unterschiedlichen Drittanbietern in ein Spiel, so der Entwickler. Nicht alle dienten dazu, Nutzerdaten zu sammeln, einige lieferten beispielsweise Infos zu Abstürzen. Letztendlich saugten sie aber "tonnenweise" Daten. Er könne sich an ein Spiel erinnern, das um die 20 Gigabyte pro Tag sammelte, schreibt der Entwickler. Es gäbe aber auch Apps, die täglich 100, 200 oder 300 Gigabyte an Spieler-Daten lieferten. "Jedes Mal, wenn du ein Free-to-Play-Game spielst, baust du diese gigantische Datenbank auf, die verrät, wer du bist, wer deine Freunde sind, was du magst und was du nicht magst."

Die gesammelten Daten bleiben nicht auf den Servern des Spiele-Entwicklers. Die Informationen werden mit anderen Unternehmen geteilt, die ebenfalls ihre Nutzer "ausspionieren". So erhalten Entwickler auch Informationen, die ihre App gar nicht abgreift und erhalten ein erschreckend genaues Gesamtbild eines Nutzers.

Verräterisches Facebook

Eine große Rolle spiele dabei Facebook, schreibt der anonyme Autor. Das soziale Netzwerk ist in viele Freemium-Spiele integriert und Nutzer werden immer wieder dazu aufgefordert, sich anzumelden - beispielsweise um Spielstände oder Erfolge zu teilen. Zwar könne man heute über die Facebook-Integration nicht mehr ganz so viele Daten sammeln, wie früher, "aber du bekommst immer noch eine Menge." Das funktioniere selbst, wenn ein Spieler nicht auf Facebook aktiv sei oder falsche Daten eingebe, betont er. "Deine Freunde verraten dich." Die Unternehmen gingen sogar so weit, zahlungsfreudige Kunden mit einem Fake-Account zu freunden. "Vielleicht als heißes Mädchen, das zu viel Dekolleté zeigt."

Der Entwickler schreibt, er wolle diese Art von Spielen nicht machen. Nutzer, die ihre Daten schützen wollen, sollten aufhören kostenlose Spiele zu spielen, sondern sich Apps für 4,99 oder 9,99 Dollar kaufen. Ein Blick in die App Stores zeigt aber, dass der Trend weiter in Richtung Freemium geht.

Quelle: n-tv.de, kwe

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