Wirtschaft

Projekte in Berlin und Hamburg Achtung, Beton - jetzt gibt es Holzhochhäuser

228204867.jpg

Dieses moderne Mehrfamilienhaus hat bereits eine Holzfassade.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Holz ist nachhaltiger als Beton, deshalb gilt es als Baustoff der Zukunft. In Berlin und Hamburg werden in den nächsten Jahren sogar Hochhäuser aus dem beliebten Rohstoff gebaut. Doch die Bauweise ist schwieriger planbar und deutlich teurer.

Fast jeder fünfte Neubau in Deutschland ist aus Holz. Die Bauweise wird hierzulande immer beliebter. Von 2007 an ist die Zahl der neu gebauten Holzhäuser jedes Jahr gestiegen. 2019 waren es erstmals über 22.000 in einem Jahr. Aber vor dort, wo in die Höhe gebaut wird, sind Holzhäuser nach wie vor rar gesät: Die wenigsten wurden 2019 in den Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin errichtet. UTB Projektmanagement will nun beweisen, dass sich Holz und Großstadt nicht ausschließen müssen. Das Unternehmen verantwortet den Bau des höchsten Holzhauses Deutschlands. In Berlin-Kreuzberg soll das "Woho" entstehen: 98 Meter hoch, 60 Prozent Wohnfläche.

"Es ist eine herausragende Aufgabe, in Holz zu bauen. Auch in der Horizontalen. Wir haben uns diesen Werkstoff aber angeeignet", sagt UTB-Geschäftsführer Thomas Bestgen im ntv-Podcast "Wieder was gelernt" und blickt zurück: "Wir haben vor sechs Jahren in Weimar ein Grundstück erworben und dort zum ersten Mal in Holz gebaut. Wir haben ein großes Mehrfamilienhaus entwickelt, nur der Erschließungskern ist aus Beton."

"Waren absolute Exoten"

Aus den Erfahrungen in Weimar hat die Firma UTB gelernt. Das "Woho" wird in Hybridbauweise errichtet. Das heißt, Kerne des Hauses und das Untergeschoss werden aus Beton gegossen, der Rest der Konstruktion soll aus Holz sein. Mit einer Fertigstellung wird frühestens 2026 gerechnet.

Ein ähnliches Projekt will das Immobilienunternehmen Garbe in Hamburg realisieren. Auch das "Roots"-Hochhaus in der Hafencity wird in Holzbauweise errichtet. 65 Meter hoch soll das Gebäude werden. Baustart war im November vorigen Jahres, die Fertigstellung ist für 2024 geplant. "Als wir vor fünf Jahren anfingen, dieses Holzprojekt zu entwickeln, waren wir die absoluten Exoten. Damals fand der Holzbau eher im Einfamilienhaus-Bereich statt, aber nicht im Mehrgeschoss-Wohnungsbau", sagt Garbe-Chef Fabian von Köppen bei "Wieder was gelernt". "Mittlerweile ist der Holzbau in aller Munde, auch wegen Fridays for Future. Ich bin mir sicher, dass der Trend an Fahrt gewinnen wird."

Holz hat viele Vorteile. Der Baustoff ist verhältnismäßig leicht und lässt sich sehr gut verarbeiten. Dadurch spart man Zeit und auf den Baustellen ist es deutlich leiser im Gegensatz zu konventionellen Bauprojekten. Hinzu kommt der Aspekt der Nachhaltigkeit. "Noch vor drei, vier Jahren ging es unseren Kunden vor allem ums Energiesparen. Das war immer schon ein großes Thema, weil es direkt mit Geld zu tun hat. Mittlerweile merken wir, dass Menschen zunehmend gucken, dass sie nachhaltiger leben. Dieser Trend schwappt auch zum Wohnen über", meint Immobilienunternehmer von Köppen.

Aufwendige Planung kostet

"Die Leute fragen auf einmal: In was wohne ich eigentlich? Dünstet das komische Gase aus? Ist das ökologisch? Je jünger unsere Kunden sind, desto eher fragen sie danach", erzählt von Köppen, der hofft, dass "wir Wegbereiter sind für eine Wende im Wohnungsbau, hin zu mehr Ökologie und Klimaneutralität."

