Wirtschaft

Deutschland profitiert von Draghi Führende Ökonomen loben die EZB

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(Foto: REUTERS)

Banken, Versicherer und Kleinsparer ächzen unter der EZB-Politik. Führende Wirtschaftsexperten sehen Deutschland jedoch als einen Profiteur des Kurses - und zwar in erheblichem Maße. Denn Rest erledigen die kauffreudigen Verbraucher.

Mit Kritik an der Bundesregierung und Lob für die Geldpolitik der Europäischen Zentralpolitik haben die führenden deutschen Ökonomen ihr Frühjahrsgutachten vorgestellt. Darin beurteilen sie angesichts der schwächeren Weltwirtschaft auch die Konjunkturaussichten hierzulande skeptischer. So werde die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 1,6 Prozent wachsen und damit geringer als noch vor sechs Monaten angenommen. Für das kommende Jahr erwarten die Ökonomen einen Zuwachs des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 1,5 Prozent. "Ausschlaggebend für die Revision war ausschließlich, dass sich die Weltwirtschaft Ende 2015 merklich abgekühlt hat", sagte der Chefökonom des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Timo Wollmershäuser. Dagegen seien die Aussichten für die deutsche Binnenkonjunktur "aus heutiger Sicht sogar besser" als noch im Herbst.

Getragen wird der Aufschwung nach Ansicht der Experten weiter vom privaten Konsum. Der profitiert von steigender Beschäftigung, guten Lohn- und Transfereinkommen sowie geringen Energiekosten. Zudem sorgten die Ausgaben im Zusammenhang mit der hohen Zahl von Flüchtlingen für Wachstumseffekte. Dennoch soll im kommenden Jahr die Arbeitslosigkeit leicht zunehmen, denn die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt sei langwierig. Gerechnet wird mit einer Erhöhung der Arbeitslosenzahl von 2,737 Millionen in diesem auf 2,822 Millionen im kommenden Jahr.

Institute: Bund hat Luft für dringende Investitionen

Angesichts der Ausgaben für die Flüchtlinge dürfte sich der Haushaltsüberschuss des Bundes auf etwa elf Milliarden Euro halbieren. Dennoch gebe es durch das Plus weiter einen "gewissen finanzpolitischen Handlungsspielraum", der zur Ankurbelung des Wachstums eingesetzt werden sollte. Bisher liege der Schwerpunkt auf konsumtiven und verteilungspolitischen Ausgaben, kritisierten die Forscher. Doch sollten eher Arbeitnehmer weiter entlastet und Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integriert werden. "Eine Fortführung der wenig wachstumsorientierten Wirtschaftspolitik der vergangenen Jahre wäre nicht nachhaltig", warnten sie.

In Schutz nahmen die Experten indes ausdrücklich die EZB gegen die wachsende Kritik am Nullzins. Die Auffassung sei grundsätzlich angemessen, hieß es. Das Anleihen-Kaufprogramm sei ein gutes Mittel, um die Konjunktur anzukurbeln. Durch den Erwerb der Bonds werde es für die Länder der Währungsunion leichter, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu besorgen. "Die daraus resultierende Zinsersparnis ermöglicht zusätzliche staatliche Ausgaben an anderer Stelle, die angesichts der europäischen Schuldenregeln sonst nicht möglich wären", heißt es in dem Papier der Regierungsberater. Davon profitiere auch Deutschland in "erheblichem Maße".

Noch im Oktober hatten die Institute der EZB in ihrem Herbstgutachten von einer Ausweitung der Geldspritzen abgeraten. Sparkassen und Banken in Deutschland beklagen seit langem, dass ihnen Erträge aus dem Zinsgeschäft wegbrechen. Zugleich haben Lebensversicherer Probleme, Renditen zu erwirtschaften, die sie den Kunden versprochen haben. Auch Finanzpolitiker der Union ließen praktisch kein gutes Haar an der von EZB-Chef Mario Draghi betriebenen Politik des ultra-billigen Geldes.

Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose der Forscher wird zwei Mal im Jahr von dem Münchner ifo Institut, dem DIW Berlin, dem RWI aus Essen und dem IWH aus Halle zusammen mit Partnern erstellt. Mehrere von ihnen hatten ihre jeweiligen Prognosen bereits vor einem Monat gesenkt. Auch die fünf Wirtschaftsweisen haben ihre Prognose für dieses Jahr bereits auf 1,5 Prozent von 1,6 Prozent zurückgenommen.  Die Bundesregierung will ihre neue Konjunkturerwartung in der kommenden Woche präsentieren. Bisher rechnet sie mit 1,7 Prozent.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/rts

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