Wirtschaft

"Fragen wie bei Watergate" Kongress grillt VW-USA-Chef

Freiwillig stellt sich der VW-USA-Chef Horn dem US-Kongress, um zur Aufklärung des Abgas-Skandals beizutragen. Doch seine Antworten genügen dem Ausschuss nicht. Zu tief sitzt die Enttäuschung über eine Marke, die Kultstatus genoss.

Volkswagen. Dieser Name löst bei den Mitgliedern des US-Kongress gute Erinnerungen aus. Sie erzählen von den ersten eigenen Autos, damals in den 1970ern. Kult-Käfer natürlich, was sonst. Autos, denen man sich verbunden fühlte, auch weil man sie selber auseinandernehmen und zusammensetzen konnte. Weil man sie durch und durch kannte.

Umso größer die Enttäuschung nach dem Abgas-Skandal: "VW genoss Kultstatus, aber plötzlich wurde Betrug Teil der VW-Kultur", bringt es ein Ausschussmitglied auf den Punkt. Damit ist der gemütliche Teil der Anhörung des VW-USA-Chefs Michael Horn vorbei. "Wir sind hier, um im Grund dieselben Fragen zu stellen, die schon in der Watergate-Affäre gefragt wurden: Wer wusste etwas und wann wusste er es?"

Keine leichten Fragen für Michael Horn, der den Erinnerungen an alte Käfer-Zeiten noch mit einem Lächeln gelauscht hatte. Nachdem er vereidigt ist, muss der VW-USA-Chef als Erstes einräumen, dass er bereits vor 18 Monaten von den abweichenden Emissionstests wusste. Damals habe er aber keinen Grund zur Annahme gehabt, dass eine Betrugs-Software eingesetzt worden sei, betonte Horn.

Erst wenige Tage vor Veröffentlichung des Skandals durch die amerikanische Umweltbehörde EPA am 3. September 2015 habe er von dem Einsatz der manipulierenden Software erfahren. Der Einsatz der Abschaltssoftware sei nicht durch das Management entschieden worden, so Horn. Das seien ein paar Software-Ingenieure gewesen, die das aus irgendwelchen Gründen eingebaut hätten.

VW Vorzüge
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"Ich habe nicht gedacht, dass so etwas möglich wäre bei VW. Wir haben das Vertrauen missbraucht und übernehmen die volle Verantwortung." Es würden bereits Untersuchungen mit dem Ziel durchgeführt, die Verantwortlichen zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen.

Verantwortung alleine reicht nicht

Viel Eindruck schindet Horn damit nicht: "Ich nehme dem Konzern die Schwüre hinsichtlich der Aufklärung und Transparenz und so weiter nicht ab", sagte eine Kongressabgeordnete. "VW-Kunden sollten nicht darauf warten müssen, den niedrigen Schadstoffausstoß und die sauberen Motoren zu kriegen, für die sie bereits bezahlt haben."

Doch eine schnelle Lösung für die knapp 500.000 in den USA betroffenen Fahrzeuge hat Horn nicht parat. Stattdessen kann er nur mögliche Szenarien anbieten. Horn spricht von Soft- und Hardwarelösungen, wie den Einbau eines Stickstoff-Katalysators für die erste Generation der betroffenen Dieselfahrzeuge mit 2,0-Liter-Dieselmotoren, von denkbaren Softwarelösungen mit Extra-Sensoren für die zweite Generation.

Lange war offen, ob der Autohersteller die Autos nur zu einem Software-Update oder auch für Hardware-Umbauten in die Werkstätten zurückrufen muss. Obwohl nun immerhin klar ist, dass zumindest für die erste Generation auch Hardware-Lösungen gebraucht werden, klingt Horn noch vage, zu vage für die Kongressmitglieder. Auch bei der Ankündigung, dass bei der dritten Generation der Dieselfahrzeuge nur die Betrugs-Software ausgestellt werden müssen und diese Fahrzeuge die Abgastests dennoch bestehen würden, hellen sich die Mienen nicht auf.

Fraglich ist auch, wann Händler die Fahrzeuge wieder verkaufen können, denn VW hat für 2016 keine Typzulassung. VW habe aber ein Programm aufgesetzt, um US-Händler finanziell zu unterstützen, betont Horn. Dass kann aber die Stimmung ebenso wenig bessern, wie die Information, dass die Besitzer der 430.000 Fahrzeuge aus der ersten und zweiten Generation ihre Fahrzeuge nach Aussagen der US-Umweltschutzbehörde vorläufig legal fahren können und es keine Sicherheitsrisiken gibt.

"VW wird einen hohen Preis zahlen"

Klar ist: Michael Horn trifft auf einen Ausschuss, der angesichts der Skandale in der Autoindustrie in den vergangenen Jahren müde ist. Hunderttausende japanische Fahrzeuge mussten wegen defekter Airbags des Zulieferers Takata zurückgerufen werden. Bei Toyota klemmten die Gaspedale, bei GM waren Zündschlösser defekt, beides führte zu Unfällen mit Todesfolge. Das sei bei VW nicht der Fall. "Wir haben es aber satt, dass die Verbraucher in die Irre geführt werden", betont der republikanische Abgeordnete Fred Upton.

Verbraucher seien keine Crash-Test-Dummies. Sie haben eine Erklärung verdient. Wenn Volkswagen bei den Abgas-Tests Regeln umgangen habe, bleibe zudem die Frage, ob auch noch andere Regeln umgangen wurden. "VW wird einen hohen Preis für dieses schmutzige kleine Geheimnis bezahlen. Sie müssen das verlorene Vertrauen zurückgewinnen", so Upton. Dafür wird der Wolfsburger Konzern aber bessere Lösungen anbieten müssen, als die, die VW-USA-Chef Horn dabei hatte. Er wird noch Gelegenheit haben – die Sitzung wird fortgesetzt.

Quelle: n-tv.de

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