"Wieder was gelernt"-Podcast

"Wieder was gelernt" ist ein Podcast für Neugierige: Bekommt die Deutsche Bank ihr Geld von Donald Trump zurück? Warum müssen manche Berufspiloten Geld für ihren Job zahlen? Warum ist Chiphersteller TSMC das wichtigste Unternehmen auf der Welt? Hören Sie rein und werden Sie dreimal die Woche ein bisschen schlauer.

Alle Folgen finden Sie in der ntv-App, bei Audio Now, Apple Podcasts und Spotify. Für alle anderen Podcast-Apps können Sie den RSS-Feed verwenden. Kopieren Sie die Feed-URL und fügen Sie "Wieder was gelernt" einfach zu Ihren Podcast-Abos hinzu.

Doch das Plus an Nachhaltigkeit hat seinen Preis. Ein Hochhaus aus Holz ist etwa zwölf Prozent teurer als ein Modell aus Beton. Das liegt vor allem an der aufwendigen Planung. "Für viele Themen müssen Zulassungen im Einzelfall erwirkt werden. Das ist immer teuer. Und selbst wenn wir Normen zu hundert Prozent einhalten oder sogar übererfüllen, kann es sein, dass die zuständigen Behörden darüber hinaus noch sogenannte Angst-Zuschläge fordern. Man habe beispielsweise mit den Behörden intensiv diskutiert, ob die Fluchttreppenhäuser statt in Stahlbeton auch in Massivholz gebaut werden können. "Letztendlich haben sich die Baubehörden dann doch für Beton-Treppenhäuser entschieden, obwohl Beton im Brandfall deutlich schlechtere Eigenschaften hat als eine Holzkonstruktion", kritisiert Garbe-Chef von Köppen.

"Ein dicker Holzblock brennt nicht"

Mehr zum Thema

Wenn es brennt, verkohlt Holz und isoliert die Wärme. Der Holzkern schützt sich gewissermaßen selbst und behält dadurch seine Tragkraft. Stahl und Beton können Hitze dagegen nicht so lange aushalten. Fabian von Köppen wünscht sich deshalb mehr Flexibilität von den Behörden. Holzbauten seien mindestens genauso sicher wie konventionelle. "Jeder weiß, dass ein Streichholz brennt, aber ein dicker Holzblock eben nicht. Ein Brand wie in London kann es gar nicht geben, weil bei uns das Holz nicht mit brennbaren Materialien eingepackt wird."

Bei der Feuer-Katastrophe im Grenfell Tower in London waren vor dreieinhalb Jahren 72 Menschen ums Leben gekommen. Die verhältnismäßig leicht brennbare Fassade aus Styropor war einer der Gründe, weshalb sich das Feuer so stark ausbreiten konnte.

Einfach rausschneiden und ersetzen

In den geplanten Holz-Hochhäusern in Berlin und Hamburg kann das nicht passieren, macht auch UTB-Chef Bestgen klar. "Innen haben wir sowieso kein Problem. Wir haben digitale Warnsysteme, die sind auf dem neuesten Stand. Und wir können mit Sprühnebel-Anlagen arbeiten oder auch mit richtigen Sprinkleranlagen."

Das Haus unter Wasser zu setzen, würde auch keinen Totalschaden bedeuten, obwohl sich Holz und Feuchte bekanntermaßen nicht gut vertragen. "In Weimar haben wir gerade einen Wasserschaden, da ist das Haus nicht kaputtgegangen. Das Schöne am Holz ist ja auch, dass man zur Not ein aufgequollenes Stück herausschneidet und ersetzt."

Gibt es auch Nachteile? Ja, auch abseits der langwierigen Planungsphasen und hohen Brandschutzanforderungen. Holz hat im Gegensatz zu Beton natürliche Feinde: Zum Beispiel Holzwürmer oder Schimmelpilze. Und wenn irgendwann mehr Holz verbaut wird als nachwachsen kann, hat die Welt ein Problem. Die Bilder von riesigen Amazonas-Rodungen sind bekannt. Im "Roots" in Hamburg werden beispielsweise aber nur 5500 Kubikmeter Holz verbaut. Diese Holzmenge wächst in Deutschland innerhalb von 23 Minuten nach.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
ntv Tipp
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.